Aktualisiert 18.09.2014 13:21

Start des Streaming-Dienstes in der Schweiz

«Ein Drittel der Schweizer soll Netflix nutzen»

Der Streaming-Dienst Netflix ist in der Schweiz gestartet. Der Chef und Gründer Reed Hastings hat ambitionierte Ziele.

von
Laura Frommberg

Bescheiden ist man bei Netflix nicht. Chef und Gründer Reed Hastings empfängt die Presse im noblen Zürcher Hotel Widder. Die Penthouse-Suite des 5-Sterne-Hotels haben die Leute des amerikanischen Streaming-Konzerns zu einer «typischen Wohnung einer vierköpfigen Familie» umfunktioniert - einer ziemlich wohlhabenden typischen Familie. Überall stehen Fernseher, liegen Tablets, sind Laptops drapiert. Sogar am Badewannenrand steht ein iPad Mini, auf dem ein Kinofilm läuft. Dass dieses an einem Stromkabel hängt, ist nur ein kleiner - wenn auch fataler - Schönheitsfehler.

Die Amerikaner haben ein klares Ziel. «Wie wir es in den USA geschafft haben, wollen wir auch hier einen Drittel der ganzen Bevölkerung als Kunden gewinnen», so Netflix-Chef Hastings zu 20 Minuten. In den USA hat das sieben Jahre gedauert. Wie lange wird es in der Schweiz gehen? «Fünf bis zehn Jahre», schätzt er.

«Angebot in einem Jahr verdoppeln»

Schaffen will der Streaming-Dienst das, indem er die Auswahl schnell und massiv erweitert. «Innerhalb von einem Jahr wollen wir das Angebot bereits verdoppelt haben», so Netflix-Programmchef Ted Sarandos. Wie viele Serien im Anfangs-Angebot sind? Das will Netflix nicht bekannt geben. Die komplette Anzahl der Serien ist auf der Nutzeroberfläche nicht ersichtlich. Man setze eher auf Qualität als auf Quantität und damit überzeuge man auch die Kunden, heisst es nur.

Die Auswahl sei genau auf das Bedürfnis der Zuschauer in den jeweiligen Ländern abgestimmt, so Hastings. «Wir haben uns die Fernsehquoten angesehen, das Verhalten bei Social Media, aber auch die Download-Plattformen, auf denen die Leute herunterladen.» Denn genau diese wolle man konkurrenzieren. Nicht der klassische Fernsehmarkt sei die Konkurrenz. «Unser Ziel ist es, das illegale Herunterladen zu bekämpfen», so Hastings. Er glaubt, dass sein Unternehmen das schaffen kann, obwohl man Geld für das Streaming verlangt. «Der Einstiegspreis liegt so tief, dass sich das auch weniger gut Betuchte leisten können und wollen», ist er überzeugt.

«Menschlicher Faktor»

Punkten will Netflix ausserdem mit etwas, was Hastings den «menschlichen Faktor» nennt. 900 Angestellte arbeiten in der Produktentwicklung. Ihre Aufgabe: Algorithmen entwickeln, die es ermöglichen, die Angebote genau auf jeden einzelnen Nutzer zuzuschneiden. Wenn man etwa eine neue Serie anfängt und direkt drei Folgen hintereinander sieht, dann merkt sich das System das und passt die Empfehlungen entsprechend an. Bricht man bereits nach zwei Minuten ab, fliesst auch das in die Berechnungen ein.

Eine Erweiterung des Angebots auf andere Formate als Filme und Serien schliesst Netflix kategorisch aus - auch wenn einer der grössten Anteile der Nutzer den Dienst über Spielkonsolen nutzt. «Video-Spiele, Live-Veranstaltungen oder Sportsendungen kommen für uns nicht in Frage. Wir bleiben beim Kerngeschäft», erklärt Entwicklungschef Neil Hunt. «Und da gibt es noch sehr viel Neues zu entdecken.»

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