BFU-Studie zeigt: Ein Drittel aller Autofahrer ist im Strassenverkehr abgelenkt
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BFU-Studie zeigtEin Drittel aller Autofahrer ist im Strassenverkehr abgelenkt

2020 führte die BFU erstmals eine Studie zur Ablenkung durch. Am stärksten abgelenkt sind Fussgänger, gefolgt von Autofahrern und Velofahrern. Eine Rolle spielt auch das Alter: Die Jungen schwingen klar obenaus.

von
Lucas Orellano
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Am meisten ablenkend ist die Interaktion mit anderen Menschen. 

Am meisten ablenkend ist die Interaktion mit anderen Menschen.

20min/Sonja Mulitze
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) führte 2020 erstmals eine Erhebung zu Ablenkung im Strassenverkehr durch.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) führte 2020 erstmals eine Erhebung zu Ablenkung im Strassenverkehr durch.

Athena Grandis
So sind gemäss der Studie rund 30 Prozent aller Autofahrerinnen und -fahrer abgelenkt unterwegs.

So sind gemäss der Studie rund 30 Prozent aller Autofahrerinnen und -fahrer abgelenkt unterwegs.

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Darum gehts

  • In der Schweiz sind rund 30 Prozent der Autofahrer abgelenkt. Bei den Fussgängern sind es 50 Prozent und bei den Velofahrern 20 Prozent.

  • Je jünger die Verkerhsteilnehmer sind, desto eher lassen sie sich ablenken.

  • Am ablenkendsten ist die Interaktion mit anderen Menschen.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) führte 2020 erstmals eine Erhebung zu Ablenkung im Strassenverkehr durch. Die Resultate wurden am Dienstag publiziert. So sind gemäss der Studie rund 30 Prozent aller Autofahrerinnen und -fahrer abgelenkt unterwegs. Auf dem Velo sind es rund 20 Prozent und zu Fuss beim Überqueren von Strassen rund 50 Prozent.

Die Daten sind laut der Hauptautorin der Studie, Patrizia Hertach, mit Zahlen aus dem Ausland vergleichbar, auch mit den autoverrückten USA . «Die Werte bewegen sich ungefähr im gleichen Rahmen», sagt Hertach auf Anfrage von 20 Minuten.

Jüngere lassen sich leichter ablenken

Die Ablenkung nimmt bei allen untersuchten Gruppen mit dem Alter ab. 18 bis 29-jährige Autofahrende waren bei der Erhebung zu 35 Prozent abgelenkt, bei den über 60-Jährigen waren es noch 23 Prozent. Leichte Unterschiede zeigen sich beim Geschlecht. Männer waren rund 5 Prozent mehr abgelenkt (32 Prozent) als Frauen (27 Prozent). Mit Abstand am stärksten ablenkend wirkte die Interaktion mit den Mitfahrenden (18 Prozent). An zweiter und dritter Stelle folgen das Telefonieren (5 Prozent) und das Rauchen (3 Prozent).

Strenge Regeln für Datenerhebung

Die Vorgaben bei der Erhebung der Daten waren streng: Wer im Auto sitzt und mit einer anderen Person spricht, gilt für den Zweck der Studie als abgelenkt, auch wenn der Blick auf die Strasse gerichtet ist. «Es gibt neben der visuellen auch eine kognitive Ablenkung», sagt Hertach dazu. «Das Unfallrisiko kann auch steigen, wenn man den Verkehr im Blick hat, aber mit einer anderen Person spricht.»

Zusätzlich wurden das Alter und das Geschlecht der Lenkenden registriert. Wie die BFU auf Anfrage bestätigt, gibt es dort im Grenzbereich eine gewisse Unschärfe, denn es ist von Auge nicht unbedingt erkennbar, wie alt eine Person ist oder was für ein Geschlecht sie besitzt. «Die Art der Messung ist aber wissenschaftlich abgestützt, je grösser die Anzahl der erhobenen Daten, desto eher gleichen sich allfällige Messfehler wieder aus», sagt Mediensprecher Marc Kipfer zu 20 Minuten. Die Datenerhebung erfasste rund 17’200 Autos, 1200 Lieferwägen, 5800 Velos, 1600 E-Bikes und 16’500 Fussgängerinnen und Fussgänger.

Fussgänger deutlich am stärksten abgelenkt

Bei Fussgängern liegt die Ablenkung (beim Überqueren einer Strasse) bei durchschnittlich 50 Prozent. Bei Kindern bis 14 Jahren ist die Rate mit 68 Prozent am höchsten, sinkt auch bei den 15-29-Jährigen kaum ab (65 Prozent). Danach sinkt die Ablenkung jedoch stark, von den 60-Jährigen überquerten bei der Erhebung nur noch 26 Prozent abgelenkt die Strasse.

Grösste Übeltäterin ist auch hier die Interaktion mit anderen Personen (27 Prozent), gefolgt vom Handy (5 Prozent). Analog zur Datenerhebung bei den Autofahrenden zählte auch bei den Fussgängerinnen und Fussgängern das Sprechen mit einer anderen Person bereits als Ablenkung, auch wenn Blickkontakt zu einem herannahenden Auto bestand.

Auf dem Velo sind rund 20 Prozent der Verkehrsteilnehmenden abgelenkt, die Tendenz ist ebenfalls mit höherem Alter sinkend und die meisten Ablenkungen (9 Prozent) entfallen auf Interaktion.

5 Tipps der BFU für eine sichere Fahrt

  • Multitasking vermeiden – am Steuer, zu Fuss und auf dem Velo

  • Handy in der Tasche lassen – egal, wie man unterwegs ist

  • Verkehr immer im Blick behalten

  • Navi im Auto vor der Fahrt programmieren

  • Um während der Fahrt etwas Wichtiges zu erledigen: kurz anhalten

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