Aktualisiert 28.05.2011 06:32

Chuck BlazerEin Insider lässt die FIFA erzittern

Eine neue Bestechungsaffäre erschüttert die FIFA. Auslöser ist ein Insider, der US-Amerikaner Chuck Blazer. Was treibt den Mann mit dem Samichlaus-Bart an?

von
Peter Blunschi
Chuck Blazer 2005 mit FIFA-Präsident Sepp Blatter.

Chuck Blazer 2005 mit FIFA-Präsident Sepp Blatter.

Kurz vor der Präsidentenwahl am 1. Juni geht es beim internationalen Fussballverband FIFA drunter und drüber. Amtsinhaber Sepp Blatter und sein Herausforderer Mohamed Bin Hammam sehen sich mit Korruptionsanschuldigungen konfrontiert und müssen am Sonntag vor der FIFA-Ethikkommission antraben. Beobachter sprechen von der grössten Krise in der Geschichte der FIFA – eine vernünftige Wahl ist unter diesen Umständen kaum möglich.

Ausgelöst wurde das Tohuwabohu von Chuck Blazer, Generalsekretär der Fussballverbands von Nord-/Mittelamerika und der Karibik (CONCACF) und seit 1996 Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees – ein Insider also, wie er im Buche steht. In einem Bericht an FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke wirft er Bin Hammam und CONCACAF-Präsident Jack Warner vor, karibischen FIFA-Delegierten bei einem Treffen am 10. und 11. Mai in Trinidad 40 000 Dollar geboten zu haben, wenn sie dem Blatter-Gegner aus Katar die Stimme geben.

Anwalt mit Untersuchung beauftragt

Der Chicagoer Anwalt John Collins, Mitglied des FIFA-Rechtskommission, bestätigte der «New York Times», er habe auf Blazers Wunsch eine Untersuchung durchgeführt und die Ergebnisse an die FIFA weitergeleitet. Offenbar verfügt Collins auch über eidesstattliche Erklärungen. Chuck Blazer selbst ist für die Medien nicht zu sprechen. Dafür wird umso heftiger spekuliert, was den bisher eher diskreten Funktionär zu seinem Schritt bewog.

Mit seinem Rauschebart könnte der 66-jährige New Yorker in seiner Heimatstadt glatt als Santa Claus an der jährlichen Thanksgiving-Parade des Kaufhauses Macy's teilnehmen. Auf seinem Blog lässt der joviale Amerikaner seine Vorliebe für skurrile Auftritte und Begegnungen mit Promis erkennen. Von einer Fussballerkarriere ist nichts bekannt. Chuck Blazer soll laut «Daily Mail» den Juniorenfussball in New York organisiert haben.

Unmut über Vergabe an Katar

Seit 1990 ist er Generalsekretär der CONCACAF. Damals wurde auch Jack Warner zum Präsidenten gewählt. Dieser sieht sich seit Jahren mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Der ehemalige Geschichtslehrer aus Trinidad und Tobago wurde 2006 von der FIFA gebüsst, weil er in den illegalen Handel mit Tickets für die Weltmeisterschaft in Deutschland verwickelt war. Generalsekretär Blazer stand stets treu an seiner Seite.

Nun fragt man sich, warum er seinem Chef ausgerechnet jetzt in den Rücken fällt und ob er «aus selbstlosen oder eigennützigen Gründen» handelt, so die «New York Times». Sicher ist, dass Chuck Blazer im letzten November in seltener Offenheit seinem Unmut über die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar zum Ausdruck gab. Zu den Verlierern gehörte die USA. «Man kann Stadien kühlen, aber nicht ein ganzes Land», sagte Blazer.

Will er Warners Job?

Daneben soll der Amerikaner laut «Daily Mail» auch verärgert sein über seinen fehlenden Einfluss. Sieht er eine Chance, Jack Warner im Fall der – erwarteten – Wiederwahl von Sepp Blatter zu beerben? Der CONCACAF-Präsident war bislang ein treuer Gefolgsmann des Wallisers, und der geht mit «Verrätern» nicht zimperlich um. Es wäre allerdings ein heikles Kalkül, denn Jack Warners Überlebenskünste sind beinahe legendär.

Chuck Blazer pokert hoch, denn auch um seine Integrität steht es nicht zum Besten. Vor fünf Jahren musste er vor einem New Yorker Gericht aussagen. Es ging um die Klage von Mastercard gegen die FIFA; weil diese einen neuen Sponsorendeal mit dem Konkurrenten Visa abgeschlossen hatte. Die Richterin bescheinigte Blazer «fehlende Glaubwürdigkeit» – indirekt nannte sie ihn also einen Lügner. Gut möglich, dass der vermeintliche «Whistleblower» Chuck Blazer in der aktuellen Affäre am Ende der «Chlaus» sein wird.

Die Stimmenversprechen

Europa (Uefa): Empfiehlt Blatter

Afrika (CAF): Empfiehlt Blatter

Ozeanien (OFC): Empfielt Blatter

Südamerika (Conmebol): Empfiehlt Blatter

Asien (AFC): Noch keine Stellungnahme, Vorteil Bin Hammam

Nord-/Mittelamerika und Karibik (Concacaf): Noch keine Stellungnahme, Bestechungsgerüchte

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