Las Vegas: Ein hartes Pflaster für Casino-Räuber
Aktualisiert

Las VegasEin hartes Pflaster für Casino-Räuber

Las Vegas ist praktisch nur in Filmen der Ort spektakulärer Casino-Überfälle. Doch im Gegensatz zu den dortigen Zockerpalästen ist das Casino Basel für filmreife Aktionen wie geschaffen.

von
Joel Bedetti und Fabienne Riklin
Hartes Pflaster für Räuber: Eingangshalle des MGM Grand.

Hartes Pflaster für Räuber: Eingangshalle des MGM Grand.

Die Casino-Räuber von Basel verhielten sich wie Figuren in einem brutalen Actionfilm. Sie rauschten als schwerbewaffnetes Kommando an, schossen herum und verprügelten Leute, die gerade an der falschen Stelle standen. Man will gar nicht wissen, was passiert wäre, hätte jemand den Helden gespielt.

Wie ein Casino-Überfall vonstatten geht, meint man in unseren Längengraden vor allem aus Hollywood-Produktionen zu wissen; wobei die Basler Brutalos den Amok-Gangstern aus «3000 Miles To Graceland» einiges mehr gleichen als den Schlaumeiern von «Ocean 11» bis «Oceans 13». Doch wie sieht die Realität in der Glücksspielmetropole aus?

Sparen bei den Wächtern

Der letzte grössere Casinoüberfall in Las Vegas fand gemäss den US-Medien am 14. Dezember 2009 statt. Zwei dreiste Ganoven fuhren um neun Uhr morgens mit Pistolen bewaffnet beim Palace Station Hotel und Casino vor. Dort wartete nur ein Wächter, weil seine Kollegen mit einem Brand in der Tiefgarage beschäftigt waren. Die Räuber erbeuteten eine Million Dollar, sie scheinen bis heute nicht gefasst zu sein.

Das war aber selbst für Vegas ein spektakulärer Streich. In Vegas sind Casino-Überfälle keineswegs an der Tagesordnung, steigen aber gemäss den US-Medien seit einigen Jahren stetig an. Für die Räuber dürfte anziehend wirken, dass die Casino-Branche von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen wurde und beim Sicherheitspersonal einspart. Vor diesem haben die Diebe aber ohnehin nicht viel zu befürchten.

Noch am selben Tag im Kittchen

Entgegen den Darstellungen in Hollywood-Filmen lassen sich die oft schlecht ausgebildeten und unterbezahlten Security gemäss «Casino City Times» in kaum einem Fall auf Schiessereien mit den Räubern ein. Sie lassen die Diebe meist laufen, obwohl diese in vielen Fällen mit mehreren Hunderttausend Dollar entkommen.

Trotzdem sind die wenigsten Casino-Überfälle in Vegas von Erfolg gekrönt. Clint Nichols, ein Offizier der Las Vegas Metropolitan Police, sagte gegenüber Fox News, dass Casino-Überfälle in der Regel ohne Erfolg endeten. Viele Täter würden schnell gefasst.

Guter Fluchtplan gefragt

Grund: Die exzellente Videoüberwachung der Casinos. Im «Bellagio» beispielsweise wachen rund 2000 Kameras über das Geschehen im und um das Casino. Ebenfalls abschreckend auf Glücksspiel-Banditen wirken die schlechten Fluchtmöglichkeiten in Vegas. Da die meisten Casinos dort auch Hotels sind, müssen sich die Räuber erst durch die Lobby kämpfen; auf den Strassen der Show-City herrscht zu jeder Tageszeit ein Gewimmel aus Touristen, Händlern und Autos. Deshalb werden die meisten Überfälle in Vegas von Einzelpersonen verübt.

Filmreife Kommandoaktionen sind in der Wüstenstadt kaum denkbar. Zu viele Spuren würden sie hinterlassen, zu schwer wäre die Flucht. Das Casino Basel hingegen ist für einen Grossüberfall wie geschaffen.

Schnell drinnen, schnell draussen

Schweizer Casinos seien ebenso sicher wie Casinos in den USA, beteuert der Geschäftsführer des Casino Basel, Michael Favrod. Aber: «Bei unseren Casinos ist der Weg bis zur Kasse und wieder hinaus schneller zurückgelegt als bei den riesengrossen Casinos in den USA», sagt Favrod. Die Nähe zur deutschen und französischen Grenze mache das Casino Basel ebenfalls für einen Überfall geeigneter.

Ob seine Leute mit Schusswaffen ausgerüstet sind, wollte Favrod aus sicherheitstechnischen Gründen nicht sagen. Trotzdem verfolgt auch das Casino Basel die Strategie der Kollegen in Las Vegas. «Bei uns steht im Vordergrund, dass es kein Blutvergiessen und keine Geiselnahme gibt».

Stattdessen hofft man auch hier auf die Auswertung der Überwachungsvideos. «Wir können von Glück reden, dass es keine Toten gegeben hat. Hier waren Berufskriminelle am Werk», sagte Staatsanwalt der Stadt Basel, Peter Gill.

Casino-Überfälle in der Schweiz

Der Überfall in Basel war der grösste Coup in der Schweiz. Schon in 19 Casinos kam es zu Raubversuchen - die meisten davon aber kleinkrimineller Art. Einige Beispiele:

Am 6. Juni 1996 wurde auf das Casino Engelberg ein bewaffneter Raubüberfall verübt. Die Täter entwendeten mehrere tausend Franken. Wie sich später herausstellte, gehörte ein Casino-Angestellter, der beim Überfall gefesselt wurde, zu den Komplizen der Räuber.

Im Casino Locarno waren im Jahr 2000 Profis am Werk: 37 Überwachungskameras, eine moderne Alarmanlage und codierte Spezialschlösser konnten die Diebe nicht daran hindern, den Safe des Casinos zu leeren. Beute: wahrscheinlich rund eine halbe Million Franken.

Einer der spektakulärsten Überfälle der Schweiz ereignete sich am 28. November 2002 in Courrendlin (JU). Acht Räuber erbeuteten im dortigen Spielcasino 170 000 Franken. Sie wurden später zu bis zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Bei einem bewaffneten Überfall auf das Casino Herisau wurden am 4. Februar 2003 mehrere tausend Franken gestohlen.

Bereits 2004 hätte ein Raubüberfall auf das Grand Casino Basel verübt werden sollen. Die Tat konnte jedoch vereitelt werden. Drei Personen wurden festgenommen. Beim Hauptverdächtigen handelt es sich um einen Angestellten.

2009 hat ein unbekannter Täter bei einem Überfall auf die Wechselstube des Casinos von Campione am Grenzübergang Chiasso-Brogeda 250 000 Euro erbeutet. Er bedrohte einen Angestellten mit einer Pistole und flüchtete anschliessend mit einem Auto Richtung Mailand.

Erst vor gut einer Woche wurde das Casino du Lac in Meyrin (GE) Opfer eines Raubüberfalls. Ein bewaffneter Mann bedrohte kurz vor acht Uhr morgens die Angestellten und verlangte Geld. Wie viel er erbeutete, wollte die Polizei nicht sagen. Der Räuber konnte nach der Tat mit dem Auto entkommen.

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