Aktualisiert 07.06.2012 08:49

Wladimir KrutowEin Hockey-Ritter von trauriger Gestalt

Wladimir Krutow lebt nicht mehr. Er ist in Moskau im Alter von 52 Jahren verstorben. Die traurige Geschichte eines Hockey-Weltstars, der an seiner Sensibilität zerbrochen ist.

von
Klaus Zaugg

Krutows legendärer Penalty im letzten Spiel des Playoff-Viertelfinal 1992 gegen Lugano. (Quelle: YouTube/<a href="http://youtu.be/-KSB1JTt6GU"_blank">Cantona31</a>)

Die Kanadier haben ihn ehrfurchtsvoll als «The Tank» («Panzer») verehrt. Wladimir Krutow war einer der besten linken Flügelstürmer aller Zeiten. Die perfekte Kombination von Kraft, Technik und Instinkt. Er gehört zum vielleicht besten Fünferblock, den es je gegeben hat: Wladimir Krutow, Igor Larionow und Sergej Makarow im Sturm, Wjatscheslaw Fetisow und Alexej Kasatanow in der Verteidigung. Der einzige Fünferblock, der es an einer WM komplett ins All-Star-Team geschafft hat. Wladimir Krutow gewann fünf WM-Titel und zwei Olympische Turniere.

Alle aus diesem Superblock haben auch nach dem Rücktritt Karriere gemacht – bis auf Krutow. Alle sind nach Nordamerika gegangen und haben sich auch in der NHL durchgesetzt – bis auf Krutow. Warum? Der Mann, der mit grimmiger Miene spielte wie ein Panzer, war ein äusserst sensibler, liebenswerter Mensch. In der rauen Machowelt des Eishockeys ist er nie ganz verstanden worden – vor allem nicht fern seiner russischen Heimat im Westen und schon gar nicht in Amerika.

Als er zusammen mit Igor Larionow in Vancouver spielte (1989/90), waren die Geschichten über Krutows Unbeholfenheit Kult. Etwa wie er ein Auto mit Automatikschaltung zerstörte, weil er, wie daheim in Russland, mit aller Gewalt versuchte zu schalten. An der kanadischen Westküste wurde er hoffnungslos heimwehkrank – und das brachte ihn zum ZSC. Als er nach Zürich kam, war er bei einer Grösse von 1,76 m fast 100 kg schwer. Ein Ritter der traurigen Gestalt wie Don Quixote de la Mancha, der gegen Windmühlen kämpfte. Irgendwie komisch und traurig und tief berührend.

In Zürich eine Legende

In Zürich spielte Wladimir zum letzten Mal zum Tanze auf. Unvergessen bleibt, wie er im Frühjahr 1992 unter Trainer Arno Del Curto mit seinen feinen Händen im Penaltyschiessen die Playoffsensation über den himmelhohen Favoriten Lugano möglich machte. Die Fans haben im alten Hallenstadion für ein paar lichte Momente noch einmal den grossen, den charismatischen Krutow elebt – 4 Tore und 3 Assists in sieben Playoffpartien.

Nach einem Gastspiel in der zweiten schwedischen Liga kehrte er 1995 nach Russland zurück und dort musste er 2001 nach einem Schwächeanfall seine Trainerkarriere bei ZSKA Moskau beenden.

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