Pensionskassen: Ein Eldorado für Betrüger
Aktualisiert

PensionskassenEin Eldorado für Betrüger

Gefahr für unsere Rentengelder: Pensionskassen sind besonders anfällig für kriminelle Machenschaften. Doch viele Vorsorgeeinrichtungen sind sich dessen zu wenig bewusst.

von
Elisabeth Rizzi
Betrug und Veruntreuung in der zweiten Säule: Neuster Fall die Zürcher Beamtenversicherungskasse.

Betrug und Veruntreuung in der zweiten Säule: Neuster Fall die Zürcher Beamtenversicherungskasse.

Traurig, aber wahr: Bestechungs- und Betrugsvorfälle bei Pensionskassen wie bei der Zürcher BVK, der Sammelstiftung Gemini oder der Solothurner Sammel- und Anlagestiftungen Vera/Pevos wird es immer geben.

Weil die Komplexität der Anlagen wegen der schwierigen Zinssituation weiter zu und die Transparenz abnimmt, wächst die Wahrscheinlichkeit für unsaubere Geschäfte mit Rentengeldern sogar noch. Davor warnen die Pensionskassen-Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Balmer-Etienne.

«Pensionskassen sind von Natur aus anfälliger für Betrug, weil sehr grosse Vermögensmengen verwaltet werden», so Roland Furger, Wirtschaftsprüfer und Revisionsexperte bei Balmer-Etienne. Aber nicht nur das: Selbst bei einer Revision könne nur schwer kontrolliert werden, ob zwischen den Pensionskassenverantwortlichen und den Vermögensverwaltern Schmiergelder für die Vermittlung von Grossanlageaufträgen fliessen. Ganz zu schweigen von Bargeldzahlungen. Dieses Geld würde eigentlich den Versicherten zustehen. Ein Kontrollsystem dafür einzurichten lohnt sich trotzdemnämlich laut dem Pensionskassenexperten und Zürcher Uniprofessor Martin Janssen viel teurer als der angerichtete Schaden.

Auch kleine Kassen gefährdet

An prominenten Pensionskassenskandalen mangelt es nicht. Bei der Liquidation von Vera/Pevos 1996 musste der Sicherheitsfonds der beruflichen Vorsorge 73 Millionen Franken einschiessen, um den über 2000 betroffenen Arbeitnehmern doch noch die Leistungen zu garantieren. Im Fall Gemini wird die Zahlung von Provisionen der Versicherung Swiss Life in der Höhe von 6 Millionen Franken zwischen 2001 und 2006 untersucht. Roland Rümmeli, der Ex-Anlagechef der Siemens-Pensionskasse, zahlte der Vorsorgeeinrichtung 2008 0,4 Millionen Franken zurück, nachdem aufgeflogen war, dass er Retrozessionen in die eigene Tasche statt in die Pensionskasse hatte fliessen lassen.

Obwohl in den Medien nur die spektakulären Fälle grosser Pensionskassen bekannt werden, sind laut Balmer-Etienne auch kleine Kassen vor kriminellen Machenschaften nicht gefeit. «Denn wo ein einziger König alle Fäden in der Hand hat und auch über Anlagen entscheidet, besteht besonders grosses Potenzial», glaubt Furger. In der Schweiz gibt es 2500 Vorsorgeeinrichtungen. Davon zählen 1000 zur Gruppe der autonomen Pensionskassen. In dieser Gruppe sind viele Kassen klein.

Mit transparenten und einfachen Strukturen, einer klaren Gewaltentrennung und auch der Auslagerung von Aufgaben wie etwa der Vermögensverwaltung an Dritte würden sich laut den Experten viele kritische Konstellationen vermeiden lassen. «Aber es gibt eben auch Pensionskassen, die ihre Schwachstellen gar nicht kennen und teilweise auch nicht die Empfehlungen der Revisoren beachten», bedauert Furger. Nur teilweise Verbesserungen im Feld Verantwortlichkeiten und Transparenz sind mit der beschlossenen Strukturreform für 2012 zu erwarten. Die Schaffung einer präventiven, risikobasierten und integrierten Aufsicht wie sie in diversen Ländern der EU existiert, steht aber nicht zur Debatte.

Teure Fehlinvestitionen

Das ist umso schlimmer, als in der Regel auch Berater und Führungspersonen von Investmentvehikel bei betrügerischen Aktivitäten beteiligt sind. Denn im Gegensatz zu Veruntreuungen in Privatfirmen (hier bereichern sich meist Kaderleute selbst) steht hinter einem Korruptionsfall bei einer Pensionskasse oft ein Vertragspartner, der seine Produkte zu vorteilhaften Konditionen platzieren will. Das hat Auswirkungen auf die Anlagestrategie einer Pensionskasse und kann zu dramatischen Fehlinvestitionen führen, wie das Beispiel BVK zeigt. Die Investments in die Beteiligungsgesellschaft BT&T verursachte der BVK einen Verlust von 274 Millionen Franken.

Pensionskassen

In den 2500 Vorsorgeeinrichtungen der zweiten Säule werden insgesamt 650 Milliarden Franken verwaltet. Bei den Pensionskassen gibt es drei verschiedene Organisationstypen. Fast 1000 sind so genannt autonome Kassen. Diese Kassen übernehmen selbst die Anlage der von ihnen verwalteten Vermögen und die Versicherung der Risiken Tod und Invalidität. In dieser Gruppe gibt es besonders viele kleine Kassen. Die 1200 teilautonomen Kassen verwalten ihr Vermögen ebenfalls selbst, lassen aber Tod und Invalidität von einer Versicherungsgesellschaft decken. Zuletzt gibt es rund 300 Sammelstiftungen. Hier decken Lebensversicherungen sämtliche Risiken und legen das Vermögen an. Bei diesem Modell sind Transparenz und Gewaltenteilung theoretisch am höchsten. Welche Lösung der eigene Arbeitgeber gewählt hat, ist am Vorsorge-Ausweis ersichtlich. Diesen erhalten Arbeitnehmer jährlich von ihren Arbeitgebern.

Die grössten Korruptions-Skandale

Omag Pensionskasse

Landis & Gyr Pensionskasse

Vera/Pevos Sammelstiftung

Siemens Pensionskasse

Gemini Sammelstiftung

Fina Freizügigkeitsstirgtung

BVK

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