Aktualisiert 27.10.2009 15:02

Gewalt im Fussball«Ein Idiot macht mir nicht mein Hobby kaputt»

Er zog die gelbe Karte und landete dafür im Spital: Schiedsrichter Martin Peyer wurde Opfer eines ausrastenden Fussballers. Der Spieler schlug den Schiri unvermittelt ins Gesicht und trat auch auf dem Boden weiter auf ihn ein. Dennoch pfeift der 23-Jährige weiter. Warum, erklärt er im Interview mit 20 Minuten Online.

von
Amir Mustedanagic

20 Minuten Online: Herr Peyer*, Sie wurden während der Drittliga-Partie zwischen dem FC Münchenstein und dem FC Ettingen Opfer einer brutalen Attacken eines Fussballers. Was ist passiert?

Martin Peyer: Ich hatte in der 83. Minute beim Stand von 1:2 ein Foul gepfiffen. Ein Spieler hatte einen anderen festgehalten. Ein Münchensteiner reklamierte, daraufhin zeigte ich ihm die gelbe Karte. Als ich meinen Block zog, um die Karte zu notieren, sah ich aus dem Augenwinkel eine Faust kommen.

Der Spieler hat auf Sie eingetreten, während Sie bewusstlos am Boden lagen. Er hat erst von Ihnen abgelassen, als ihn Mitspieler wegzerrten. Sie erlitten eine Gehirnerschütterung, Prellungen ...

... Und ich musste ins Spital, wo ich auch einige Zeit verbrachte.

Trotzdem pfeifen Sie heute wieder Spiele. Wieso?

Ich habe sehr oft darüber nachgedacht, ob ich aufhören soll. Meine Familie, meine Freunde - einfach alle haben gesagt, sie würden an meiner Stelle aufhören. Das ganze Theater sei es nicht wert und bringe nichts. Aber nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, weiterzumachen – aus Prinzip. Ein Idiot – wenn Sie den Ausdruck entschuldigen – macht mir nicht mein Hobby kaputt. Ich wollte nicht wegen diesem einen Zwischenfall alles aufgeben.

Mit welchen Gefühlen kehrten Sie aufs Spielfeld zurück?

Mit gemischten Gefühlen: Einerseits wusste ich nicht was genau auf mich zukommen würde nach dem Vorfall, andererseits war mir bewusst, dass so ein Vorfall in der Regel nie mehr vorfallen würde. Meine Art und Linie beim pfeifen habe ich beibehalten, jedoch halte ich immer genügend Abstand zu den Spielern falls es «hitzige» Diskussionen gibt. Zudem versuche ich weiterhin, heikle Situationen erst zu entschärfen und dann Karten zu verteilen.

Haben Sie sich gefreut auf die Rückkehr aufs Feld?

Die Freude, wieder auf das Spielfeld zurückzukehren, war schon da. Aber ich merke, dass der Zwischenfall meine Begeisterung für das Schiedsrichtersein beeinflusst hat. Ich hatte grosse Ambitionen, als Schiri nach oben zu kommen. Nun fehlt manchmal die Motivation. Der letzte Tick zur vorherigen Begeisterung ist nicht mehr da. Für ein Hobby ist das aber wichtig.

Das klingt so, als ob Sie nicht mehr lange Schiedsrichter wären?

Ich werde die Saison sicher noch beenden. Danach werde ich für mich eine Bilanz ziehen. Ich habe seither keine Probleme mehr gehabt auf dem Spielfeld und die Freude wächst langsam wieder. Wenn das so bleibt, ist alles offen. Eines ist aber sicher: Ein zweites Mal mache ich eine solche Attacke nicht mit. Dann ist es vorbei, auch wenn ich mit 23 Jahren erst am Anfang stehe.

Jetzt wurde der Spieler des FC Münchenstein vom Bezirksstatthalteramt Laufen verurteilt. Er hat eine Busse von 1200 Franken erhalten. Ist das ein Trost?

Für mich persönlich ist die Busse und die bedingte Geldstrafe, die er erhalten hat zu gering, aber ich akzeptiere das Urteil. Das juristische Hin und Her ist deswegen aber noch nicht durch. Der Spieler streitet den Ablauf ab und weigert sich, Schadenersatz zu zahlen. Auch die Spitalkosten will er nicht übernehmen. Es ist für mich also noch lange nicht vorbei.

Hat er sich bei Ihnen entschuldigt?

Nein, er hat sich bis zum heutigen Tag nicht bei mir entschuldigt, obwohl er die Gelegenheit dazu hatte.

* Name von der Redaktion geändert

Spieler verurteilt

Die Attacke kommt den Spieler des FC Münchenstein teuer zu stehen: Das Bezirksstatthalteramt Laufen verurteilte den 3.-Liga-Fussballer zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen und einer Busse von 1200 Franken. Zudem verhängte die Kontroll- und Strafkommission des Schweizerischen Fussballverbands gegen den 33-Jährigen eine Sperre von drei Jahren. Sein Verein wurde in die 4. Liga zwangsrelegiert.

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