Katholiken-Knatsch: «Ein heilsamer Schritt»
Aktualisiert

Katholiken-Knatsch«Ein heilsamer Schritt»

Der Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, Bischof Kurt Koch, hat die umstrittene Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen verteidigt.

Im «Tagesgespräch» auf Radio DRS 1 nahm der Basler Bischof Stellung zum umstrittenen Dekret von Papst Benedikt XVI., mit dem die seinerzeit von Papst Johannes Paul II verhängte Exkommunuikation von vier traditionalistisch ausgerichteten Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. zurückgenommen wird.

«Nur ein Tor aufgestossen»

Koch wies gleich zu Beginn des Gesprächs darauf hin, dass es sich bei der Aufhebung der Exkommunikation nicht um eine kirchenrechtliche Rehabilitierung der Bischöfe handle. Es sei lediglich «ein Tor aufgestossen worden», sagte Koch. Dies sei noch nicht die Versöhnung selber, sondern der Anfang eines schwierigen Wegs hin zur Versöhnung. Die vier traditionalistischen Bischöfe müssten ganz klar die Bestimmungen des Zweiten Vatikanischen Konzils anerkennen; vorher könne von einer Rehabilitierung keine Rede sein.

Kritik an Papst Benedikt XVI. wies Koch zurück. Der Papst, der ja bereits als Kardinal alles versucht habe, um ein Schisma zu verhindern, habe hier einen Schritt auf die Traditionalisten zu gemacht, der sich im Rückblick, wie er glaube, «als heilsamer Schritt» erweisen werde. Der Ball liege nun bei den Traditionalisten, sie müssten nun die Bestimmungen des Zweiten Vatikanums anerkennen.

Koch vesuchte mehrmals, den päpstlichen Rechtskurs, der sich nicht nur im umstrittenen Dekret zur Rücknahme der Exkommunikation offenbart, zu relativieren. Es gebe Kreise, meinte Koch im Hinblick auf progressive Strömungen in der katholischen Kirche, die sich ständig auf die Errungenschaften des Zweiten Vatikanums beriefen, selber aber Positionen verträten, die weit über alles hinausgingen, was die Kirchenväter damals im Sinn gehabt hätten. Da sei es bei den Traditionalisten einfacher, sagte Koch, da wisse man, woran man sei.

Entschuldigung bei «jüdischen Mitbürgern»

Auch zur Tatsache, dass mit dem Engländer Richard Williamson ein notorischer Holocaust-Leugner zu den vier betroffenen Bischöfen gehört, äusserte sich Koch. Die Erklärung des Generaloberen der Bruderschaft, Bernard Fellay — der Williamson stark kritisiert hatte — nütze nicht viel. Auch hier verlange man von den Traditionalisten, dass sie sich auf den Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils stellten, in dem die Vesöhnung mit dem Judentum vollzogen worden sei. Koch bezeichnete Williamsons Äusserungen als inakzeptabel und entschuldigte sich bei «den jüdischen Mitbürgern».

Schriftliche Erklärung

Koch hatte schon vor der Radiosendung schriftlich Stellung genommen. Darin erklärte er namens der Schweizerischen Bischofskonferenz, die Schweizer Bischöfe hätten von Fellays Stellungnahme Kenntnis genommen.

Die vier Bischöfe der Bruderschaft hätten jedoch in der Vergangenheit mehrfach deutlich gemacht, dass sie und ihre Bruderschaft die Ökumene und den Dialog mit anderen Religionen ablehnten.

In den Gesprächen, die gemäss Dekret vor der Herstellung der vollen Gemeinschaft und damit auch vor der Aufhebung der Suspendierung der vier Bischöfe notwendig seien, müssten die vier Bischöfe deshalb glaubwürdige Erklärungen abgeben, fordern die Schweizer Bischöfe.

Sie müssten versichern, dass sie die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Beziehungen der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen und im besonderen zum Judentum «Nostra aetate» anerkennen würden.

Holocaust-Leugner

Papst Benedikt XVI. hatte in einem am letzten Samstag veröffentlichten Dekret die Exkommunikation der vier Bischöfe aufgehoben. Gegen Richard Williamson wird jedoch wegen Leugnung des Holocaust ermittelt.

In einem Fernsehinterview hatte der Brite gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200 000 bis 300 000 - aber keiner von ihnen in Gaskammern.

(sda/dhr)

Priesterbruderschaft St. Pius X.

Die Bruderschaft hat ihre Zentrale seit 1971 in Ecône im Unterwallis; der offizielle Sitz befindet sich in Menzingen ZG. Gegründet wurde die Bruderschaft Ende der 1960er Jahre vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre.

Der Grund für die Abspaltung vom Vatikan und die Exkommunikation der Geistlichen 1988 war, dass der 1991 gestorbene Lefebvre und seine Anhänger die Kirchenreformen des Zweiten Vatikanischen Konzils der 1960er Jahre ablehnten. Die Traditionalisten, die die Messe im lateinischen Ritus feiern, vertreten ein antiliberales Weltbild, das sich an der Zeit des Ancien Régime (vor der Französischen Revolution von 1789) orientiert.

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