Aktualisiert 31.01.2012 21:42

Millionen umgesetzt

Ein Global-Player als Zürcher Fürsorgebezüger

Ein Schweizer pakistanischer Abstammung soll Sozialhilfe für über eine halbe Millionen Franken bezogen haben. Nebenbei soll er bei Geschäften mit dem pakistanischen Militär 2,8 Millionen Franken umgesetzt haben.

von
Attila Szenogrady

Laut Anklage hat ein Schweizer Kaufmann pakistanischer Abstammung in Zürich Sozialhilfe und Arbeitslosengelder für über eine halbe Million Franken bezogen. Gleichzeitig soll er Millionengewinne bei Geschäften mit dem pakistanischen Militär erzielt haben.

Der heute 57-jährige Angeklagte galt über Jahre hinweg als Stammgast beim Zürcher Sozialamt. Zwischen Oktober 2002 und August 2007 erhielt der angeblich mittellose Tessiner pakistanischer Herkunft Sozialhilfegelder für rund 400 000 Franken. Zwischen Mai 2001 und Juni 2003 kassierte er zudem Arbeitslosengelder für rund 146 000 Franken.

Am 26. Juni 2008 klickten die Handschellen. Nach einer Strafanzeige wurde der vierfache Familienvater festgenommen und verschwand für mehrere Monate in Untersuchungshaft.

Millionengeschäfte mit Pakistan

Die Ermittlungen brachten Erstaunliches ans Tageslicht. So hatte sich der vermeintlich verarmte Ex-Einwanderer über Jahre hinweg als umtriebiger Kaufmann betätigt. Doch nicht etwa als Kleinkrämer oder Bananenverkäufer. Die Anklage schilderte, wie der Beschuldigte bereits in den neunziger Jahren eine international tätige Teppich-Firma gründete und ein Unternehmen mit Millionenumsätzen aufbaute.

Dabei nutzte er persönliche Kontakte zum pakistanischen Militär und vermittelte zwischen 2004 und 2008 Lieferungen von Schützenpanzern sowie Navigationsgeräten. Zudem beteiligte er sich an einem Flughafenprojekt in Islamabad. Sicher ist, dass sich der Angeklagte von einem Umsatz von insgesamt 2,8 Millionen Franken immer wieder ansehnliche Geldbeträge für sich persönlich beanspruchen konnte. Unter anderem besitzt er bis heute zwei Liegenschaften in seiner alten Heimat.

Theatralischer Auftritt

Am Mittwoch musste er sich wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Die Staatsanwältin Sabine Tobler verlangte eine hohe, unbedingte Freiheitsstrafe von 42 Monaten.

Der Beschuldigte tauchte mit einem Rollkoffer voller Akten auf und legte einen theatralischen Auftritt vor den Schranken hin. So schwankte er zwischen Grössenphantasien und Selbstmitleid. Einerseits bezeichnete sich als erfolgreichen internationalen Geschäftsmann, der von der pakistanischen Regierung hofiert und gehrt werde.

Andererseits bezeichnete er sich als kranken Menschen, der in Zürich nur noch wie eine Leiche in seiner Wohnung gelebt habe. Einmal brach er auch in Tränen aus und erklärte schluchzend, dass er in Pakistan gelernt habe, was Korruption sei. Er sei jedenfalls unschuldig, da er kaum Geldbeträge aus den Geschäften bezogen habe.

Freispruch und drei Millionen Franken Entschädigung verlangt

Die Verteidigung verlangte mangels Beweisen im Hautpantrag einen vollen Freispruch. Zudem eine Entschädigung von drei Millionen Franken. So sei der Beschuldigte durch die mehrmonatige Haft ruiniert worden, führte der Verteidiger aus. Der Angeklagte ergänzte, dass er die bezogenen Fürsorgegelder zurückbezahlt hätte.

Im schlimmsten Fall eines Schuldspruchs sei eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten angemessen, schloss der Verteidiger. In seinem Schlusswort erklärte der Angeklagte, dass er sich einen Beistand wünsche, da er bei neu anstehenden Geschäften nicht mehr in Schwierigkeiten gerate wolle.

Das Gericht wird das Urteil am Mittwoch um 16.30 Uhr eröffnen.

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