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Ein Drittel der Nachbarn wird gehasst

Gerade mal die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz verbindet mit ihren Nachbarn und Nachbarinnen positive Gefühle. Vierzig Prozent sind zu scheu, sich den neuen Nachbarn vorzustellen.

Dies zeigt eine repräsentative Studie im Auftrag des Fördervereins Nachbarschaftshilfe Zürich. «Nachbarschaft ist eine unausweichliche Tatsache», sagte Hannes Steinmann, Geschäftsführer vom Meinungsforschungsinstitut Publitest, am Dienstag vor den Medien in Zürich. «Nachbarn muss man nicht suchen und oft kann man sie sich nicht aussuchen - man erhält Nachbarn.»

Das Verhältnis zu den Nachbarn kann denn auch von ausgesprochen freundlich bis zum ausgewachsenen Streit reichen. Knapp die Hälfte der Befragten empfindet ihre Nachbarn als tolerant und offen. Drei von fünf erleben ihre Nachbarn als freundlich, zurückhaltend, hilfsbereit und anständig.

Ein Drittel eher zwiespältige Gefühle

Nähe spende nicht nur Sicherheit und Geborgenheit, sondern schaffe auch Überdruss, sagte Steinmann weiter. Die Hälfte der Befragten findet denn auch, dass sich die Nachbarn häufig einmischen und kontrollieren oder sich aufdringlich verhalten. Ein Drittel der Befragten hat beim Thema Nachbarschaft eher zwiespältige Gefühle und Gedanken.

Die kleinen Nettigkeiten des täglichen Lebens machen aus der Person nebenan einen guten oder schlechten Nachbarn. So stören sich sechs von zehn Schweizerinnen und Schweizer daran, wenn der Nachbar oder die Nachbarin nicht grüsst. Ein Drittel möchte, dass sich die Nachbarn beim Einzug vorstellen.

Fast die Hälfte der Befragten steht den kleinen Nachbarschaftshilfen positiv gegenüber. Doch finden es zwei von fünf Personen schwierig, den ersten Schritt zu machen.

Für die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer ist eine persönliche und aktive Beziehung zu den Nachbarn wichtig. Das gilt insbesondere für Eltern mit Kindern und Alleinstehende.

Mit knapp drei Familien Nachbarschaftshilfe

Durchschnittlich pflegen die Befragten mit maximal drei Familien aktive Nachbarschaftshilfe. Darunter fällt etwa eine Sache ausleihen, Besorgungen machen oder bei der Betreuung der Kinder behilflich sein.

Die Studie zeigt zudem, dass Nachbarschaft für die Befragten nicht an den Wohnort gebunden ist. So versteht knapp die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz auch Arbeitskollegen als Nachbarn.

Die von Publitest durchgeführte Studie wurde vom Förderverein Nachbarschaftshilfe Zürich in Auftrag gegeben. Befragt wurden zwischen November 2005 und März 2006 in der Deutschschweiz und Romandie 1558 Personen im Alter zwischen 18 und 74 Jahren. (sda)

Nachbarschaftshilfe hoch im Kurs

Zürich Drei von vier Befragte der Studie zur Nachbarschaft in der Schweiz wünschen vermehrt organisierte Nachbarschaftshilfe an ihrem Wohnort.

Am grössten ist das Interesse an der Nachbarschaftshilfe in der Altersgruppe von 35 bis 54 Jahren, am niedrigsten bei den 18- bis 34-Jährigen, wie die am Dienstag veröffentlichte Studie zeigt. Paare ohne Kinder sind weniger sensibilisiert als Familien und Singles.

Freiwillige und auf Nachbarschaftshilfe angewiesene seien vor allem Frauen, sagte Christian Guler, Präsident des Fördervereins Nachbarschaftshilfe Zürich, am Dienstag. Die Frauen würden zunehmend in den Arbeitsprozess integriert und stünden für Nachbarschaftshilfe deshalb weniger zur Verfügung.

Die Rekrutierung von neuen - und jüngeren - Freiwilligen gehöre denn auch zu den wichtigsten künftigen Herausforderungen der Nachbarschaftshilfe, sagte Guler weiter.

In der Stadt Zürich leisten 1000 Freiwillige jährlich 50 000 Stunden Hilfe für 2000 Nachbarn. Vermittlungsstellen sind 14 selbstständige Nachbarschaftshilfen (NBH) in allen Stadtquartieren.

Im November 2005 wurde der Förderverein gegründet. Dieser sei nicht ein Dachverband sondern eine Dienstleistungsorganisation für die NBH.

(SDA)

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