Aktualisiert 27.09.2004 18:32

H. R. F. Keating - «Inspector Ghote zerbricht ein Ei»

Ein denkwürdiger indischer Polizist

KRIMI – Der etwas unbeholfene, aber sehr korrekte Inspector Ganesh Ghote aus Bombay wird in die trostloseste Provinz Indiens versetzt. Dort soll er ein 15 Jahre zurückliegendes Verbrechen aufklären. Die erste Frau eines Dorfkönigs ist offensichtlich vergiftet worden, worauf jener seine zweite Frau, die Tochter eines einflussreichen Politikers, heiraten und dessen Nachfolge antreten konnte. Der gute Ghote gerät in ein undurchdringliches Geflecht von Abhängigkeiten und Intrigen, Kasten-Arroganz und religiösem Wahnwitz. Der Onkel des Beschuldigten etwa ist ein heiliger Mann und hat einen Hungerstreik begonnen, mit dem er erst aufhören will, wenn der Inspector abreist. Die erzürnte Bevölkerung will Ghote daraufhin an den Kragen. Doch der rettet zufällig dem Sohn des Dorfkönigs das Leben, worauf der ihm einige pikante Einzelheiten aus der Familie verrät. Der starrköpfige Ghote sucht weiter und findet schliesslich genug heraus, um den Fall zu lösen.

Den Reiz dieses Krimis macht erstens der Handlungsort aus: eine fremde Welt voll pittoreskem Wirrwarr. Zweitens ist Ghote in seinem geradezu komischen Diensteifer eine sehr originelle Hauptfigur, die von nicht minder ungewöhnlichen Nebenfiguren flankiert wird. Drittens schwebt über allem eine Art staubtrockener britischer Humor des englischen Autors Keating, 1926 geboren, einer Autorität auf dem Gebiet des Krimis.

Wolfgang Bortlik

H. R. F. Keating, «Inspector Ghote zerbricht ein Ei», Unionsverlag, 220 Seiten, 17.70 Franken.

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