Femizid in Ecuador: Ein ganzer Kontinent jagt einen Polizisten – «er schlug sie blutig»

Publiziert

Femizid in EcuadorEin ganzer Kontinent jagt einen Polizisten – «er schlug sie blutig»

María Belén Bernal verschwand in Quito vor zehn Tagen, am Mittwoch wurde ihre Leiche gefunden. Ihr Mann ist seit ihrem Verschwinden auf der Flucht – sämtliche Polizeikräfte im amerikanischen Kontinent sind nun hinter ihm her.

von
Karin Leuthold
1 / 5
Der Femizid an María Belén Bernal in Quito, Ecuador, löste eine Welle der Empörung aus. 

Der Femizid an María Belén Bernal in Quito, Ecuador, löste eine Welle der Empörung aus. 

AFP
Die Leiche der Anwältin wurde am 21. September 2022 auf einem Hügel fünf Kilometer von dem Ort entfernt gefunden, an dem sie zuletzt lebend gesehen wurde.

Die Leiche der Anwältin wurde am 21. September 2022 auf einem Hügel fünf Kilometer von dem Ort entfernt gefunden, an dem sie zuletzt lebend gesehen wurde.

AFP
Wo ist Germán Cáceres? Der Ehemann des Opfers wird international gesucht.

Wo ist Germán Cáceres? Der Ehemann des Opfers wird international gesucht.

REUTERS

Darum gehts

  • María Belén Bernal besuchte in der Nacht des 11. September ihren Mann in der Polizeischule von Quito.

  • Dann verschwand sie.

  • Augenzeugen berichten, Germán Cáceres solle seine Frau 20 Minuten lang geschlagen haben.

Der Femizid an María Belén Bernal in Quito veranlasste in Ecuador eine gross angelegte Fahndung nach ihrem Ehemann – dem mutmasslichen Täter. Die Leiche der 34-jährigen Anwältin war am Mittwoch aufgetaucht, nachdem die Frau zehn Tagen lang verschwunden gewesen war. Bernal hatte in der Nacht des 11. September ihren Mann Germán Cáceres in den Räumlichkeiten der Polizeischule General Enríquez Gallo im Norden der ecuadorianischen Hauptstadt besucht. Seither hatte sie niemand mehr lebend gesehen.

Cáceres meldete seine Frau erst zwei Tage später als vermisst – und tauchte dann unter. Für die Ermittler und Ermittlerinnen gilt der Polizeileutnant als Hauptverdächtiger im Zusammenhang mit Bernals Verschwinden. Nicht nur, weil es in der Aussage des Mannes viele Ungereimtheiten gab, auch, weil in der Zwischenzeit einige Augenzeugen von «Schlägen, Fusstritten und Hilfeschreien» aus Cáceres’ Büro im Schulungszentrum berichteten.

Zwei Zeugen und ein komplizenhaftes Schweigen

Wie das Portal «El Comercio» berichtet, soll eine Zeugin, Kadettin Jocelyn Sánchez, gegenüber der Staatsanwaltschaft gesagt haben, dass Polizeileutnant Cáceres seine Ehefrau in sein Zimmer eingesperrt habe. Danach habe sie während 20 Minuten gehört, wie Bernal geschlagen wurde. Aufgrund der Einschüchterung durch Cáceres, mit dem Sánchez eine Affäre gehabt haben soll, habe sie geschwiegen. Die Kadettin wurde mittlerweile festgenommen, wie CNN Español berichtet. 

Ein weiterer Zeuge sagte aus, er habe «gewusst, dass in Cáceres’ Zimmer etwas Ungewöhnliches vor sich ging». Der Mann, ebenfalls Polizeileutnant, sei in jener Nacht von seinem Schlafzimmer im dritten Stock in Cáceres’ Zimmer im vierten Stock hinaufgegangen und habe die Tür geöffnet. Zwei Personen lagen auf dem Bett, eine davon sei Cáceres gewesen. Der Zeuge sagte, der Polizist habe «einen rötlichen Fleck auf der Hand» gehabt. «Wir vermuten, dass es Blut war», sagt der Anwalt von Familie Bernal. Der Zeuge verliess den Raum und schwieg über das, was er gesehen hatte.

Den Ermittlungen zufolge wurde die Einfahrt von María Belén Bernal in die Polizeischule aufgezeichnet, nicht jedoch ihre Ausfahrt. Germán Cáceres verliess die Anlage einige Zeit später in seinem Fahrzeug mit getönten Scheiben, das in dem Moment nicht durchsucht wurde. Nach Angaben der Behörden wurde Bernals Leiche auf einem Hügel fünf Kilometer von der Ausbildungsstätte entfernt gefunden.

Wo ist Germán Cáceres?

Seit Tagen nun ist Germán Cáceres auf der Flucht. Die ecuadorianische Regierung hat den Einsatz aller Polizeikräfte angeordnet, um den Mann zu finden, und eine Belohnung von bis zu 20’000 Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des mutmasslichen Täters führen. Das Foto mit seinem Gesicht wird auf allen Social-Media-Kanälen geteilt.

Darüber hinaus wird der Verdächtige international gesucht. Cáceres sei bereits bei Ameripol – einer Organisation, die sämtliche Polizeikräfte des amerikanischen Kontinents vertritt – registriert, wie Ecuadors Polizeikommandant Fausto Salinas bestätigte.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung