Aktualisiert 17.07.2014 14:54

Reiseblog

Ein Hoch auf den Ferienflieger

Reiseredaktorin Marlies Seifert ist das ganze Jahr viel unterwegs. Und trotzdem bleibt die Ferienzeit ihre liebste Zeit. Gerade wegen der vielen Touristen.

von
sei
Mit Beginn der Sommerferien herrschte auf dem Flughafen Zürich Kloten wieder Hochbetrieb.

Mit Beginn der Sommerferien herrschte auf dem Flughafen Zürich Kloten wieder Hochbetrieb.

Jobbedingt bin ich viel auf Achse. In ein Flugzeug steige ich schon fast so selbstverständlich wie in den Bus. Mein System bei der Sicherheitskontrolle habe ich derart perfektioniert, dass ich sogar mit dem von George Clooney gespielten Meilensammler in «Up in the Air» mithalten könnte. Das Ziel: so wenig Zeit wie möglich am Flughafen vergeuden.

Man könnte daher meinen, dass für mich die Ferienzeit die schlimmste im Jahr ist: überlaufene Check-in-Hallen, lange Warteschlangen und Menschen, die noch immer nicht begriffen haben, dass sie ihre 1-Liter-Shampooflasche nicht im Handgepäck mitnehmen können. Insgesamt also ein riesiges Nervpotenzial. Aber nur theoretisch.

Denn mir sind gemächliche Pauschaltouristen tausendmal lieber als gestresste Anzugträger. Während diese nervös vor dem Gate auf und ab tigern und das Bodenpersonal anfauchen, wenn der Flug eine halbe Stunde verspätet ist, kippen die Touristen halt noch ein Bierchen - auch um 6 Uhr früh. Im Flieger rammt einem kein Vordermann seinen Sitz in die Kniescheiben, weil er vor einem wichtigen Meeting noch 30 Minuten powernappen möchte. Statt lauten Schnarchens und klappernder Computertastaturen bestimmen herumtollende Kinder (Hauptsache, sie schreien nicht) die Geräuschkulisse.

Und nach der Landung tritt man sich nicht kurz nach dem Erlöschen des Anschnallzeichens auf die Füsse, um sich einen Zeitvorteil von geschätzten zehn Sekunden zu verschaffen, sondern klatscht erst einmal beherzt in die Hände. So viel Zeit muss sein. Schliesslich sind ja Ferien.

Für einmal sind die üblichen Gesetzmässigkeiten der Vielfliegerei ausgehebelt. Darüber kann man sich aufregen - oder das bunte Chaos aus Sonnenhüten, Badelatschen und Bermudashorts geniessen. Auch wenn ich selber nicht an den Strand fliege, schnuppere ich gerne etwas Ferienluft und lasse mich von der entspannten Stimmung der anderen anstecken. Daran versuche ich mich auch dann zu erinnern, wenn die Sommerferien vorbei sind und ich selber kurz davor bin, mit den Augen zu rollen, weil die Vorderfrau beim Security Check mein Zeitmanagement durcheinanderbringt, da sie ausgerechnet ihre hohen Schnürstiefel anziehen musste.

In diesem Sinne: schöne Ferien!

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