Aktualisiert 30.11.2011 08:37

SVP-Bundesratskandidaten

Ein Favorit aus dem falschen Kanton

Die Zürcher SVP schickt Bruno Zuppiger als Bundesratskandidaten ins Rennen. Er hat angesichts der schwachen Konkurrenz gute Chancen. Doch auch er hat einen Makel.

von
Lukas Mäder

Lange hat die SVP verzweifelt nach einem valablen Kandidaten für die Bundesratswahlen vom 14. Dezember gesucht. Nun ist klar, auf wen die Parteileitung setzt: auf Nationalrat und Gewerbeverbandspräsident Bruno Zuppiger. Die Zürcher SVP hat ihn Anfang Woche überraschend ins Rennen geschickt. Unterstützung hat Zuppiger von ganz oben. Parteipräsident Toni Brunner, Bundesrat Ueli Maurer sowie SVP-Doyen Christoph Blocher haben ihn gebeten, das Amt zu übernehmen. Zuppiger steht damit in der Pole Position für die Nominierung durch die Fraktion, welche am Donnerstagabend stattfindet.

Zuppigers Trumpf ist seine Vorgeschichte: Vor den Bundesratswahlen im Dezember 2008 handelten ihn die anderen Parteien als SVP-Sprengkandidaten gegen Ueli Maurer. Im Wahlkampf-Portrait der Weltwoche beschrieb CVP-Präsident Christophe Darbellay Zuppiger gar als seinen Lieblingsgegner im Bundeshaus: «Zuppiger ist in der Regel keiner, der provoziert, und keiner, der mit dem Feuer spielt.» Er sei solid und bürgerlich und habe gute Beziehungen zu CVP und FDP. Für SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli ist deshalb klar: «Wenn die anderen Parteien Zuppiger nun nicht wählen, entlarven sie sich als Lügner.»

SVP-Initiative nicht unterschrieben

Mitte-links soll keine Ausrede erhalten, den SVP-Kandidaten nicht zu wählen, sagt auch Nationalrat Toni Bortoluzzi: «Wir müssen wählbare Personen nominieren und den anderen Parteien keinen Anlass bieten, die Konkordanz leichter zu brechen.» Bei Zuppiger ist dies gegeben. Zuletzt schaffte er es in die Schlagzeilen mit seiner Skepsis gegenüber der Einwanderungsinitiative der SVP. Er habe zwar Vorbehalte gegenüber der Personenfreizügigkeit, sagte Zuppiger - unterschrieb die Initiative aber nicht. Deshalb ist Bortoluzzis Bilanz: «Zuppiger kann man nicht vorwerfen, zum harten, unanständigen SVP-Kern zu gehören.»

Der Zürcher verdankt seine klare Favoritenrolle auch der schwachen Konkurrenz. Die SVP versuchte Politiker wie den Thurgauer Nationalrat und Unternehmer Peter Spuhler oder den alt Regierungsrat und frischgewählten Thurgauer Ständerat Roland Eberle für die Wahl zu gewinnen – erfolglos. Damit ging die Suche in der zweiten Reihe bei unbekannteren Regierungsräten weiter. Die Thurgauer SVP hat als Kandidaten ihren Baudirektor Jakob Stark vorgeschlagen. Der 53-Jährige ist in Bern – selbst bei Parteikollegen – unbekannt. Das gleiche Problem hat der Zuger Baudirektor Heinz Tännler, der am Dienstagabend portiert wurde. Ihm weht von linker Seite ein eisiger Wind entgegen wegen seiner früheren Stelle als Chefjurist der Weltfussballverbands Fifa. Beiden werden bei SVP-Vertretern wenig Chancen eingeräumt.

«Nie ein vorbehaltloser Mitkämpfer»

Bessere Karten hat der Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann, den seine Kantonalpartei nominiert hat. Als Bundesparlamentarier über die Parteigrenzen hinweg bekannt, gilt er zudem als moderater SVP-Vertreter. Er sorgte in der Vergangenheit mit Kritik an der Führung seiner eigenen Partei für Aufsehen. Seine Chancen sind intakt, doch er ist nicht Wunschkandidat der SVP-Spitze – und dürfte auch in der Fraktion durchfallen. «Er war nie ein vorbehaltloser Mitkämpfer», sagt Bortoluzzi. Da habe er es nun schwieriger bei seinen eigenen Leuten. Dieser Meinung ist auch Mörgeli, obwohl er ihn auf Parteilinie sieht. «Sein Nachteil ist, dass er von der Bundesversammlung als Schwergewicht wahrgenommen wird.»

Dennoch dürfte Germann in der Fraktion zur Diskussion stehen, denn auch Zuppiger hat einen Makel: Er ist Zürcher und wohnt im gleichen Ort wie SVP-Bundesrat Maurer, in Hinwil. Damit würden mit seiner Wahl nicht nur die Berner in der Regierung zwei Sitze belegen, sondern auch die Zürcher. Diese Dominanz Zürichs könnte in der SVP-Fraktion auf Widerstand stossen. Bortoluzzi ist überzeugt, dass darüber diskutiert werden wird: «Es könnte sein, dass deswegen sogar ein anderer Kandidat nominiert wird.» Doch das offizielle Argument der SVP ist, dass der Wohnort egal sei. Die Kantonsklausel, die zwei Bundesräte aus dem gleichen Kanton verbot, sei abgeschafft worden, sagt Bortoluzzi. Ob die Bundesversammlung das auch so sieht, ist offen. Für Mörgeli wäre diese Begründung nur ein Vorwand, keinen SVPler zu wählen.

Romand für den Angriff auf SP-Sitz

Die Bundesversammlung wird auswählen können – denn es gilt als sicher, dass die SVP-Fraktion ein Zweierticket nominiert. Neben einem Deutschschweizer Kandidaten dürfte ein Romand aufgestellt werden – im Hinblick auf einen möglichen Angriff auf den zweiten SP-Sitz. Als mögliche Kandidaten sind die Nationalräte Jean-François Rime (FR) und Guy Parmelin (VD) im Rennen. Rime gilt als Favorit für das zweite Ticket. «Er ist schon einmal angetreten und hat ein gutes Resultat gemacht», sagt Mörgeli. Ausserdem spreche er gut Deutsch. Für Parmelin spricht, dass er mit seinen 52 Jahren neun Jahre jünger ist als Rime.

Volkswahl des Bundesrats

Am 14. Dezember wählt das Parlament den neuen Bundesrat - das Volk sieht zu. Nicht bei 20 Minuten Online: Wir führen für Sie eine Volkswahl durch.

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