Dunkles Geheimnis: Ein Fluss gibt seine Toten frei
Aktualisiert

Dunkles GeheimnisEin Fluss gibt seine Toten frei

Seit Generation hat die Drina, der Grenzfluss zwischen Bosnien und Serbien, viele Kriegstote verschluckt. Jetzt, zum ersten Mal seit Jahrzehnten, gibt sie einige der Überreste wieder frei.

Seit der 60 Kilometer lange Perucac-Stausee abgelassen wurde, um den Damm zu reparieren, wurden bislang Teile von rund 50 Leichen gefunden - Überreste bosnischer Muslime, aber auch von drei deutschen Wehrmachtssoldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, dekoriert mit dem Eisernen Kreuz.

Die Geschichte des «blutigen Flusses» ist eine Geschichte von Krieg und Leid. «Sing, sing Drina. Erzähle den Generationen, wie tapfer wir gekämpft haben», heisst es in einem nationalistischen serbischen Lied aus den Tagen des Ersten Weltkrieges.

«Jetzt sind die Leichen an den Ufern buchstäblich wieder an die Oberfläche gekommen», sagte Amor Masovic von der bosnischen Kommission für vermisste Personen, der die meisten Exhumierungen seit dem Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 leitete.

Suche nach Leichen bosnischer Muslime

Derzeit durchkämmen rund 70 bosnische Experten den trocken gelegten Grund des Stausees nach Überresten der Toten. Die Suche ist nicht ungefährlich. Der Tod lauert auch in Form von Minen und Granaten im Boden.

Die Männer suchen vor allem nach den Leichen von mehr als 1000 bosnischen Muslimen. Einige von ihnen verschwanden 1992 in Visegrad, andere werden seit dem Massaker von Srebrenica 1995 vermisst.

Serbische Experten suchen zudem nach Kosovo-Albanern, die während der Nato-Bombardements 1999 von serbischen Truppen getötet wurden. Die Leichen waren seinerzeit in Kühllastwagen gepackt und in den See geschüttet worden.

Die gefundenen Leichen müssen in einem aufwendigen Verfahren mit DNA-Test identifiziert werden. Die meisten der bislang gefundenen stammten aus Visegrad, sagte Masovic. (sda)

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