Aktualisiert 20.04.2007 10:57

Ein Dorf droht zu verschwinden

Im kanadischen Daniel's Harbour herrscht nach dem zweiten grossen Erdrutsch seit vergangenem Oktober grosse Angst. Ein Haus wurde 30 Meter in die Tiefe gerissen, weitere Gebäude sind in Gefahr, ein Ende ist nicht in Sicht.

Der kleinen kanadischen Ortschaft Daniel's Harbour wird der Boden unter den Füssen weggezogen. Am vergangenen Wochenende riss ein Erdrutsch nicht nur tonnenweise Material 30 Meter in die Tiefe, sondern auch ein Haus, das rund zehn Meter entfernt von der Küste stand. Bruce Biggin, der sein Haus kurz vor der Katastrophe verlassen konnte und bei einem Nachbar Unterschlupf gefunden hatte, steht unter Schock: «Wir sind noch immer am trauern.»

20'000 Lastwagenladungen Erde

Rund 150'000 Kubikmeter Erde - oder 20'000 Lastwagenladungen - wurden in den letzten Tagen ins Meer gezogen. Es war bereits der zweite grosse Erdrutsch seit letztem Oktober. Und ein Ende ist nicht in Sicht. «Die Erde ist sehr dynamisch. Sie bewegt sich immer noch langsam fort», erklärte Geologe Paul Deering.

Vier Häuser gelten weiterhin als sehr gefährdet, nächstens in die Tiefe gerissen zu werden. Die Bewohner wurden vorsorglich evakuiert. Ebenso in Gefahr ist die einzige Strasse, die in das 350-Seelendorf führt. Sie wurde nun gesperrt und eine provisorische Strasse errichtet.

Geologe Deering, der bereits vom ersten grossen Erdrutsch im Oktober überrascht war, will nun den Grund für die Naturgewalt finden. Er untersucht Einflüsse von Küstenerosionen, des Grundwassers und der Vibrationen durch den Verkehr. Allerdings hätten zu viele Variablen wie beispielsweise das Wetter einen Einfluss, um den nächsten Erdrutsch vorherzusagen. Deering: «Es ist wie ein Akt von Gott oder der Natur und sehr schwer vorhersehbar. Aber ja, ich war sehr überrascht, als ich hier noch einmal ein solch grosses Ereignis vorfand», sagte er in Anspielung an die Erdrutsche vom Oktober.

Die Einwohner sind besorgt. Ebenso wie Bürgermeister Steve Carey: Es müsse endlich etwas unternommen werden, um die Naturgewalt in den Griff zu bekommen, sagte er.

(meg)

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