Aktualisiert 06.02.2014 11:36

Chaos in Sotschi

«Ein grosser Erfolg – wenn alle überleben»

Unser Mann in Sotschi friert seit sechs Tagen in seinem Hotel. Manche Kritiker befürchten angesichts der eilends hochgezogenen Bauten allerdings mehr als nur fehlenden Komfort für die Gäste.

von
kmo

«Hier und da fehlt noch der Feinschliff», sagte Christian Klaue, Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes, zu Sport1.de, als er auf die Bauverzögerungen in Sotschi angesprochen wurde. Eine krasse Untertreibung, wenn man die Aussage mit den Erfahrungen von Marcel Allemann, Chefreporter Sport bei 20 Minuten, vergleicht. Dieser friert nun schon seit einer Woche in seinem Hotel Malyy Akhun, das von einem Tag auf den andern plötzlich Ekatirinski Quartal hiess.

Die Heizung will einfach nicht angehen. Täglich geht der Journalist zur Rezeption, um sich zu beschweren. Genützt hat es bisher nichts. Warmwasser ist ebenfalls keine Selbstverständlichkeit. Und das in einer Unterkunft, die pro Nacht 150 Dollar kostet. Von einem Internetanschluss ganz zu schweigen. Wenn Reporter Allemann online gehen will, muss er ins Medienzentrum.

TV ist ein Deko-Element

Kein Empfang auch beim Fernseher. Das grosse Prestige-Objekt diente bisher höchstens als Deko-Element. Dafür hat Allemann beim Einchecken gleich drei Zimmer erhalten. Weshalb, weiss er nicht. Was er mit den andern beiden Räumen anstellen soll, ist ihm ebenfalls unklar, sie sind unmöbliert.

Noch schlimmer ist die Hotel-Situation in den Bergen. Im rund 40 Kilometer von Sotschi entfernten Areal Rosa Chutor und in Krasnaja Poljana sind die Bauarbeiten noch stärker in Verzug als unten in der Stadt. Laut Sport1.de sind hier erst drei der 20 Hotelkomplexe fertiggestellt. Vor dem Gorki Plaza etwa verlegen die Arbeiter laut «Bradenton Herald» noch fleissig Pflastersteine. Nicht gemütlicher sieht es im Innern aus: Bauschutt, unverputzte Böden und fehlende Sanitärinstallationen überall (siehe Diashow oben). Die Gäste, die hier oben ein Zimmer gebucht hatten, erhielten dieses erst nach stundenlangem Warten.

«Wenn alle Besucher überleben, ist das ein grosser Erfolg»

Die Unterkunftssituation droht zur grossen Peinlichkeit für die Organisatoren zu werden. Allein am Montag werden Tausende Medienleute in Sotschi ankommen. Wie die Gastgeber den Andrang bewältigen wollen, ist angesichts dieser Meldungen ein Rätsel.

Der russische Regimekritiker Boris Nemzow sieht noch ein anderes Problem, wenn er an die in aller Eile hochgezogenen Bauten denkt: «Wenn alle Besucher überleben, ist das ein grosser Erfolg», sagte er zu Sport1.de. Und fügte an: «Dies ist kein Scherz.»

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