Aktualisiert 24.11.2011 21:03

Zürich

Ein Jahr Rabatt für Internet-Betrüger

Ein heute 34-jähriger Profi-Betrüger hat über das Internet diverse Artikel verkauft, jedoch nur Ramsch oder gar nichts geliefert. Ueber 60 Geschädigte verloren dabei rund eine viertel Million Franken. Am Donnerstag hat das Obergericht die Schuldsprüche des Bezirksgerichts Zürich bestätigt. Trotzdem hat die kantonale Instanz eine erste Strafe von fünf Jahren Freiheitsentzug um ein Jahr reduziert.

Der bereits mehrfach einschlägig vorbestrafte Angeklagte trieb ab Oktober 2004 fünf Jahre lang im Internet sein Unwesen. Der Stadtzürcher bot von seinem Wohnort aus über bekannte Auktionsplattformen wie „ricardo" oder „ebay" diverse Waren zum Verkauf an. So angeblich wertvolle Tahiti-Perlketten, Mobiltelefone und Möbel. Zudem Playstations, Notebooks, Plasmafernseher oder gar Rasierklingen.

Plunder oder gar nichts geliefert

Der heute 34-jährige Profibetrüger ging raffinert vor, indem er nicht persönlich auftrat, sondern sich hinter vermeintlich seriösen Firmennamen wie „GS IPEX" versteckte. Der Dreh des Beschuldigten war einfach. So kassierte er im Voraus den verhältnismässig günstigen Preis ein und lieferte danach wertlosen Plunder oder gar nichts aus. Wer Rasierklingen der Marke Gillette gekauft hatte, erhielt billige Damenrasierer. Wer teure Tahiti-Zuchtperlen erworben hatte, bekam wertlose, gefärbte Murmeln nach Hause. Am schlimmsten erging es den zahlreichen Käufern eines Plasmafernsehers. Sie blätterten bis zu 7000 Franken hin und schauten danach in die Röhre, da vom Angeklagten nichts geliefert wurde.

Auch mehrere Strafanzeigen und vier Festnahmen durch die Polizei konnten den EDV-Supporter nicht beeindrucken. Bis er im Herbst 2009 erneut verhaftet wurde und seither im Gefängnis sitzt. Wo er inzwischen versucht hat, aus Fruchtsäften illegal Alkohol herzustellen.

Beträchtlicher Schaden

Schon das Bezirksgericht hatte im letzten Mai einen gesamten Deliktsbetrag von rund 200 000 Franken sowie 30'000 Euro festgestellt. Allein über 116'000 Franken davon gingen auf den betrügerischen Verkauf eines Fahrzeugs der Marke BMW zurück. Zudem wollte der Mann auch einen Handel mit Kinderpornographie betreiben. Das Bezirksgericht Zürich setzte eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren fest. Zudem widerrief es eine ehemals bedingte Vorstrafe von 15 Monaten.

Vergeblich Teilfreisprüche gefordert

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht gewichtige Teilfreisprüche. Zudem eine deutliche Strafsenkung auf noch zwei Jahre und drei Monate Freiheitsentzug. Rechtsanwalt Daniel Christe machte beim Autoverkauf eine Opfermitverantwortung geltend und verneinte jegliche Arglist. Auch beim Verkauf der Tahiti-Perlen lastete der Rechtsanwalt den geprellten Kunden ein naives Verhalten an. Bei den Plasma-Fernsehern stellte Christe sogar die Täuschungsabsichten gänzlich in Abrede.

Strafe um ein Jahr gesenkt

Die zuständige Staatsanwältin konterte und verlangte eine umfassende Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Das Obergericht folgte bei der rechtlichen Würdigung der Anklage und stufte alle Delikte als Betrüge ein. Es sei ganz klar, dass der Angeklagte mit falschen Karten gespielt habe, führte der Gerichtsvorsitzende aus. Dennoch senkte das Obergericht die erste Strafe um ein Jahr auf neu vier Jahre Freiheitsentzug. Im Vergleich zu anderen Betrugsfällen habe das Bezirksgericht eine zu hohe Einsatzstrafe von dreieinhalb Jahren statt zweieinhalb Jahren eingesetzt, befanden die Oberrichter. Allerdings widerriefen auch sie die Vorstrafe von 15 Monaten. Der Angeklagte wurde deshalb nach der Urteilseröffnung von der Polizei wieder ins Gefängnis gebracht. (20 Minuten)

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