23.06.2016 09:33

Schweizer Konzertveranstalter

«Ein Handyverbot kommt für uns nicht infrage»

Genug mit der ewigen Knipserei: Stars wie Adele fordern, dass Fans an ihren Shows das Handy ausschalten. Für Schweizer Konzertveranstalter ist das kein Thema.

von
scy/shy
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Das Verbot von Smartphones wurde an Konzerten verschiedener Künstler bereits durchgesetzt.

Das Verbot von Smartphones wurde an Konzerten verschiedener Künstler bereits durchgesetzt.

Colourbox.de
Adele stinken die Handys im Publikum gewaltig. An einem Konzert in Verona stauchte sie einen filmenden Fan zusammen: «Ich bin doch keine DVD-Show», rief die Sängerin.

Adele stinken die Handys im Publikum gewaltig. An einem Konzert in Verona stauchte sie einen filmenden Fan zusammen: «Ich bin doch keine DVD-Show», rief die Sängerin.

AP/Matt Sayles
Wesley Schultz von The Lumineers hat laut der «Washington Post» keine guten Erfahrungen mit Adeles Strategie gemacht. Für ihn ist Yondr die Lösung - ein verschliessbarer Beutel, in den Zuschauer ihr Handy stecken müssen. «Damit können die Leute ihr Baby immer noch im Arm halten.»

Wesley Schultz von The Lumineers hat laut der «Washington Post» keine guten Erfahrungen mit Adeles Strategie gemacht. Für ihn ist Yondr die Lösung - ein verschliessbarer Beutel, in den Zuschauer ihr Handy stecken müssen. «Damit können die Leute ihr Baby immer noch im Arm halten.»

Keystone/Ennio Leanza

Fotografieren, filmen, teilen: Sich selbst und vor allem Ausschnitte eines Konzerts, das man gerade besucht, auf Video festzuhalten und dieses dann ins Internet zu stellen, gehört zum Standard-Repertoire vieler Musikfans. Doch was des einen Freud, ist des anderen Leid – und vor allem Ärger.

So hat Alicia Keys an einer ihrer Shows in New York vor kurzem ein Handyverbot ausgesprochen. Die Besucher mussten ihre Smartphones in einen Spezialbeutel namens Yondr stecken, der erst nach Keys' Auftritt mittels Spezialgerät wieder geöffnet werden konnte.

«Es gehört halt dazu»

Der Grund für diese Massnahme? Künstler wie Keys oder Adele möchten, dass das Publikum ihre Konzerte live erlebt. Dass Pannen wie etwa eine gerissene Hose nicht umgehend auf Youtube kursieren. Und: «Stars können gar kein neues Material mehr an ihrem Publikum ausprobieren. Die Gefahr ist zu gross, dass die Songs vor dem Release schon ins Netz leaken», glaubt Yondr-Erfinder Graham Dugoni in der «Washington Post» zu wissen.

Handyverbote wurden also bereits ausgesprochen und durchgesetzt. Werden sie auch in der Schweiz zum Thema? Wohl kaum. Zumindest nicht auf Initiative der Konzert-Veranstalter. Good-News-Sprecher Oliver Nyffeler sagt zu 20 Minuten: «Grundsätzlich darf das natürlich jeder Künstler selbst entscheiden, aber wir als Veranstalter haben nicht vor, etwas Generelles in diese Richtung zu unternehmen.» Und weiter: «Es gehört halt dazu, dass Bilder und Videos auf Social Media geteilt werden – das ist das 21. Jahrhundert.»

Gezügelter Handygebrauch

Es sei zudem noch nie vorgekommen, dass ein Musiker ein Handyverbot verlangt habe, sagt Nyffeler. «Es gab allerdings schon Künstler, die uns gebeten haben, am Eingang auf einen gezügelten Handygebrauch hinzuweisen, also das Handy oder die Kamera eingepackt zu lassen.» Dieser Bitte habe man entsprochen.

Ähnlich tönt es bei Mainland Music. «Solche Massnahmen werden meist auf Wunsch des Künstlers und nicht des Veranstalters ergriffen. Bislang hat noch keiner unserer Künstler ein solches Handyverbot gefordert», erklärt Booker Santosh Aerthott.

Alles nur PR?

Aerthott wittert hinter der Geschichte eine mögliche PR-Aktion der jeweiligen Sänger: «Ihr schreibt darüber, wir reden darüber und schon ist Alicia Keys wieder ein Thema. Ich glaube nicht, dass Handys künstlerisch so sehr stören, dass man sie verbieten muss.»

In die gleiche Kerbe schlägt André Béchir, CEO von ABC Production: «Wir sind erstaunt über das Vorgehen an den US-Konzerten von Alicia Keys. So etwas kommt für uns nicht infrage.»

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