Winterthur: Ein Diebstahl zu viel
Aktualisiert

WinterthurEin Diebstahl zu viel

Ein algerischer Dieb wollte in einem Winterthurer Restaurant ein Serviceportemonnaie entwenden. Nach 22 Vorstrafen gibt nun dafür 16 Monate Gefängnis unbedingt.

von
Attila Szenogrady

Vor dem Obergericht bezeichnete der heute 31-jährige Algerier seine Einreise vor neun Jahren als Versehen. So sei er in Frankreich in einen Zug eingestiegen und dort eingeschlafen. Als er aufgewacht sei, habe er sich bereits in der Schweiz befunden, erinnerte er sich am Dienstag zurück.

Fest steht, dass sich der inzwischen abgewiesene Asylbewerber seither eine laut Obergericht beispiellose Deliktsserie geleistet hat. So hat er bereits 22 Vorstrafen auf dem Kerbholz. Davon 17 alleine wegen Diebstahls.

Ueber Serviceportemonnaie gestolpert

Im letzten Februar wurde der Nordafrikaner wieder einmal aus der Haft entlassen. Keine zehn Tage später wurde er wieder straffällig. Schon alleine dadurch, dass er eine frühere Ausgrenzungsverfügung der Stadt Winterthur missachtete und am 2. März ein Restaurant an der Metzgasse aufsuchte.

Dort fragte er eine Serviceangestellte zuerst nach einem Telefon. Dann drang er heimlich in die Küche der Gaststätte ein und entwendete dort ein Serviceportemonnaie mit 600 Franken. Der Langfinger hatte aber Pech. So hatte die Angestellte bemerkt, dass der Angeschuldigte aus der Küche gekommen war und stellte ihn an seinem Sitzplatz zur Rede. Dieser warf seine Beute sofort unter den Tisch. Allerdings vergeblich, da die Frau das Portemonnaie schon bald entdeckte und die Polizei einschaltete.

Zehn Monate in Winterthur

Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland leitete gegen den verhafteten Dieb eine Untersuchung ein und erhob im letzten April Anklage. Wegen Diebstahls, rechtswidrigen Aufenthaltes, Missachtung einer Ausgrenzung sowie des Besitzes von 0,5 Gramm Kokain verlangte die zuständige Staatsanwältin eine hohe Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Im letzten Mai ging das Bezirksgericht Winterthur von einem eher leichten Verschulden aus und setzte eine erheblich mildere Freiheitsstrafe von zehn Monate fest. Was prompt eine Berufung der Staatsanwaltschaft nach sich zog.

Frech, arrogant und unbelehrbar

Am Dienstag forderte die Anklagebehörde eine markante Straferhöhung auf 16 Monate unbedingt. Der leitende Staatsanwalt nannte den Angeklagten einen frechen, arroganten und unbelehrbaren Straftäter. Der Verteidiger verlangte hingegen die sofortige Haftentlassung seines Klienten. So sei der Angeschuldigte ein aus der Not geborener Gesetzesbrecher, der nur stehle, um zu überleben, plädierte er.

Strafe auf 16 Monate erhöht

Das Obergericht kannte kein Pardon. Es lastete dem Dieb ein hinterlistiges Verhalten an und stufte das Winterthurer Urteil aufgrund der zahlreichen Vorstrafen als zu wohlwollend ein. Damit erhöhten die Oberrichter die Strafe deutlich auf 16 Monate unbedingt. Nach der Haftentlassung will der Angeklagte zu Verwandten nach Deutschland ausreisen.

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