Nati erleichtert: «Ein Gorilla sass uns auf unseren Schultern»
Aktualisiert

Nati erleichtert«Ein Gorilla sass uns auf unseren Schultern»

Das Horror-Szenario ist mit dem 6:2-Sieg gegen Kasachstan abgewendet. Die Schweizer spielen auch 2015 an der A-WM. Die Erleichterung ist bei Spielern und Trainer gross.

von
Marcel Allemann
Weissrussland

Die Eisgenossen waren sich der grossen Bedeutung dieses Spiels gegen den Aufsteiger, der nach nur einem Jahr nun wieder den Gang in die B-Gruppe antreten muss, bewusst. Und so traten sie auch von der ersten Sekunde an auf. Sie bewegten ihre Beine, drückten aufs Tempo und überforderten mit ihrer Gangart die Kasachen. «Wir begannen entschlossener als in den Spielen zuvor», befand Stürmer Andres Ambühl. Ganz wichtig war das 1:0 von Dean Kukan in der 10. Minute in Unterzahl. Das erste Länderspieltor des Zürchers brachte Ruhe ins Spiel, das 2:0 von Denis Hollenstein (15.) ebnete den Weg zum Sieg und mit dem 3:0 von Yannick Weber (28.) war die Partie entschieden.

Simpson: «Das war ein gutes Zeichen»

«Es war ein Gorilla, der auf unseren Schultern sass und diesen haben wir auch gespürt», sagte Verteidiger Eric Blum, der sich später ebenfalls noch unter die Torschützen reihte (das 6:0 - ebenfalls seine Tor-Premiere in der Nati) zur Ausganglage vor dem Spiel. «Ich denke entscheidend war, dass wir den Fokus darauf legten, doch noch zu versuchen, die Viertelfinals zu erreichen und uns mit den Gedanken nicht mit dem Abstiegsszenario befassten.» Das bestätigte auch Captain Mathias Seger: «Es war ein schwieriges Spiel – vor allem, wenn man bedenkt wie viel auf dem Spiel stand. Zum Glück waren sich das in unserer Kabine gar nicht alle bewusst.»

Trainer Sean Simpson lobte die mentale Stärke seiner Mannschaft: «Das war ein gutes und wichtiges Zeichen für das Schweizer Eishockey, denn das war keine einfache Situation 24 Stunden nach der unglücklichen Niederlage gegen Finnland. Umso mehr freut es mich, dass es den Spielern gelungen ist, eine deutliche Antwort zu geben.»

Turnierende für Kevin Romy

Allerdings mussten die Schweizer einen hohen Preis für ihren zweiten Sieg an der WM in Minsk bezahlen, sie wurden zuweilen von den frustrierten Kasachen mit höchst unfairen Mitteln traktiert. Kasachstans Starstürmer Nikolai Antropow setzte Kevin Romy mit einem ganz üblen Check gegen den Kopf ausser Gefecht gesetzt. «Solche Sachen gehören nicht zum Eishockey», ärgerte sich Simpson nach dem Match noch immer. Romy erlitt eine Hirnerschütterung, fällt bis auf weiteres aus und dürfte im weiteren Turnierverlauf nicht mehr zum Einsatz kommen – unabhängig davon, wie lange dieser für die Schweizer noch dauert. Einen Check von Hinten musste auch Kevin Fiala über sich ergehen lassen, doch zum Glück konnte der 17-jährige Youngster nach kurzer ärztlicher Pflege wieder mittun.

Jetzt heisst es für die Schweizer abwarten und Tee trinken. Sie sind sowohl am Sonntag wie auch am Montag spielfrei, ehe am Dienstagnachmittag ihr letztes Gruppenspiel gegen Lettland ansteht. Die Chancen, dass es mit den Viertelfinals doch noch klappt sind weiterhin minim, es bräuchte dafür in dieser Umständen in dieser spannenden Gruppe einige sehr abenteuerliche Resultate, wie etwa ein Sieg von Deutschland, für das es um nichts mehr geht, gegen die USA. Oder womöglich sogar einen Erfolg von Absteiger Kasachstan gegen Finnland.

Ambühl: «Wollen zumindest anständigen Abschluss»

«Es ist wie es ist. Wir werden sehen was auf uns zukommt», meinte Simpson zur Ausganglage, während Blum befand: «Bessere Perspektiven haben wir leider zuvor aus der Hand gegeben.» Alle sind sich einig, dass es wichtig sei, sich gut auf das Spiel gegen Lettland vorzubereiten - und zwar mit der Idee, dass es noch um alles gehe. Immerhin meinte Seger: «Diese spezielle Situation ist um einiges leichter zu ertragen nach dem gewonnen Spiel, als wenn wir verloren hätten und nun mit dem Rücken zur Wand im Abstiegskampf stehen würden.» Für Stürmer Andres Ambühl geht es am Dienstag gegen Lettland so oder so noch um etwas: «Im Idealfall bekommen wir noch eine Chance, doch noch um die Viertelfinals zu spielen. Andernfalls gilt es, zumindest einen anständigen Abschluss zu haben.» Fest steht indes, dass ein Viertelfinal-Scheitern der Schweizer aufgrund der anderen Resultate frühestens am Montag möglich ist.

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