Aktualisiert 24.05.2007 15:14

«Ein Erdbeben der Stärke 12»

Für die einen kam er überraschend, für die anderen war er naheliegend und für die Dritten ist er Anlass zur Sorge: Der Zusammenschluss von Tamedia und Espace Media Groupe beschäftigte Politiker und Medienszene in der Schweiz.

Er sehe die Meinungsvielfalt nicht gefährdet, sagte Bundesrat Moritz Leuenberger in einer ersten Reaktion. Es gebe noch genügend Presseunternehmen, nationale Medien und Lokalradios, die diese gewährleisteten.

Der Medienminister gewinnt der Übernahme sogar positive Seiten ab: «Ein starkes Presseunternehmen kann es sich leisten, auf qualitativen, guten Journalismus zu schauen», sagte Leuenberger gegenüber Radio DRS.

Für Matthias Hagemann, Verwaltungsratspräsident der Basler Zeitung Medien, ist der Zusammenschluss von Tamedia und Espace Media Groupe ein «Erdbeben der Stärke 12». In der Schweizer Regionalzeitungslandschaft entstehe damit eine «Achse von ungeheurer Kraft», sagte Hagemann gegenüber der SDA.

Nicht für alle überraschend

«Der Schulterschluss ist überraschend», sagte Peter Wanner, Verleger der AZ Medien Gruppe (»Aargauer Zeitung»). Die Espace Media Groupe habe sich jahrelang gegen eine Übernahme aus Zürich gewehrt.

Der Zusammenschluss sei «nicht überraschend» und habe «sich abgezeichnet», sagte dagegen Markus Spillmann, NZZ-Chefredaktor, Vorsitzender der NZZ-Geschäftsleitung und Leiter Publizistik. Die NZZ-Gruppe ist über die Freie Presse Holding AG an der Bund Verlag AG beteilt.

Ebenfalls wenig überrascht zeigte sich der Churer Verleger und Präsident der Schweizer Zeitungsverleger, Hanspeter Lebrument. Es sei erwartet worden, dass die Besitzerfamilien der Espace Media Groupe eine Nachfolgeregelung treffen würden, sagte Lebrument.

Keine Freude bei den Gewerkschaften

Keine Freude an der Übernahme haben die Mediengewerkschaften. «Es ist fraglich, ob es noch möglich ist, zwei unabhängige Zeitungen in Bern zu haben», sagte Urs Thalmann, Zentralsekretär des Journalistenverbands impressum. Jede weitere Konzentration führe zu weniger Konkurrenz und damit zu weniger Druck auf die Medien, eigenständig zu arbeiten.

Auch die Mediengewerkschaft comedia fürchtet um die Medienvielfalt in der Region Bern. Mit der Übernahme sei das «Berner Modell» gefährdet, sagte Co-Präsident Roland Kreuzer. Comedia will von Tamedia Garantien, dass die Unabhängigkeit und die Vielfalt der Medien in Bern erhalten bleibt.

Der «Einheitsbrei» werde sonst noch grösser - ohnehin lese man schon heute überall das Gleiche. Verärgert zeigte sich Kreuzer über die Tatsache, dass Tamedia über 200 Millionen Franken aufwerfen könne, während die letzte generelle Lohnerhöhung 20 Franken betragen habe.

Berner Politiker verunsichert

Er respektiere den unternehmerischen Entscheid der beteiligten Unternehmen, sagte der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät. Er sorge sich aber um die Medienvielfalt und um die Arbeitsplätze.

Auch der Berner Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher hoffte, dass die neuen Besitzer Rücksicht nehmen auf die wichtige Rolle der Espace Medien für die Meinungsbildung im Kanton Bern.

(sda)

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