Online-Angebote von Zürcher Hochschulen: «Ein genereller Anspruch auf digitalen Unterricht besteht nicht»
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Online-Angebote von Zürcher Hochschulen«Ein genereller Anspruch auf digitalen Unterricht besteht nicht»

Eine Zürcher Studentin findet, dass es ein Anrecht auf Fernunterricht geben soll. Die Hochschulen handhaben das unterschiedlich.

von
Lynn Sachs
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Die ZHDK führt ihre Kurse im Herbstsemester vor allem im Präsenzunterricht durch. Eine Studentin ist besorgt, dass kranke Personen in den Unterricht kommen, um nichts zu verpassen.

Die ZHDK führt ihre Kurse im Herbstsemester vor allem im Präsenzunterricht durch. Eine Studentin ist besorgt, dass kranke Personen in den Unterricht kommen, um nichts zu verpassen.

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An der Universität Zürich können Studierende die meisten Veranstaltungen auch von zu Hause aus online mitverfolgen.

An der Universität Zürich können Studierende die meisten Veranstaltungen auch von zu Hause aus online mitverfolgen.

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Die ETH versucht möglichst viele Vorlesungen vor Ort abzuhalten. Im Präsenzunterricht bietet die Hochschule Studierenden einer Risikogruppe spezielle Settings an.

Die ETH versucht möglichst viele Vorlesungen vor Ort abzuhalten. Im Präsenzunterricht bietet die Hochschule Studierenden einer Risikogruppe spezielle Settings an.

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Darum gehts

  • In der Corona-Krise setzen Hochschulen vermehrt auf Fernunterricht.
  • Die ZHDK hingegen führt aufgrund der Studienangebote ihre Kurse mehrheitlich vor Ort durch.
  • Zwei Studentinnen finden, dass das eine falsche Botschaft ist.

Die Zürcher Universitäten und Hochschulen haben Mitte September wieder gestartet. Den Unterricht in der Corona-Zeit handhaben sie jedoch unterschiedlich. Eine Studentin ärgert sich, dass es an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) kein Anrecht auf Fernunterricht gibt. «Studierende, die nichts verpassen möchten, müssen vor Ort am Unterricht teilnehmen – auch wenn sie mit Personen in der Risikogruppe zusammenwohnen.»

Die 24-Jährige befürchtet, dass darum auch kranke Personen in die Vorlesungen und Übungsstunden kommen könnten. Mit ihren Bedenken ist sie nicht allein. «Ich finde es die falsche Botschaft, wenn eine Hochschule nur ein limitiertes Angebot an Fernunterricht hat», sagt eine andere Studentin. Es gehe um die Gesundheit der Studierenden und Dozierenden.

Austausch und Infrastruktur

Die ZHDK erklärt auf Anfrage, dass aufgrund der Art der angebotenen Studiengänge der Austausch unter Studierenden und die Infrastruktur vor Ort wie Ateliers, Studios und Übungsräume essenziell seien. Studierende, die Corona-Symptome aufweisen oder in Quarantäne müssen, sollten mit ihren Dozierenden bilateral besprechen, ob sie von zu Hause aus digital am Unterricht teilnehmen können, so Sprecherin Lea Ingber. Die Hochschule versuche in jedem Fall, individuelle Lösungen anzubieten. «Ein genereller Anspruch auf digitalen Unterricht besteht jedoch nicht.»

Wie es bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) heisst, werden Veranstaltungen dann online durchgeführt, wenn die Schutzmassnahmen vor Ort nicht eingehalten werden können. Die Hochschule erklärt auf Anfrage: «Studierende sind nur dann vom Präsenzunterricht dispensiert, wenn sie selbst an Covid-19 erkrankt sind oder mit einer an Covid-19 erkrankten Person in engem Kontakt waren.»

«Wenn immer möglich digital»

An der Universität Zürich (UZH) gilt, dass die allermeisten Präsenzveranstaltungen von den Studierenden auch digital absolviert werden können. «Damit versucht die UZH sicherzustellen, dass auch Studierende aus Risikogruppen und Personen in Quarantäne von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen können», sagt Sprecherin Melanie Nyfeler. Aber auch an der UZH werden bestimmte praxisorientierte und medizinische Kurse vor Ort durchgeführt. In dem Fall werden die Schutzmassnahmen eingehalten – wie auch an der ZHDK.

An der ETH werden Vorlesungen online übertragen und bei Übungsgruppen – wenn immer möglich – digitale Varianten zur Verfügung gestellt. Wie es auf Anfrage heisst, versucht die ETH möglichst viele Kurse im Präsenzunterricht durchzuführen. Bei Kursen, die eine Anwesenheit fordern, werden – wenn möglich – spezielle Präsenzsettings für Personen aus Risikogruppen angeboten, heisst es weiter.

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