Aktualisiert 13.10.2014 13:24

EinkaufstourismusEin Chip soll den Ausfuhrzettel ersetzen

Die Konstanzer Zollverwaltung denkt über den Ersatz des Ausfuhrzettels durch eine Chipkarte nach. Sie würde den Schweizer Einkaufstouristen das Anstehen am Zoll ersparen.

von
vb

Einkaufen ennet der Grenze bedeutet für Schweizer Konsumenten nicht nur tiefere Preise bei vielen Produkten, sondern auch lange Wartezeiten: Je nach Wochentag kann die Parkplatzsuche, das Anstehen an der Kasse und schliesslich die Ausfuhr der Waren am Zoll eine gefühlte Ewigkeit dauern.

Das Abstempeln der Millionen von Ausfuhrzetteln pro Jahr, mit denen die Schweizer die im Ausland bezahlte Mehrwertsteuer zurückfordern können, bedeutet aber auch für die deutschen Grenzbeamten jede Menge Arbeit - zu viel Arbeit, wie die Zollverwaltung in Konstanz findet. Sie hat dem Handel eine Lösung präsentiert, wie der Zoll durch eine Automatisierung entlastet werden kann. Das schreibt die «SonntagsZeitung».

Das System soll so funktionieren: Der Einkaufstourist bekommt eine Chipkarte mit seinen persönlichen Daten. An der Kasse kann er seine Einkäufe auf dem Chip verbuchen. Bei der Rückreise in die Schweiz kann er mittels der Chipkarte an einem Automaten erfassen, welche Waren er ausführt. Bei seinem nächsten Einkaufstrip nach Deutschland kann sich dann der Konsument die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen.

«Ein weiterer Anreiz»

Das Ganze soll für eine schnellere Abwicklung am Zoll sorgen. Konkret: Das Einkaufen in Deutschland würde für Schweizer noch einfacher. «Das System mit dem Chip könnte für Schweizer Einkaufstouristen durchaus ein weiterer Anreiz sein, noch öfter über die Grenze zu fahren», sagt Konsumpsychologe Christian Fichter von der Kalaidos-Fachhochschule zu 20 Minuten. Der Grund: Konsumenten legten erfahrungsgemäss viel Wert auf Effizienz und Einfachheit.

Dass die Automatisierung der Ausfuhren die Zahl der Einkaufstouristen signifikant in die Höhe schnellen lässt, bezweifelt der Konsumpsychologe aber: «Diejenigen, die gern im Ausland einkaufen, nehmen den Aufwand so oder so in Kauf - auch wenn sie am Zoll lange warten müssen.»

Strenge Zeiten für Zöllner

Andererseits soll das Chip-System auch die Zöllner entlasten. Sie sind von der hohen Zahl der Schweizer Einkaufstouristen regelmässig überfordert. Im ersten Halbjahr 2014 stempelten die Grenzwächter an der deutsch-schweizerischen Grenze von Konstanz bis Bad Säckingen über 5,1 Millionen Ausfuhrzettel ab, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor zehn Jahren mussten die deutschen Zollbeamten erst 2,1 Millionen Ausfuhrscheine bearbeiten.

Um den Ansturm von Schweizer Einkaufstouristen zu bewältigen, mussten die süddeutschen Zollämter sogar Mitarbeiter aus anderen Bereichen an die Grenze beordern. Letztes Jahr waren über 100 Beamte allein für die Ausfuhrzettel verantwortlich.

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