03.04.2020 19:09

Öl-Markt

Ein Fass kanadisches Erdöl ist billiger als ein Glas Bier

Die Erdöltanks sind derzeit zum Bersten voll, weshalb der Erdölpreis zerfällt. In gewissen Regionen ist momentan sogar das Bier teurer.

von
obr
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In Russland sollen Käufer aus Europa schon dafür bezahlt werden, dass sie dem Produzenten das Erdöl abkaufen.

In Russland sollen Käufer aus Europa schon dafür bezahlt werden, dass sie dem Produzenten das Erdöl abkaufen.

Keystone/Steffen Schmidt
Anfang dieser Woche sollen gemäss einzelnen lokalen Berichten die Liefer- und Frachtkosten inklusive der Zölle für Öl aus Westsibirien höher gewesen sein als der in Europa für die Lieferung bezahlte Preis.

Anfang dieser Woche sollen gemäss einzelnen lokalen Berichten die Liefer- und Frachtkosten inklusive der Zölle für Öl aus Westsibirien höher gewesen sein als der in Europa für die Lieferung bezahlte Preis.

Keystone/Steffen Schmidt
Ein ähnliches Szenario sei für Kanada und die USA denkbar, warnen nun Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs. Sie rechnen damit, dass auch dort in wenigen Wochen die Ölpreise ins Negative rutschen werden.

Ein ähnliches Szenario sei für Kanada und die USA denkbar, warnen nun Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs. Sie rechnen damit, dass auch dort in wenigen Wochen die Ölpreise ins Negative rutschen werden.

epa/Tannen Maury

In Russland sollen Käufer aus Europa schon dafür bezahlt werden, dass sie dem Produzenten das Erdöl abkaufen. Das berichtet der «Tages-Anzeiger» gestützt auf russische Medienberichte. Auch auf andere Regionen könnte ein Preiszerfall zukommen.

Anfang dieser Woche sollen gemäss einzelnen lokalen Berichten die Liefer- und Frachtkosten inklusive der Zölle für Öl aus Westsibirien höher gewesen sein als der in Europa für die Lieferung bezahlte Preis. Der Wert von westsibirischem Rohöl gelte als Leitmarke für den gesamten russischen Markt.

Ein ähnliches Szenario sei für Kanada und die USA denkbar, warnen nun Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs. Sie rechnen damit, dass auch dort die Ölpreise ins Negative rutschen werden. Es sei – im Falle Kanadas – noch eine Frage von wenigen Wochen. Und in den USA von wenigen Monaten.

In Kanada ist ein Bier bereits teurer als ein Fass Öl

Als Grund für den Preiszerfall werden die weltweit beschränkten Lagerkapazitäten im Ölsektor angeführt. Denn: Obwohl die Förderlimiten, auf die sich das Ölkartell Opec und Russland geeinigt hatten, Ende März ausliefen und die Nachfrage wegen der Corona-Pandemie gesunken ist, produzieren die Erdölländer munter weiter.

Nachdem die russischen Öllager bereits zum Bersten voll sind, erwarten die Goldman-Analysten, dass schon bald auch Kanada und die USA ihre Lagerkapazitäten erreichen. Bereits jetzt sei deshalb der Preis der Ölsorte Western Canada Select auf 4,18 Dollar pro Fass abgerutscht. Ein Fass (159 Liter) des Öls ist somit teurer als ein grosses Glas kanadisches Bier.

Weshalb wird dann weiterproduziert?

Die Betreiber würden die Produktion nicht stilllegen, weil die spätere Wiederaufnahme zu teuer wäre, schreibt der «Tages-Anzeiger». Insbesondere die Ölquellen, die auf dem Festland liegen und weit von einem Meerhafen entfernt sind, lassen die Betreiber für einen gewissen Zeitraum einen negativen Ölpreis in Kauf nehmen.

Überdies macht sich der Preisrutsch auch in der Schweiz bemerkbar. Seit März 2019 wurden Erdölprodukte um 10,1% günstiger. Gegenüber dem Februar 2020 ist der Preis gemäss Bundesamt für Statistik um 5,7 Prozent gesunken.

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