Teure Swiss-Tickets: «Ein Direktflug hat seinen Preis»

Aktualisiert

Teure Swiss-Tickets«Ein Direktflug hat seinen Preis»

Einige Flüge sind für Deutsche, die in Zürich umsteigen, billiger als für Passagiere, die erst in der Schweiz einsteigen. Die Swiss meint: Aus gutem Grund.

von
ish
Wer in Zürich Kloten eincheckt, zahlt für denselben Flug unter Umständen mehr als Umsteigepassagiere.

Wer in Zürich Kloten eincheckt, zahlt für denselben Flug unter Umständen mehr als Umsteigepassagiere.

Es klingt stossend: Ein Flug mit der Swiss von Frankfurt nach Peking mit Umsteigen in Zürich kostet zum Spezialtarif rund 550 Euro (660 Franken). Wer erst in Zürich an Bord geht, zahlt gemäss einer Stichprobe der «SonntagsZeitung» rund 924 Franken. Trotz der kürzeren Strecke sind das 40 Prozent mehr. Passagiere, die diesen Preisvorteil auch aus der Schweiz nutzen wollen und sich das Günstig-Ticket ab Frankfurt besorgen, aber erst in Zürich einsteigen, zahlen drauf: Die Swiss berechnet dann den höheren Preis ab der Schweiz plus eine Änderungsgebühr, die abhängig ist von den Ticketkonditionen.

Hintergrund dieser Preispraxis sei die Notwendigkeit für die Swiss, Passagiere zum Umsteigen nach Zürich zu ködern: Damit ihre Maschinen ausgelastet würden, sei sie auf Gäste aus dem Ausland angewiesen: «Swiss ergänzt ihr Schweiz-basiertes Streckennetz mit Umsteigepassagieren», erklärt die Swiss-Sprecherin. Rund ein Drittel der Passagiere für einen Langstreckenflug werden aus dem Ausland in die Schweiz eingeflogen, um erst hier in ein Flugzeug zu ihrem eigentlichen Reiseziel umzusteigen. «Denn ohne diese Umsteigepassagiere könnten lediglich eine Handvoll Langstreckendestinationen aus der Schweiz wirtschaftlich betrieben werden», so die Sprecherin. Im Moment könne die Airline auf diese Weise aber 25 interkontinentale und 59 europäische Destinationen ab der Schweiz direkt anfliegen.

Swiss lockt Umsteigepassagiere mit Spezialpreisen

«Ein Direktflug ist komfortabler, das schlägt sich im Preis nieder», sagt die Sprecherin. Und der besteht darin, dass Schweizer teilweise mehr bezahlen als Umsteige-Passagiere. Damit die nämlich den Umstieg überhaupt in Kauf nehmen, werden sie mit Günstig-Preisen gelockt. So gestalte sich der Tarif nicht nur nach den Flug-Kilometern, sondern auch nach «Marktumfeld und Angebot/Nachfrage», wie die Swiss-Sprecherin sagt.

Wer das Spezialangebot Frankfurt-Zürich-Peking auch ab der Schweiz nutzen will und den Zubringerflug von Frankfurt ausfallen lässt, dem schieben die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Airline einen Riegel vor: Sie erlauben zwar seit 2010, dass man die Reihenfolge der Reise ändert, respektive eine Teilstrecke auslässt. Aber in diesem Fall werde eben der Tarif für die geänderte Flugroute berechnet.

Hängige Klage

Sara Stalder vom Konsumentenschutz kritisiert das: «Passagiere müssen selber entscheiden können, wie sie ihr Ticket nutzen», sagte sie der «SonntagsZeitung». Sie prüfe deshalb eine Klage.

Im Moment ist laut der Swiss-Sprecherin jedoch noch eine Klage hängig. 2011 hatte ein Gericht in Basel-Stadt eine entsprechende Beschwerde abgewiesen, nun ist der Fall vors Appellationsgericht weitergezogen worden.

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