VW Golf Country - Ein Golf für alle Fälle
Der VW Golf Country in der Geländewagen-Optik.

Der VW Golf Country in der Geländewagen-Optik.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
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VW Golf CountryEin Golf für alle Fälle

Der Allradantrieb war bei Volkswagen im Jahr 1989 nicht mehr neu, aber dass man den VW Golf höher legte und ihm eine brachiale Geländewagen-Optik gab, war trotzdem eine kleine Sensation.

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Bruno von Rotz

Der VW Golf Country stach von Anfang an aus der Baureihe hervor, nicht zuletzt, weil er jeden anderen Golf um rund 15 cm überragte. Aber das war nicht der einzige Grund, warum die als «Montana» vorgestellte Studie auf dem Genfer Autosalon 1989 auffiel. Äusserlich sah der Golf Country nämlich wie ein richtiger Geländewagen aus, mit Kuhfänger, aussenliegendem Reserverad und allem was noch dazu gehörte.

Die Reaktion war so positiv, dass man in die Serienproduktion ging. Um den Golf höher zu legen, arbeitete VW mit Steyr-Daimler Puch in Österreich zusammen. Mit 425,5 cm Länge, 170,5 cm Breite und 155,5 cm Höhe wirkte der Golf hochbeinig, tatsächlich ist ein moderner VW ID3 fast gleich gross und sogar noch etwas höher.

Kein richtiger Geländewagen

Durch Einbau eines aufwändigen Rohrrahmens, grösseren Federwegen und ein um sechs Zentimeter nach oben verlegtes Fahrwerk konnte der Golf Country mit etwas mehr Bodenfreiheit und günstigeren Böschungswinkeln überzeugen. Zusätzliche Schutzbleche wie der kräftige Auffahrschutz unter der Frontpartie liessen den Golf kräftiger und robuster erscheinen.

Weil aber der Golf Country auf ein Reduktionsgetriebe und eine Differentialsperre verzichten musste, war er trotz des brachialen Äusseren kein richtiger Geländewagen. Im Innern spürte man sowieso wenig vom martialischen Look, denn hier war der Golf Golf geblieben und wirkte in einigen Punkten sogar wertiger als seine Kameraden.

Auf den ersten Blick sofort als Golf II zu erkennen, aber der VW Golf Country ist ein Exote unter den Millionen gebauten Golf-Modellen.

Auf den ersten Blick sofort als Golf II zu erkennen, aber der VW Golf Country ist ein Exote unter den Millionen gebauten Golf-Modellen.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Der VW Golf Country war schon damals eine ungewöhnliche Erscheinung, heute fällt er im Verkehr noch viel stärker auf.

Der VW Golf Country war schon damals eine ungewöhnliche Erscheinung, heute fällt er im Verkehr noch viel stärker auf.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Von vorne wirkt er mit Unterbodenschutz und Frontgitter fast wie ein richtiger Geländewagen.

Von vorne wirkt er mit Unterbodenschutz und Frontgitter fast wie ein richtiger Geländewagen.

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Teurer als andere VW Golf

Der aufwändige Umbau in Graz hatte allerdings deutliche Auswirkungen auf den Preis. CHF 31’200 mussten in der Schweiz bezahlt werden. Radio, Schiebdach oder Metallic-Farbe kosteten zusätzlich. Zu jener Zeit kostete der günstigste VW Golf knapp die Hälfte und selbst eine Syncro-Version war 6000 Franken billiger zu haben.

Als Motor erhielt man ausschliesslich den auf 98 PS gebrachten 1,8-Liter-Vierzylinder mit Einspritzung und Dreiwegkatalysator. Geschaltet wurde über ein Fünfganggetriebe. Die Syncro-Infrastruktur bestand aus einer Visco-Kupplung und einer aufwändigen Hinterradaufhängung mit automatischem Freilauf. Verzögert wurde über Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten. Sechs-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Reifen der Dimension 195/60 HR 15 sollen den Wagen auf der Strasse halten.

Gleiches Fahrgefühl

Der Einstieg ist natürlich eher ein Aufstieg, mit der Kraxelei, wie sie mancher «richtige» Geländewagen erfordert, hat das aber nichts zu tun. Innen fühlt sich der Golf Country an wie seine Serienbrüder und genauso einfach gestaltet sich auch die Bedienung. Die Bedienungskräfte liegen auf gewohnt niedrigem Niveau, der Golf Country fährt sich kaum anders als ein normalhoher Golf. Zwar mag er etwas mehr wanken in Kurven, aber der Unterschied ist gar nicht so gross wie erwartet. Auch die Fahrleistungen gehen in Ordnung, untermotorisiert fühlt man sich trotz über 1,2 Tonnen, welche die 98 Pferdestärken sicherlich fordern, nicht.

Zwar konnten fast so viele Golf Country abgesetzt werden wie geplant, doch mehr als 7735 Golf Country liessen sich bis Dezember 1991 trotzdem nicht absetzen, er blieb ein Exote in der Millionen-Baureihe und beim Nachfolger gab es keine Country-Version mehr. Darum fällt ein Exemplar heute auch doppelt so stark auf im Verkehr und dies nicht nur wegen der Höhe.

Weitere Informationen, viele Bilder und den Verkaufsprospekt von damals gibt es auf www.zwischengas.com zu finden.

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