Der Citroën XM war ein Flop und wurde trotzdem zum Star
Wegen seines schrägen Charakters wird der Citroën XM heute gefeiert.

Wegen seines schrägen Charakters wird der Citroën XM heute gefeiert.

Kai-Uwe Knoth / www.zwischengas.com
Publiziert

Citroën XM Ein Flop, der trotzdem zum Star wurde

Für Citroën sollte der XM zu Beginn der Neunzigerjahre die Eintrittskarte in die Oberklasse sein. Das Experiment scheiterte und der grosse Citroën wurde ein Flop. Heute steht er auf dem Sprung zur begehrenswerten Rarität.

von
Sven Jürisch

Die Kariere des Citroën XM begann durchaus hoffnungsvoll. Als Nachfolger des legendären CX, der nach 16 Produktionsjahren nur noch von Markenfetischisten gekauft wurde, sollte der grosse Citroën die Marke wieder in der Oberklasse brillieren lassen. Und da man sich aus historischen Gründen vor allem dem Design verpflichtet sah, begann die Arbeit am XM zunächst mit der Suche nach der optimalen Form. Drei Designteams traten mit ihren Entwürfen gegeneinander an und am Ende siegte das Büro Bertone, dessen Designer Marcello Gandini bereits den BX entworfen hatte.

Auf ein langes Leben ausgerichtet

Zur Kostenreduktion stellte Peugeot den ebenfalls neu entwickelten 605 als Spender für die Bodengruppe des XM zur Verfügung, gestattete Citroën aber das eigne, markentypische hydraulische Federungssystem zu verwenden. Der XM wurde in einem komplett renovierten Werk in Rennes-la-Janais gebaut und auf ein langes Autoleben ausgerichtet. Sorgfältig gegen Korrosion geschützte Bleche, ein hoher Anteil an Verbundkunststoffen sowie eine intensive Qualitätskontrolle stellten sicher, dass der rufschädigende Rostbefall aus CX-Zeiten für den XM kein Thema sein sollte. Für Citroën war es selbstverständlich, mit dem neuen Modell auch in Sachen Aerodynamik weit vorne mitzuspielen. So erreichte der XM mit cw = 0,28 einen sehr guten Wert, der dem Auto zu geringem Verbrauch und einem niedrigem Innengeräuschniveau verhalf.

Später XM in Bleu Saphir. Bei Facelift-Modellen (ab Juli 1994) sitzt der Doppelwinkel in der Mitte.

Später XM in Bleu Saphir. Bei Facelift-Modellen (ab Juli 1994) sitzt der Doppelwinkel in der Mitte.

Kai-Uwe Knoth / www.zwischengas.com
Das hohe Heck erinnert ein wenig an den Citroën SM aus den Siebzigern.

Das hohe Heck erinnert ein wenig an den Citroën SM aus den Siebzigern.

Kai-Uwe Knoth / www.zwischengas.com
Keilförmiges Profil mit verspielter Fensterlinie und Schrägheck

Keilförmiges Profil mit verspielter Fensterlinie und Schrägheck

Kai-Uwe Knoth / www.zwischengas.com

Natürlich beschränkte sich Citroën nicht nur auf ein modernes Karosseriedesign, sondern entwickelte auch die hydropneumatische Federung weiter, die nun durch eine Elektronik mit zahlreichen Sensoren die Fahrzeuglage überwachte und Federung wie Dämpfung entsprechend einstellte. Zwei zusätzliche Federkugeln wurden installiert, um die Regelungen im Betrieb schnell umsetzten zu können. Im Dezember ’93 ergänzte das AntiSink-System das Fahrwerkssetup. Infolgedessen übertraf der XM seine Wettbewerber durch einen ungemein hohen Federungskomfort, gepaart mit hoher Fahrsicherheit. Zwar war der XM nicht mehr ganz so weich abgestimmt wie sein Vorgänger, doch das Gefühl des «fliegenden Teppichs» bot in seiner Klasse nur der Citroën. Das freilich zu einem hohen Preis, denn das System war sehr aufwendig.

Ein schwacher Motor

Einen Kritikpunkt am CX vermochte Citroën auch beim XM nie wirklich auszuräumen. Die zur Wahl stehenden Motoren waren Zeit seines Lebens zu schwach und wenig souverän. Die Vierzylinder-Benziner hatten, bis auf den 147-PS-Turbomotor, zu wenig Kraft und boten nur wenig Laufruhe, während der 200-PS-Sechszylinder der ersten Generation vor allem durch seine Unzuverlässigkeit auffiel. Besserung brachte der ab April 1997 eingesetzte und komplett neu konstruierte V6-Motor mit 190 PS. Die Dieselotoren mit 109 oder 129 PS waren sparsam und langlebig, aber etwas ungehobelt.

Im Innenraum verzichtete Citroën leider auf jede Extravaganz, und wäre da nicht in den ersten Jahren das markentypische Einspeichenlenkrad gewesen, man hätte sich in einem beliebigen Mittelklasseautos geglaubt. Selbst das Radio war nun an einer Position, wo es ohne während der Fahrt anzuhalten zu bedienen war.

Heute wird er gefeiert

Auch wenn Citroën mit dem XM angesichts der weit unter den Erwartungen gebliebenen Absatzzahlen nicht wirklich glücklich wurde, ist das Auto doch ein Meilenstein der Automobilgeschichte. Die Szene feiert ihn schon heute als den letzten echten Citroën. Es ist gerade dieser schräge Charakter, der den XM zu einem Sympathieträger in einer immer gleichförmigeren Autowelt macht.

Einen ausführlichen Fahrbericht sowie viele weitere Bilder gibt es auf www.zwischengas.com zu lesen und zu sehen.

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