Website BiteLabs verkauft Promi-Fleisch aus dem Labor: «Ein Christa-Rigozzi-Schnitzel hätte wohl einen schweren Stand bei uns»
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Website bietet Promi-Fleisch«Ein Christa-Rigozzi-Schnitzel hätte einen schweren Stand bei uns»

Bitelabs.org will aus den Zellen berühmter Menschen Laborfleisch herstellen. Werden auch Schweizer Promis bald als Wurst erhältlich sein? Die Migros und der SFF nehmen Stellung.

von
Lara Hofer
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Promis soll es bald schon in Wurst-Form geben: Bitelabs.org bietet auf ihrer Website an, Fleisch aus den Muskelstammzellen berühmter Personen zu züchten und diese dann zu Salamis zu verarbeiten.

Promis soll es bald schon in Wurst-Form geben: Bitelabs.org bietet auf ihrer Website an, Fleisch aus den Muskelstammzellen berühmter Personen zu züchten und diese dann zu Salamis zu verarbeiten.

bitelabs.org
So sollen kooperationsfreudigen Stars einige Zellpartikel aus ihren Muskelstammzellen entnommen werden, die dann im Labor gezüchtet, mit Tierfleisch gemischt und zu Promi-Fleisch verarbeitet werden sollen. 

So sollen kooperationsfreudigen Stars einige Zellpartikel aus ihren Muskelstammzellen entnommen werden, die dann im Labor gezüchtet, mit Tierfleisch gemischt und zu Promi-Fleisch verarbeitet werden sollen.

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So soll es etwa eine Kanye-West-Salami zu kaufen geben. Die Betreiberinnen und Betreiber der Website führen aus: «Schweres und stark gewürztes Kanye-West-Fleisch wird mit reichhaltigem Schweinefleisch vermischt. Ungarischer Paprika verleihen Kanye eine unterschwellige Intensität, aufgepeppt mit einem Hauch von Jalapeno. Die Kanye Salami passt am besten zu starkem Straight Bourbon.»

So soll es etwa eine Kanye-West-Salami zu kaufen geben. Die Betreiberinnen und Betreiber der Website führen aus: «Schweres und stark gewürztes Kanye-West-Fleisch wird mit reichhaltigem Schweinefleisch vermischt. Ungarischer Paprika verleihen Kanye eine unterschwellige Intensität, aufgepeppt mit einem Hauch von Jalapeno. Die Kanye Salami passt am besten zu starkem Straight Bourbon.»

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Darum gehts

Klamotten, Schuhe, Parfums – wer von einem Promi begeistert ist, hat zig Möglichkeiten, das auch zu zeigen. Die Website «Bite Labs» bringt die Promi-Kultur allerdings auf die nächste Stufe: Sie bietet an, Laborfleisch aus den Zellen berühmter Personen herzustellen und in Form von würziger Salami an Fans zu verkaufen. Geplant ist etwa eine Kanye-West-Wurst sowie eine «JLaw Salami – a different type of Hunger Games». Doch wie soll das funktionieren?

Laut Bitelabs.org sollen kooperationsfreudigen Stars Zellpartikel aus ihren Muskelstammzellen entnommen werden. Die sollen anschliessend im Labor gezüchtet und mit Nähstoffen versorgt werden, damit sie sich vermehren und wachsen – bis daraus Promi-Fleisch entsteht. Das soll dann getrocknet, mit Tierfleisch gemischt und zu Salamis verarbeitet werden. Die Hersteller betonen, dass das Verfahren «sehr hygienisch und nachhaltig» sei und «die ökologischen und ethischen Bedenken der traditionellen Viehzucht» dadurch beseitig werden.

«Es geht uns vor allem um Provokation»

Tatsächlich geht es den Website-Eigentümern in erster Linie darum, eine Diskussion um Bioethik, Laborfleisch und die moderne Promi-Kultur anzuregen, wie ein Artikel der «Time» hervorbringt. «Unser Hauptziel ist es, einen öffentlichen Dialog über das Potenzial von im Handel erhältlichem, im Labor gezüchtetem Fleisch zu führen», sagt ein Vertreter der Seite gegenüber der Zeitung. Das Projekt diene demnach als kritischer Blick auf die traditionelle Fleischherstellung und Viehzucht. «Es geht uns vor allem um Provokation.»

Die Frage, ob das beschriebene Promi-Fleisch tatsächlich hergestellt werden soll, lässt der anonyme Sprecher offen. «Ob wir das Fleisch auf den Markt bringen oder nicht, hängt ganz von der öffentlichen Begeisterung ab.» Obschon er betont, dass das Unternehmen derzeit nicht dazu in der Lage sei, die VIP-Salamis zu produzieren, fügt er an: «Die Provokation ist nur ein kultureller Vorläufer der tatsächlichen Produktion unseres Produktes.»

Migros hält nichts von der Idee

Auf Social Media verbreiteten sich derweil haufenweise Spekulationen rund um das besagte Promi-Fleisch. Viele Userinnen und User vermuten, dass es sich bloss um Satire handelt – und sprechen gar von Kannibalismus. Andere scheinen begeistert vom Projekt zu sein. Könnt es also sein, dass der Trend auch auf die Schweiz überschwappt?

Die Migros, die das Labor Cultured Food Innovation Hub betreibt, zeigt sich wenig begeistert von dieser Idee. «Sachen gibt’s», lautet die simple Reaktion auf Anfrage von 20 Minuten, gefolgt vom Statement: «Ein Christa-Rigozzi-Schnitzel hätte wohl einen schweren Stand bei uns in der Migros, denn die Schweizerinnen und Schweizer bevorzugen in der Regel ihre Cervelat-Prominenz.»

Auch Schweizer Fleischverband äussert sich kritisch

Der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) ist ebenfalls noch nicht überzeugt, wenn auch aus anderen Gründen. «Wir sehen mittelfristig keine Bedrohung für die Fleischindustrie», sagt Mediensprecherin Alexandra Bechter gegenüber 20 Minuten. Zudem sehe man es derzeit als unrealistisch, dass «ein künstlich erzeugtes Steak dem Original in Geschmack und Konsistenz gleich kommt.» Bis jetzt habe lediglich ein Hamburger mit In-Vitro-Fleisch hergestellt werden können. «Wir sind skeptisch, ob dieser farblich und geschmacklich mit dem Original konkurrieren kann.»

Dem halten die Betreiber der «Bite Labs»-Website stark entgegen. So heisst es auf ihrer Seite: «Die heutige Fleischproduktion ist einfach nicht nachhaltig. Es braucht eine radikale Änderung, und laborgezüchtetes Fleisch ist die Zukunft.»

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