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Ente macht die RundeEin falscher Klick – «Washington Post» gekauft

Chinesische Medien haben die satirische Meldung übernommen und weiterverbreitet, dass der Amazon-Chef Jeff Bezos die «Washington Post» durch einen versehentlichen Mausklick gekauft habe.

von
jam

Am Montag war bekannt geworden, dass sich der Amazon-Chef Jeff Bezos das Traditionsblatt «Washington Post» unter den Nagel gerissen hat. Die 250 Millionen Dollar, die er dafür hinblättern musste, sind für seine Verhältnisse ein Klacks. Wenig verwunderlich, dass die ersten Bezos-Pesos-Wortspiele auf Twitter nicht lange auf sich warten liessen.

Andere gingen mit ihren Spässchen aber noch einen Schritt weiter. Der US-Komiker Andy Borowitz behauptete in einer satirischen Kolumne im «New Yorker», Bezos habe die «Washington Post» versehentlich gekauft, nämlich, als er beim Surfen auf der Webseite der Zeitung gedankenverloren herumgeklickt und sie dabei mit einem Mausklick in seinen Warenkorb bugsiert habe - ganz in Amazon-Manier. «Niemals hätte ich die ‹Washington Post› kaufen wollen ... Ich lese die Zeitung nicht einmal!», soll Bezos demnach zu Protokoll gegeben haben.

Amazon-Chef kauft «Washington Post»

Dumm nur, dass einige chinesische Staatsmedien diese Worte für bare Münze genommen haben. China Radio International (CRI) griff die Parodie als wahre Geschichte auf, die sich dann auf den Webseiten der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, der «Volkszeitung» und anderen Medien verbreitete. Einige nahmen es wieder herunter, doch war es am Freitag noch bei der «Volkszeitung» zu sehen.

Nicht der erste Lapsus von chinesischen Medien

Nicht einmal erfundene Aussagen hielten die Chinesen davon ab, die Ente in ihre Berichterstattung zu übernehmen. So soll Bezos gesagt haben, der Fehler sei ihm erst aufgefallen, als die Kreditkartenfirma 250 Millionen US-Dollar (rund 230 Millionen Franken) berechnet habe. «Ich habe ihnen gesagt, dass ich nicht weiss, wie das in meinen Warenkorb gekommen ist», lautete ein erfundenes Zitat aus dem Munde von Bezos.

Chinesische Medien nehmen immer wieder mal eine satirische Meldung auf. Erst im November war das Parteiorgan auf die US-Satire-Webseite «The Onion» hereingefallen, als diese die sexuelle Anziehungskraft von Nordkoreas Führer Kim Jong-Un gelobt und ihn zum «Sexiest Man Alive» gekürt hatte.

Pseudo-Hinrichtung

Die Staatsagentur Xinhua korrigierte inzwischen einen weiteren Fehler, indem sie Fotos von der angeblichen Hinrichtung einer jungen Frau in den USA von ihrer Webseite nahm, die eigentlich aus einem Porno-Video stammten.

Chinas Internetnutzer waren alles andere als amüsiert: «Das ist die Qualität der Staatsmedien, die selbst glauben, sie müssten die öffentliche Meinung anleiten.» Ein anderer meinte: «Sie halten ein Porno-Video mit der Exekution einer Verbrecherin für eine wahre Geschichte und nehmen einen Witz als echte Nachricht - die Intelligenz der Staatsmedien macht einem Sorgen.»

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