20.06.2020 12:14

Opel Kadett 1971

Ein echtes Goldstück

Natürlich war nicht jeder Opel Kadett damals goldfarben. Es gab ihn in allen Farben und sie wurden auch gerne rot oder gelb gekauft. Aber mein Onkel hatte ihn in Gold.

von
Bruno von Rotz
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Ganz schön goldig, der Opel Kadett B 1100 von 1971 als Dreitürer.

Ganz schön goldig, der Opel Kadett B 1100 von 1971 als Dreitürer.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Der Zweitürer war beliebt, denn er war etwas günstiger. Das Geld konnte man dann fürs Radio einsetzen.

Der Zweitürer war beliebt, denn er war etwas günstiger. Das Geld konnte man dann fürs Radio einsetzen.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Seinem ständigen Gegner, dem VW Käfer, hatte der Opel Rekord einen wahrlich riesigen Kofferraum voraus.

Seinem ständigen Gegner, dem VW Käfer, hatte der Opel Rekord einen wahrlich riesigen Kofferraum voraus.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com

Darum gehts

  • Obwohl über 2,5 Millionen Mal gebaut, gibt es heute nur noch wenige Opel Kadett B.
  • Der Grund: Die Wagen wurden gebraucht und nicht geschont.
  • Den wenigen, die es heute noch gibt, sieht man ihr Alter an.
  • Das ist auch gut so: Aus Sicht eines Oldtimerfahrers ist am Kadett B kaum etwas auszusetzen.

Mein Onkel fuhr einen. Exakt mit derselben goldfarbenen Lackierung wie der porträtierte Opel Kadett von 1971. Und mein Onkel war keine Ausnahme. Fast jeder kennt jemanden, der einen Opel Kadett B besass. Kein Wunder, schliesslich wurden in acht Jahren insgesamt etwa 2,7 Millionen Exemplare in den unterschiedlichsten Varianten gebaut. Trotzdem sind sie heute rar, denn es waren Gebrauchsfahrzeuge, ein Kadett wurde nicht geschont. Ausnahmen wie das fotografierte Ersthand-Exemplar bestätigen die Regel.

Ganz schön gewachsen

Schon der Vorgänger des im September 1965 vorgestellten zweiten Nachkriegs-Kadetts war erfolgreich. 650’000 Kadett A wurden in drei Jahren gebaut. Überzeugt hatte der VW-Käfer-Gegner mit Robustheit, Zuverlässigkeit und modernem Auftritt. Doch es kam auch Kritik auf, vor allem wegen der relativ knappen Platzverhältnisse, der harten Federung und der im Vergleich zur Konkurrenz geringeren Zuladung.

So rüstete Opel schon nach drei Jahren, da wurde der Käfer bereits fast 20 Jahre weitgehend unverändert gefertigt, nach und präsentierte einen vergrösserten Kadett. Opel-Chefkonstrukteur Mersheimer sprach von «aufblasen». 18 Zentimeter länger, 13 Zentimeter breiter wurde der Kadett, seine Aussendimensionen betrugen damit 4,18 × 1,57 × 1,397 Meter. Und beim Kofferraum, da sprach das Opel-Marketing sogar vom «Gepäckspeicher», 348 Liter passten zwischen Reserverad und Tank im Heck, deutlich mehr als beim Käfer.

Die modernisierte Linie mit flach gestellter Frontscheibe hatte vor allem für die Insassen Vorzüge, denn sie profitierten nun auf den Vordersitzen von 1,27 Metern Innenbreite (plus 6 Zentimeter), und auch hinten gab es etwas mehr Platz. Bei der Technik wurde fortgeschrieben. Es gab etwas mehr Hubraum und Verfeinerungen beim Fahrwerk. Das musste reichen. Immerhin reichte es für 130 km/h Spitze und für 22 Sekunden im Sprint von 0 auf 100 km/h. Damit war man auf der Autobahn vorne. Und ab 6900 Franken war man dabei, mit der nicht gerade umfangreichen Grundausstattung.

Entspannt unterwegs

Dass man in einem fast 50-jährigen Auto sitzt, spürt man im Opel Kadett B 1100 von 1971 sofort. Ein Lenkrad mit dünnen Speichen und ebenso schlankem Kranz gibt einen unbehinderten Blick frei auf eine spärliche Instrumentenausstattung mit Tacho und Uhr sowie Anzeigen für Wassertemperatur und Tankinhalt. Die wenigen Schalter sind klar beschriftet und geben kaum Anlass zu Fragen. Eine Scheibenwischerstufe muss genügen, für die Reinigung gibt es eine Fusspumpe zur Verteilung der Scheibenwaschflüssigkeit. Immerhin hängen die Pedale und stehen nicht wie im Käfer, und für moderne Autofahrer wirkt der Kadett sehr übersichtlich und kompakt, auch wenn damals anders geurteilt wurde.

Der Kadett lässt sich einfach fahren, die Schaltung mit H-Schema gibt keine Rätsel auf. Die Geräusche vom Motor sind, gerade im Vergleich zum Käfer, nur dezent wahrnehmbar, überzeugen dafür auch nicht unbedingt mit symphonischer Qualität. Schnell genug für die Landstrasse ist der Kadett auch heute noch, und handlich ist er dazu. Ob der Werbeslogan von damals «Kadett-Fahrer muss einfach jeder mögen» stimmt, können wir nicht beurteilen, aber am Kadett B gibt es zumindest aus Oldtimerfahrer-Sicht kaum etwas auszusetzen.

Weitere Informationen, viele Bilder und Ausschnitte aus der damaligen Verkaufsliteratur gibt es auf www.zwischengas.com.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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51 Kommentare
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Housi

21.06.2020, 20:58

Genau so einen Zweitürer hatte ich als erstes Auto. Mit Rückenwind, bergab und mit etwas Heimweh, ging der sogar 140.

Kudi vom Studi

21.06.2020, 10:41

Rückschauend auf die 60-er 70-er erinnere ich mich an die damalige Haltung, diese verurteilte eigentlich alles was Opel hiess. Opel? Schon das Wort O P E L machte einem nicht nervös. Kein Dampf, schlechte Bodenhaltung, eine Wippschaukel ein Bünzliauto, no Sound etc.

schnefritz

21.06.2020, 08:46

War mein erstes Auto,allerdings mit 1700er Motor und als Ascona in der Schweiz hergestellt, zu einem moderaten Preis.Nachher habe ich einen der ersten MantaA/GTE gekauft.Ein traumhaftes Auto!!!