Aktualisiert 21.06.2011 07:23

US-RepublikanerEin «Cowboy» zielt Richtung Weisses Haus

Wer soll Barack Obama schlagen? Das aktuelle Bewerberfeld der US-Republikaner sorgt bei der Basis für wenig Begeisterung. Nun rückt ein neuer Name ins Blickfeld.

von
Peter Blunschi

Es spricht nicht für den Zustand einer Partei, wenn bei einem Treffen ihrer führenden Köpfe der Eklat um einen Komiker die meisten Schlagzeilen produziert. So geschehen bei der Republican Leadership Conference (RLC) in New Orleans. Und es spricht auch nicht für ihre Verfassung, wenn im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2012 die Rede eines Mannes den meisten Applaus erhält, der nicht antreten will – oder vielmehr noch nicht.

Mit lauten «Run Rick Run»-Sprechchören quittierte das Publikum die Ansprache von Rick Perry, Gouverneur des Bundesstaats Texas. Bislang hat der 61-Jährige eine Kandidatur stets ausgeschlossen. Nun überlegt er sich laut seinem Umfeld ernsthaft, in das Rennen einzusteigen. Perry ist nicht entgangen, dass das derzeitige Kandidatenfeld bei der Basis auf wenig Begeisterung stösst. Laut einer Umfrage von NBC und «Wall Street Journal» sind nur 45 Prozent der republikanischen Wählerschaft mit der aktuellen Auswahl zufrieden.

250 000 Jobs in Texas

Derzeitiger Favorit ist Mitt Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts. Eine Testabstimmung in New Orleans zeigte jedoch, wie schwer sich die Konservativen mit dem moderaten Mormonen tun – Romney schnitt schlecht ab. Rick Perry stand nicht zur Wahl, doch als strammer Konservativer, der Abtreibung und Homo-Ehe ablehnt, kommt er bei der Basis gut an. Seine Ansprache war ein feuriges Bekenntnis zu konservativen Werten, gewürzt mit scharfer Kritik an Präsident Barack Obama.

Perry, der 2010 als erster Gouverneur in der Geschichte des zweitgrössten US-Bundesstaats für eine dritte Amtszeit gewählt würde, könnte sich nach Ansicht vieler Republikaner sofort an die Spitze des Bewerberfelds setzen. Sein grösster Trumpf ist die Wirtschaft: Im letzten Jahr wurden in Texas rund 250 000 Jobs geschaffen, mehr als doppelt so viele wie im grösseren Kalifornien. Die schwache Konjunktur und die hohe Arbeitslosigkeit gelten als grösstes Hindernis für eine mögliche Wiederwahl Obamas.

Zweifel an innerem Feuer

Rick Perry will in den nächsten Wochen entscheiden, ob er antreten wird. Seine Frau soll ihn darin bekräftigen, doch sein langjähriger Berater David Carney schätzte die Chancen gegenüber US-Medien nur auf 50:50. Im Zentrum stehe die Frage, ob der Gouverneur genug Zeit habe, um eine schlagkräftige Wahlkampf-Organisation aufzubauen und vor allem um die benötigten Spenden von mehreren hundert Millionen Dollar zu sammeln.

Daneben zweifeln laut «Politico» selbst texanische Republikaner daran, dass Perry das innere Feuer für den strapaziösen Präsidentschafts-Marathon besitzt. Zu oft hat er in der Vergangenheit eine Kandidatur ausgeschlossen. Mit seinem typisch texanischen Hang zu cowboyhaften Macho-Sprüchen könnte er zudem auf nationaler Ebene auf Ablehnung stossen. Vor zwei Jahren etwa liebäugelte er damit, Texas von den Vereinigten Staaten abzuspalten.

Wählbarer Kandidat gesucht

Bis zur ersten Vorwahl in Iowa dauert es noch mehr als ein halbes Jahr. In dieser Zeit dürften weitere Namen auftauchen. So wird am Dienstag Jon Huntsman seine Kandidatur ankündigen, ein ehemaliger Gouverneur von Utah, der zuletzt als US-Botschafter in China amtierte. Bei der Testwahl in New Orleans belegte er überraschend den zweiten Platz. Er gilt als gemässigt, scheint dem Geschmack der Basis aber besser zu entsprechen als Mitt Romney. Denn was die will, zeigt eine CNN-Umfrage: Drei Viertel wollen einen Kandidaten, der Barack Obama schlagen kann, und nicht einen, der die reine konservative Lehre vertritt.

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