Aktualisiert 10.04.2019 11:47

SpeedboxEin frisiertes E-Bike kann extrem teuer werden

Die Polizei erwischt regelmässig Velofahrer mit getunten E-Bikes. Durch den Einbau unscheinbarer Gerätchen sind sie mit bis zu 60 km/h unterwegs.

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mm
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Sie heissen Speedbox oder Speedclip und sind im Internet ab 155 Franken erhältlich: Mit den kleinen Kästchen mit ihren bunten Kabeln kann man die Geschwindigkeitsbegrenzung von E-Bikes austricksen.

Sie heissen Speedbox oder Speedclip und sind im Internet ab 155 Franken erhältlich: Mit den kleinen Kästchen mit ihren bunten Kabeln kann man die Geschwindigkeitsbegrenzung von E-Bikes austricksen.

Screenshot/Amazon
Für viele Schweizer ist das verlockend. Christian Gerhard vom Fahrradshop CycleTec.ch etwa sagt: «Wir verkaufen zwischen 50 und 100  Speedboxen pro Jahr.» Das Produkt habe man seit zwei Jahren im Sortiment, der Tempoboost lasse sich per Knopfdruck ein- und ausschalten.

Für viele Schweizer ist das verlockend. Christian Gerhard vom Fahrradshop CycleTec.ch etwa sagt: «Wir verkaufen zwischen 50 und 100 Speedboxen pro Jahr.» Das Produkt habe man seit zwei Jahren im Sortiment, der Tempoboost lasse sich per Knopfdruck ein- und ausschalten.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Auch der E-Bike-Händler Daniel Rey von E-Motion Technologies stösst bei Reparaturen auf die verdächtigen Kästchen. Auch komme es vor, dass sich Kunden in Verkaufsgesprächen danach erkundigen würden. Dennoch lehne er jede Form von E-Bike-Tuning ab.

Auch der E-Bike-Händler Daniel Rey von E-Motion Technologies stösst bei Reparaturen auf die verdächtigen Kästchen. Auch komme es vor, dass sich Kunden in Verkaufsgesprächen danach erkundigen würden. Dennoch lehne er jede Form von E-Bike-Tuning ab.

Keystone/Stefan Hunziker

Sie heissen Speedbox oder Speedclip und sind im Internet ab 155 Franken erhältlich: Mit den kleinen Kästchen mit ihren bunten Kabeln kann man die Geschwindigkeitsbegrenzung von E-Bikes austricksen. Diese sind im Handel auf 25 oder 45 km/h beschränkt. Auf Youtube findet man unzählige Anleitungen, wie man das E-Bike selbst frisieren kann. Quasi die moderne Variante des auf bis zu 100 km/h frisierten Töfflis, wo man den Kolben manipulierte oder die Übersetzung änderte.

Für viele Schweizer ist das verlockend: Christian Gerhard vom Fahrradshop CycleTec.ch etwa sagt: «Wir verkaufen zwischen 50 und 100 Speedboxen pro Jahr.» Das Produkt habe man seit zwei Jahren im Sortiment, der Tempoboost lasse sich per Knopfdruck ein- und ausschalten. So bringe man etwa bis 10 km/h mehr auf die Pedale. «Wir weisen unsere Kunden aber immer auf die Rechtslage hin.»

«Ich komme selbst aus der Töfflibuben-Generation»

Auch der E-Bike-Händler Daniel Rey von E-Motion Technologies stösst bei Reparaturen auf die verdächtigen Kästchen. Auch komme es vor, dass sich Kunden in Verkaufsgesprächen danach erkundigen würden. «Ich verstehe schon, warum Leute danach fragen, denn ich komme selbst aus der Töfflibuben-Generation.» Dennoch lehne er jede Form von E-Bike-Tuning ab. «Möchte ein Kunde schneller fahren, empfehlen wir ihm die E-Bikes bis 45 km/h.»

