02.01.2015 19:21

St. GallenEin Hort für Mordwaffen und Einbruchswerkzeuge

Das wohl gruseligste Museum der Ostschweiz ist das Kriminalmuseum der St.Galler Kantonspolizei. Kuratiert wird es vom ehemaligen Polizeisprecher Hans Peter Eugster.

von
Jeroen Heijers
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Polizei-Geschichte hautnah erleben
Polizei-Geschichte hautnah erleben

Willkommen im Kriminalmuseum St.Gallen. Auf einer Fläche von 100 Quadratmetern...

Jeroen Heijers
... findet man die unterschiedlichsten Gegenstände aus der St.Galler Kriminalgeschichte. So zum Beispiel...

... findet man die unterschiedlichsten Gegenstände aus der St.Galler Kriminalgeschichte. So zum Beispiel...

Jeroen Heijers
... eingeschlagene Scheiben und Einbruchswerkzeuge in allen Formen oder...

... eingeschlagene Scheiben und Einbruchswerkzeuge in allen Formen oder...

Jeroen Heijers

Kein Wegweiser, keine Tafel mit Öffnungszeiten, nur eine unscheinbare Tür gegenüber der Medientribüne des Kantonsratssaals. Dahinter verbirgt sich auf 100 Quadratmetern ein buntes Sammelsurium: Vitrinen voller Pistolen, Drogenutensilien oder falscher Tausendernoten, dazu Einbruchs-Werkzeuge oder ein aufgebrochener Tresor.

An den Wänden hängen grausige Fotos von Tatorten, die Teufelsmaske, die sich ein Bankräuber während der Fasnacht aufsetzte, Fahndungsfotos, präparierte Finger- und Fussabdrücke.

All diese gesammelten Gegenstände werden auf einmal zum Leben erweckt, wenn der ehemalige Polizeisprecher der Kantonspolizei St.Gallen, Hans Peter Eugster, die Geschichten dahinter erzählt. So zum Beispiel jene des dreifachen Mörders Paul Irniger, der im Kanton St. Gallen zum Tod verurteilt und am 25. August 1939 in Zug geköpft wurde. «Das war die zweitletzte Hinrichtung durch das Fallbeil in der Schweiz», erzählt Eugster.

Faszination Kriminalgeschichte

Seit rund sechs Jahren kümmert sich Eugster um die Erhaltung des Museums. «Eine Zeit lang sah es so aus, als ob sich niemand mehr darum kümmern würde», sagt Eugster. Dann entschloss er sich, Ordnung in die Sammlung zu bringen und alle Geschichten mit den dazugehörenden Gegenständen zu sortieren. «Es war ein riesiger Aufwand. Und fertig bin ich noch immer nicht», sagt Eugster, der seit 37 Jahren bei der Polizei ist. Manchmal könne er sich von den Geschichten kaum losreissen: «Es ist schon vorgekommen, dass ich Gegenstände mit nach Hause genommen habe und dann dort noch weiter recherchiert habe», so Eugster, der mittlerweile bei der Kriminalprävention tätig ist.

Über hundert Führungen pro Jahr

Die Prävention hat Eugster auch in die Ausstellung aufgenommen. So können sich Museumsbesucher an einem Bancomat das betrügerische Skimming demonstrieren lassen. Eine Kamera, die die Eingabe des Codes filmt, ist so klein wie ein Stecknadelkopf. Haben die Betrüger die Kartendaten und den Code einmal in der Hand, dauert es laut Eugster nur vier Stunden, bis mit einer illegalen Zweitkarte Geld abgehoben wird.

Wer in die faszinierende Welt von schaurigen Kriminalfällen und spannenden Geschichten von Hans Peter Eugster eintauchen möchte, kann dies kostenlos tun. Die einzige Voraussetzung ist, dass man sich mit einer Gruppe von mindestens zehn Personen im Voraus anmeldet. Die Führungen sind äusserst begehrt. Über hundert Gruppen besuchen das Museum jedes Jahr.

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