Unvergessene WM-Momente: Ein Hund rettet die WM
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Unvergessene WM-MomenteEin Hund rettet die WM

Ausgerechnet im Mutterland des Fussballs wurde 1966 die begehrteste Trophäe der Welt geklaut. Scotland Yard suchte erfolglos - bis Hund Pickles Gassi ging.

von
Marius Egger

Hund Pickles mit der feinen Nase. (Video: YouTube)

Der WM-Pokal ist die wohl begehrteste Trophäe der Welt. Und keine Trophäe hat so eine bewegte Geschichte wie die Coupe Jules Rimet, der erste WM-Pokal. Entworfen wurde der 35 Zentimeter hohe und 3,8 Kilogramm schwere Weltpokal vom französischen Bildhauer Abel Lafleur nach dem Bild der Glücksgöttin Fortuna.

Die Glücksgöttin stand dem WM-Pokal insbesondere 1966 bei. Im Mutterland des Fussballs herrschte kurz vor der Weltmeisterschaft grosse Aufregung. Die Coupe Jules Rimet wurde am 20. März während einer Briefmarkenschau in London aus der Vitrine gestohlen. Fünf Wachmänner waren für den WM-Pokal verantwortlich. Einer hatte an diesem Tag frei, die vier anderen genehmigten sich einen Schluck Kaffee. Dann war der Pokal weg.

BBC verbreitete in einer Sondermeldung: «Der WM-Pokal wurde trotz schärfster Bewachung aus der Ausstellung in der Westminster Hall gestohlen.» Scotland Yard wurde eingeschaltet. Eine Lösegeldforderung über 150 000 Franken ging ein. Der WM-Pokal blieb verschwunden.

Hund Pickles schreitet ein

Am Sonntag, 27. März, sieben Tage, nachdem die Trophäe geklaut wurde, verliess David Corbett seine Wohnung in Norwood, Süd-London. Er wollte am Kiosk um die Ecke ein Telefongespräch führen. Mit dabei sein Hund Pickles. Und der Hund tat, was Hunde so tun: Er schnüffelte, scharrte – und grub in einem Vorgarten ein Zeitungspaket aus. Corbett erkannte den Inhalt sofort: «Ich habe den WM-Pokal gefunden! Ich habe den WM-Pokal gefunden!», liess er seine Frau wissen.

Der Hafenarbeiter eilte mit seinem Fund zum nächsten Polizeiposten – und wurde bis 2.30 Uhr morgens verhört. Als sein Alibi geklärt und die Unschuld bewiesen war, wurde es schnell ruhig um David Corbett. Denn die Presse interessierte sich nur für den wahren Helden: Hund Pickles.

Für den Vierbeiner begann ein Leben als Celebrity. Pickles wurde nach dem WM-Sieg der Engländer zur Party geladen, spielte im Film «The Spy with the Cold Nose» mit, trat in TV-Shows auf und hatte Einladungen aus Chile, Deutschland und der Tschechoslowakei. Pickles wurde zum «Hund des Jahres» gewählt und bekam ein Jahr lang gratis Hundefutter. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms verdiente Herrchen Corbett 60 Pfund pro Tag, ausserdem garnierte er eine Belohnung von 3000 Pfund.

Das tragische Ende

Für die WM 1970 in Mexiko erhielt Pickles ebenfalls eine Einladung. Doch die konnte er nicht mehr wahrnehmen. Bei der Verfolgung einer Katze blieb der Hund mit dem Halsband an einem Lattenzaun hängen – und strangulierte sich selbst.

Die Geschichte der Coupe Jules Rimet nahm ebenfalls kein schönes Ende. Die Statue aus vergoldetem Sterlingsilber ging nach dem dritten Weltmeistertitel Brasiliens 1970 definitiv in den Besitz der Seleçao über und wurde fortan in Rio de Janeiro aufbewahrt. Am 19. Dezember 1983 wurde sie erneut geklaut und blieb verschwunden. Ermittler gehen davon aus, dass der Pokal eingeschmolzen wurde.

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