Aktualisiert 07.01.2020 16:25

Hameau de la ReineEin ganzes Fake-Dorf für Marie Antoinette

Die letzte Königin Frankreichs liess sich im Garten von Versailles ein malerisches Dorf bauen – aber nur zur Dekoration.

von
mst
7.1.2020
Der Hameau de la Reine (Weiler der Königin) ist ein winziges Dorf im Garten von Versailles in Frankreich.

Der Hameau de la Reine (Weiler der Königin) ist ein winziges Dorf im Garten von Versailles in Frankreich.

JC Allin / Wikipedia / CC BY-SA 3.0
Das Dorf ist aber nur Fake: Marie Antoinette liess es aus dekorativen Gründen bauen. Im Bild: Der Marlborough-Turm und das «Haus der Königin» im Hintergrund

Das Dorf ist aber nur Fake: Marie Antoinette liess es aus dekorativen Gründen bauen. Im Bild: Der Marlborough-Turm und das «Haus der Königin» im Hintergrund

Daderot / Wikipedia / CC BY-SA 3.0
Im Weiler gab es diverse Gebäude, die von aussen wie typische Bauernhäuser dieser Zeit aussahen – innen waren die Gebäude aber mit allerlei Luxus ausgestattet.

Im Weiler gab es diverse Gebäude, die von aussen wie typische Bauernhäuser dieser Zeit aussahen – innen waren die Gebäude aber mit allerlei Luxus ausgestattet.

Urban / Wikipedia / CC BY-SA 3.0

Marie Antoinette (1755–1793) war nicht besonders beliebt. Die letzte französische Königin galt als verschwenderisch, ihr dekadenter Lebensstil war den meisten Franzosen ein Dorn im Auge. Sie trug Perücken, die mit Mehl weisser gemacht wurden, in einer Zeit, in der die Bevölkerung kein Brot hatte.

Dieses Verhalten sorgte in Frankreich für Gerede, die Bevölkerung machte Marie Antoinette für die meisten (wirtschaftlichen) Probleme des Landes verantwortlich. Und die Königin? Die entschloss sich, mitten in dieser Krisensituation ein neues, extravagantes Projekt anzugehen.

Ein Fake-Dorf für Spiele, Spass und Gäste

1783, sechs Jahre vor der französischen Revolution, gab Marie Antoinette einen Weiler (Hameau, auf Französisch), ein dekoratives Dörfchen im Park von Versailles in Auftrag. Die Idee hatte sie von einem anderen Fake-Dorf: Im Garten des Château de Chantilly befand sich der Nachbau einer Farm aus der Normandie mit sieben Gebäuden, die zwar von aussen Dorfcharme verbreiteten, innen aber sehr teuer und elegant eingerichtet waren.

In diesen dekorativen Dörfern wurden Gäste empfangen, Spiele gespielt oder Theater aufgeführt. Auch Musiker spielten regelmässig in der Farm. Marie Antoinette war von dieser Idee begeistert und wollte einen eigenen Weiler: Der Hameau de la Reine (Weiler der Königin) wurde 1788 fertiggestellt.

Als Untertanen verkleidet

Im Weiler gibt es einen kleinen See mit einer Halbinsel, auf der sich ein achteckiger Aussichtspunkt mit Säulen befindet. Dazu kommen diverse Häuschen: Eine Farm, eine Molkerei, ein Taubenschlag, ein Heuschober und diverse Obstgärten. Das grösste Haus war das «Haus der Königin», allerdings immer noch im Dorf-Look.

Marie Antoinette und ihre Freundinnen verkleideten sich hier als Schafhirtinnen oder Milchmädchen und spielten im Fake-Dorf «Untertanen» – während sie immer noch von der Sicherheit und dem Luxus des Königshauses umgeben waren. Echte Bauern waren als «Dorfbewohner» angestellt und kümmerten sich um Tiere und Pflanzen.

Gastgeberin gespielt

Angeblich soll Marie Antoinette auch gern Gastgeberin gespielt haben: Sie lud wichtige französische Persönlichkeiten zu Gartenpartys ein, bei denen sie selbst Kaffee ausschenkte und «ihre» Eier und «ihre» Milch anpries.

Die Tatsache, dass der Weiler komplett eingezäunt war und nur enge Vertraute der Königin Zutritt hatten, sorgte für einige Gerüchte: So soll sich Marie Antoinette angeblich regelmässig im Weiler mit Männern getroffen haben.

Weiler existiert bis heute

Danach kam die Französische Revolution, Marie Antoinette wurde gefangen genommen, verurteilt und am 16. Oktober 1793 geköpft. Der Hameau de la Reine existiert aber mehrheitlich bis heute: Eine Molkerei wurde zerstört und der Heuschober ging kurz nach ihrem Tod in Flammen auf. Der Rest steht noch und kann besichtigt werden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.