Drama auf Openair-Gelände: «Ein Holzbalken verfehlte meinen Kopf nur knapp»
Aktualisiert

Drama auf Openair-Gelände«Ein Holzbalken verfehlte meinen Kopf nur knapp»

Ein heftiger Sturm reisst auf der Allmend ein Zelt aus der Verankerung, herumfliegende Teile verletzen zwei Personen schwer. Ein Helfer hat das Drama auf dem Openair-Gelände in Frauenfeld beobachtet.

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jam/jbu/kub

Vor zwei Tagen feierten noch Tausende Personen ausgelassen auf dem Openair-Gelände in Frauenfeld. Am Dienstagnachmittag kommt es dann zu einem tragischen Unfall. Noch während den Aufräumarbeiten zieht über der grossen Allmend ein aussergewöhnlich heftiges Gewitter auf. Auf dem Gelände sind dutzende Personen mit Aufräumen beschäftigt – darunter viele Studenten, die sich freiwillig gemeldet haben. Extremer Wind reisst gemäss Augenzeugen Zeltstangen aus der Verankerung, die offenbar wie Geschosse durch die Luft fliegen. Dann kommt es zum Drama.

Zwei Personen werden von den Zeltteilen erfasst und schwer verletzt, schreibt die Kantonspolizei Thurgau in einer Mitteilung. Eine Studentin wird gemäss unbestätigten Quellen so wuchtig getroffen, dass sie einen Arm verliert. Die Polizei will die Art der Verletzung weder bestätigen noch dementieren. Auch die Veranstalter des Openairs wollen keine Stellung nehmen. Zwei Helikopter der Rega rücken sofort aus, schliesslich werden die beiden Verletzten aber durch Privatpersonen und den Rettungsdienst ins Spital gebracht.

Es sind dramatische Szenen, die sich kurz nach 16 Uhr auf dem Festival-Gelände abspielen. Ein Helfer beschreibt das Chaos, das unvermittelt über die guten Seelen hereinbricht. Als das Unwetter losbricht, waren sie gerade daran, den Boden des Geländes zu reinigen. Vor dem heftigen Regen suchen sie Schutz in einem der gewaltigen Zelte, die noch stehen. Dann geschieht das Unglück: «Das schwarze, riesige Zelt, das etwa 30 Meter von uns entfernt stand, begann sich plötzlich zu bewegen. Kurz bevor es aus der Verankerung gelöst wurde, rannten die rund zwanzig Helfer, die in diesem Zelt Schutz gesucht hatten, panisch in unsere Richtung», erzählt der Helfer gegenüber 20 Minuten Online. Im Video unten ist zu sehen, wie der Regen wütete. Das schwarze Zelt, welches am Ende des Videos zu sehen ist, wurde kurz danach aus der Verankerung gelöst.

Video: Ein Leserreporter filmte das Unwetter auf dem Frauenfelder Festivalgelände

Doch damit nicht genug. «Kurz nachdem ich das Video gedreht hatte, begann auch der massive Holzboden unter uns zu beben und zu schwanken», so der Augenzeuge weiter. «Es war richtig beängstigend, ich stehe jetzt noch unter Schock.» Kurz danach hätte sich auch ihr Zelt verselbständigt – es wurde regelrecht vom Winde verweht. «Die meisten von uns kamen noch rechtzeitig von dem Holzpodest weg. Doch einige mussten herunterspringen, als es das Zelt bereits etwas angehoben hatte.» Zudem seien durch den Wind Eisenstangen und Blachen herumgewirbelt worden. «Ich selber hatte riesiges Glück: Ein etwa zwei Meter langer Holzbalken verfehlte meinen Kopf nur knapp», erzählt der Helfer, hörbar geschockt, weiter. Später habe er beobachten können, wie eine der verletzten Personen von der Sanität abgeführt wurde. Sie sei von einem Container getroffen worden und hätte Verletzungen am Hals erlitten.

Durch das aussergewöhnlich heftige Gewitter wurden in Frauenfeld auch zahlreiche Keller und Garagen unter Wasser gesetzt sowie Strassenunterführungen überflutet. In den Unterführungen blieben verschiedene Fahrzeug stecken. Mehrere Bäume hielten den Sturmwinden nicht stand, wurden entwurzelt und stürzten teilweise auf Autos. Der Sachschaden kann noch nicht beziffert werden.

Bei der kantonalen Notrufzentrale gingen zwischen 15.50 Uhr und 17 Uhr über 60 Meldungen ein. Feuerwehr und Kantonspolizei standen im Dauereinsatz.

Leserreporter-Videos aus Frauenfeld zeigen den Sturm und die enormen Wassermassen:

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