Aktualisiert 30.12.2015 07:29

80'000 pro MilliliterEin Glas Hahnenwasser hat 10 Millionen Bakterien

Egal, wie sauber es ist: Keimfrei ist Trinkwasser nie! Denn in den Wasserleitungen hausen Millionen Bakterien.

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Viele Menschen trinken regelmässig Hahnenwasser. Kein Wunder, schliesslich geniesst das Nass aus der Leitung hierzulande einen guten Ruf. Allerdings: Ganz so rein, wie viele meinen, ist es dann doch nicht. Denn in den Wasserleitungen tummeln sich Millionen Bakterien, von denen man bis vor kurzem noch nichts wusste.

Die Mikroorganismen entdeckt haben Forscher der schwedischen Lund Universität, als sie die Ablagerungen in sechs Rohren und Wasserzählern untersuchten. Um herauszufinden, um welche Bakterien es sich genau handelt, unterzogen sie die Kleinstlebewesen einer DNA-Analyse.

Pro Glas rund 10 Millionen Bakterien

Dabei identifizierte das Team um Mikrobiologin Catherine Paul jede Menge zuvor Unbekannte: «Es ist, als wenn man nun statt einer funzeligen Taschenlampe plötzlich den Lichtschalter findet, der den gesamten Raum erhellt», so Paul in einer Mitteilung. «Ein zuvor komplett unbekanntes Ökosystem hat sich uns enthüllt.»

Pro Milliliter Trinkwasser entdeckten sie etwa 80'000 Mikroben, hochgerechnet auf ein Glas Hahnenwasser macht das rund zehn Millionen. Insgesamt sind es etwa 1000 verschiedene Bakterienarten, die sich beim Öffnen des Wasserhahns aus den Ablagerungen in den Rohren lösen, rechnen die Forscher.

Bakterien mit Spezialauftrag

Trotz der riesigen Zahl Rohr-Bewohner sehen Paul und ihre Kollegen keinen Grund zur Sorge: «Wir gehen davon aus, dass es sich hier vorwiegend um ‹gute› Bakterien handelt, die helfen, das Wasser zu reinigen und es gegen schädliche Keime schützen.» So wie beispielsweise die sogenannten Sphingomonadaceae (Mikroben), die in Böden und Gewässern organische Schadstoffe abbauen. Die Forscher sehen Parallelen zu den Mikroben, die auf der menschlichen Haut und im Darm zu Hause sind: Sie sorgen dafür, dass wir gesund bleiben.

Die Zusammensetzung der Mikrobengemeinschaft sagt einiges über den Zustand des Wassers aus, heisst es im Fachjournal «Microbes and Environment». So entdeckten die Forscher in einer Wasserleitung mit stark eisenhaltigem und rostigem Wasser eine andere Konstellation als in klarem Wasser. Das zeigt: Die Analyse der Bakterien könnte mit dazu beitragen, gefährliche Verunreinigungen zu erkennen.

Bakterien in Wasserleitungen

In einem Glas Wasser sind laut den schwedischen Forschern rund zehn Millionen Mikroorganismen enthalten. (Video: Youtube/LundUniversity)

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