Aktualisiert 25.10.2015 15:45

KunstprojektEin Elefant trottet durch Bern

Im Rahmen eines Kunstprojekts macht ein Elefant Berns Strassen unsicher. Im Internet hat das Rüsseltier schon viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

von
Nadine Ellis

Ein Elefant trabt durchs nachtschlafene Bern. Doch das Tier ist nicht etwa aus einem Zoo ausgerissen: Es ist eine Schattenprojektion des 34-jährigen Grafikdesigners Michael Flückiger. Flückiger hat für sein Schattenmodifikationsprojekt an einem Velo herumgebastelt und es mit Geschwindigkeitsmesser, Projektor, Autobatterie und einem iPad ausgestattet. Je schneller Flückiger mit seinem präparierten Fahrrad durch die Berner Stassen fährt, desto flinker jagt der Schattenelefant neben ihm her.

Rund 200 Stunden hat Flückiger in seine Schattenprojektion «Elephant Walk» gesteckt. Das Rüsseltier ist Teil des Kunstprojekts «Le bruit qui court».

Öffentliche Kunst zum Schmunzeln

Das Projekt läuft während des ganzen Jahres 2015 und will die Diskussion um den öffentlichen Raum der Stadt Bern und die Rolle der Kunst im Zusammenhang mit der städtischen Gestaltung und Architektur anregen. «Wir haben das Projekt mit der Aktion «Danke für Ihre Aufmerksamkeit» im Januar gestartet und werden es mit dem Erscheinen der zweiten Ausgabe unserer Zeitung «Feuille publique» beenden», erklärt Projektmitarbeiter Niklaus Wenger.

«Le bruit qui court. Kunst ganz öffentlich» ist eine Initiative der Kommission Kunst, die Kunst fördert, die nach einiger Zeit wieder verschwindet. So war eines der ersten Projekte der fiktive Skulpturenpark «Der Elefant ist da» auf dem Helvetiaplatz von Muda Mathis, Sus Zwick und Fränzi Madörin. Auch mit Plakat- und Ballon-Aktionen konnte «Le bruit qui court» zu Beginn auf sich aufmerksam machen. «Die Anweisungen aus dem öffentlichen Raum, die wir auf ungewohnte Weise platzierten, haben viele Passanten zum Schmunzeln gebracht», so Wenger.

Aus der Eigendynamik des Projekts heraus haben sich verschiedenste Aktionen – wie auch der Schattenelefant - entwickelt. Zudem finden in regelmässigen Abständen sogenannte «Cafés publics» statt, an denen die künstlerische Auseinandersetzung mit kulturellen Unterschieden und die Ausrichtung der Kommission Kunst besprochen wird. Im Internet konnte jedoch insbesondere der «Elephant Walk» viel Aufmerksamkeit ergattern – das Video bringt es auf Vimeo schon auf 25'700 Klicks. Der Schattenelefant versteht sich als Antwort auf den fiktiven Skulpturenpark. «Zwar wird der Elefant bei meiner Projektion visualisiert, dennoch wird er nicht zum Gegenstand. Er ist ein Schatten und bleibt somit geisterhaft», erklärt Flückiger.

Geisterhafter Elefant öfters in Bern unterwegs

Die nächsten «Cafés publics» finden am Sonntag, 25. Oktober, und am Sonntag, 29. November, statt. Schon oft habe sich das Rüsseltier im Vorfeld des Cafés in Bern herumgetrieben: «Daher ist es auch möglich, dass er wieder in der oberen Altstadt, der Länggasse und beim Bollwerk herumhuscht», fügt Wenger hinzu.

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