Aktualisiert 26.10.2019 08:35

Tokio Motor Show

Ein Heimspiel im Zeichen der Brennstoffzelle

Auf der Motorshow in Japan kochen Toyota & Co. ihr eigenes Süppchen und verbannen den E-Antrieb in die zweite Reihe.

von
Thomas Geiger
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Motorshow TokioToyota E-Racer

Motorshow TokioToyota E-Racer

Thomas Geiger
Motorshow TokioAutonomer Toyota-Bus fur Olympia 2020 in Japan

Motorshow TokioAutonomer Toyota-Bus fur Olympia 2020 in Japan

Thomas Geiger
Motorshow TokioDaihatsu Mini-Bus-Studie

Motorshow TokioDaihatsu Mini-Bus-Studie

Thomas Geiger

In Japan gehen die Uhren anders – und zwar nicht nur am Handgelenk, sondern auch in der Autowelt. Denn nirgendwo hat sich der Markt derart von restlichen Geschehen abgekoppelt, wie im Reich des Tenno. Nicht nur mit ihren winzigen Kei-Cars fahren die Japaner einen eigenen Weg, sondern auch ihre Antriebsstrategie passt nicht in die globale Ausrichtung. Während der Diesel überall in den Keller rauscht, gehen seine Verkaufsanteile in Japan in die Höhe, der Elektroantrieb ist allenfalls zweite Wahl und nach dem Hybrid sehen sie bei Toyota & Co. nach wie vor die Brennstoffzelle als aussichtsreichste Lösung.

Europäer glänzen mit Abwesenheit

Nirgendwo wird dieser Eigensinn so deutlich wie bei der Motorshow in Tokio, auf der die Japaner diesmal ein Heimspiel ohne Gegner feiern. Denn obwohl insbesondere die deutschen Autos hoch im Kurs stehen in Tokio oder Osaka, glänzen die Importeure fast durchgängig mit Abwesenheit. Einzig Mercedes zeigt nochmal ein Kondensat des IAA-Programms. Doch BMW, Audi, VW & Porsche lassen die Japaner ungestört ihr eigenes Süppchen kochen, von Koreanern, Franzosen, Italienern, Schweden und Amerikanern ganz zu schweigen.

Darum sind mehr als die Hälfte aller Neuheiten Kei-Cars, die immer knallig bunt und oft ungeheuer verspielt sind. Mal inspiriert von Disney World und mal von Manga Comics tragen sie den engen Innenstädten genauso Rechnung wie dem kindlichen Gemüt der Kunden und decken dabei fast alle Karosserievarianten ab – von der allgegenwärtigen Schuhschachtel auf Rädern über den Hardcore-Geländewagen für die Westentasche bis zum Bonsai-Roadster.

Lexus mit Flügeln

Dazu gibt es auch im grösseren Format vor allem bei Toyota eine Handvoll Studien, die selbst den in Tokio noch einmal aufgefahrenen Mercedes Vision EQS vergleichsweise alt und einfallslos erscheinen lassen: Ein autonomer Lexus LF30 mit extremer Keilform und formatfüllenden Flügeltüren zum Beispiel, ein E-Racer, der aussieht, als bräuchte er eine überdimensionale Carrera-Bahn oder ein LQ, aus dem einmal ein autonome Kompakter für Roboter-Taxen werden könnte. Dazu gibt es ein paar greifbare Studien wie die des Mittelklasse-Geländewagens Ariya, der vom nächsten Jahr an die Nissan-Palette krönen soll oder des Mitsubishi K-Wagon, der ganz sicher seinen Weg unter die Kei-Cars finden wird.

So vielfältig wie die Aufbauten sind auch deren Antriebe. Denn der Elektrohype ist in Tokyo noch nicht angekommen. Sondern Toyota schwört weiter auf die Brennstoffzelle und macht den Mirai mit entschärftem Design und gesenkten Kosten vom Exoten zum Volumenmodell, Autos wie der neue Honda Jazz werden ausschliesslich und der Toyota Yaris mehrheitlich als Hybrid ausgeliefert und wenn es unbedingt ein Akku-Pack sein muss, dann ein kleiner und damit bezahlbarer. Der Toyota Ultra zum Beispiel, der als erstes Elektroauto des Marktführers im nächsten Jahr an den Start gehen soll, ist nicht grösser als der Smart, schafft nur Tempo 60 und kommt gerade mal 100 Kilometer weit. Und der MX-30, mit dem Mazda im nächsten Jahr auf die Electric Avenue startet, ist zwar so gross wie ein VW ID.3, hat aber nur 200 Kilometer Reichweite und muss mit 140 PS auskommen.

Festival statt Motor Show

Aber nicht nur das Ausstellungsprogramm unterscheidet sich von anderen Automessen, auch das Konzept der Motor Show haben die Japaner umgekrempelt: Weil Autos alleine nicht mehr genügend Besucher locken und sich niemand einen ganzen Tag in stickigen Hallen herumtreiben will, haben sie die Messe auf ein ganzes Stadtviertel verteilt, in den einzelnen Locations viele zusätzliche Events organisiert und dazwischen automobil angehauchte Erlebnisspazierwege samt Fahrzeugparaden und Foodtrucks angelegt.

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