Der Polizei gehen hin und wieder E-Bike-Fahrer mit getunten Velos ins Netz – eine genaue Statistik führen aber die wenigsten Polizeikorps. Die Stadtpolizei Zürich etwa überführt laut SRF ein bis zwei Temposünder pro Monat. Polizeisprecher Marc Surber: «Haben Polizisten das Gefühl, dass ein E-Bike abgeändert ist, wird dieses durch die Verkehrspolizei überprüft.»

Bei der Kantonspolizei Bern heisst es, man untersuche auch E-Bikes bei Unfällen jeweils auf deren Betriebssicherheit: «Entdeckt man ein getuntes E-Bike, hat das Konsequenzen für den Fahrer», sagt Sprecher Christoph Gnägi.

Hohe Tempi führen zu schweren Verletzungen

Bussen von mehreren hundert Franken sind möglich, da Speedboxen zwar verkauft werden dürfen, man aber nicht mit ihnen auf die Strasse darf. Auch erlischt die Garantie, und es droht bei einem Unfall Ärger mit der Versicherung. (siehe Box)

Christian Imhof, Haftpflichtexperte bei der Axa-Versicherung, warnt eindringlich vor frisierten E-Bikes, die schneller als 45 km/h fahren: «Es ist definitiv gefährlich.» Das Bremssystem sei in der Regel nicht für so hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. «Doppelte Geschwindigkeit bedeutet einen vierfachen Bremsweg, was zu häufigeren Unfällen und schwereren Verletzungen führen kann», so Imhof weiter. Zudem würden Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit von E-Bikes unterschätzen. «Je schneller diese fahren, desto häufiger kommt es zu Unfällen.»

Die Verkehrsunfallstatistik 2018 des Bundesamts für Statistik zählt zwar keine Unfälle mit frisierten E-Bikes, zeigt aber, dass E-Bike-Unfälle immer weiter zunehmen. So kam es 2018 zu zwölf tödlichen Unfällen, was einen Anstieg um fünf Todesopfer im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Insgesamt wurden 321 schwer verunfallte E-Bike-Fahrer gezählt.

Das sagt der Haftpflicht-Experte:

Herr Imhof, was passiert, wenn jemand mit einem frisierten E-Bike ein Kind totfährt?

Frisierte E-Bikes sind behördlich nicht bewilligt. Daher besteht keine Deckung durch den Versicherer. Die Versicherung des Geschädigten greift demnach auf den fehlbaren Lenker zurück. Stirbt das Kind, ist der Schaden weniger gross, als wenn es invalid wird.

Warum?

Ist das Opfer aufgrund des Unfalls invalid, kann dies enorm teuer werden. Für den Unfallverursacher können schnell Kosten in Millionenhöhe anfallen. Er muss beispielsweise für allfällige Pflegekosten und künftige Lohnausfälle aufkommen. Neben einer Genugtuungssumme muss er für die Einschränkungen, Pflegekosten und die Arbeitsunfähigkeit aufkommen.

Ist es gefährlich, mit einem E-Bike schneller als 45 km/h zu fahren?

Das ist definitiv gefährlich – mehr und schwerere Unfälle sind möglich. Das Bremssystem ist in der Regel nicht für so hohe Geschwindigkeiten ausgelegt, was die Stabilität und den Bremsweg negativ beeinflusst. Beim Bremsen kann ein Bauteil des E-Bikes brechen. Stürzen E-Bike-Fahrer sind schwere Verletzungen möglich, weil sie nicht etwa eine Töffausrüstung tragen. Doppelte Geschwindigkeit bedeutet einen vierfachen Bremsweg, was zu häufigeren Unfällen und schwereren Verletzungen führen kann. Zudem unterschätzen Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit von E-Bikes. Je schneller diese fahren, desto häufiger kommt es zu Unfällen.

Christian Imhof ist Haftpflichtexperte bei der Axa Versicherung.

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