Boni auf Holländisch: Ein Jahresgehalt muss reichen
Aktualisiert

Boni auf HolländischEin Jahresgehalt muss reichen

Holland macht Ernst mit der Beschränkungen von absurd hohen Boni in der Bankenwelt: Bei Verlusten müssen die Boni zurückgezahlt werden und sie dürfen nicht mehr höher als der Jahreslohn sein. In der Schweiz diskutieren Aufsichtsbehörden und Banken über neue Regeln

Die Niederländische Bankenvereinigung hat sich selbst zu einem «Code of Conduct» verpflichtet. Laut «ftd.de» dürfen ab 2010 Boni das Fixgehalt nicht mehr überschreiten und bei Verlusten der Bank können bereits bezahlte Boni zurückgefordert werden. Der niederländische Bankencode könne gar die Grundlage für einen G20-Kompromiss bilden. Vor allem der französische Präsident Nicolas Sarkozy will international verbindliche Regeln für die Beschränkung der Boni.

Finma einsichtig

Das bisherige, weltweit praktisch identische, Vergütungssystem mit Bonuszahlungen belohnte kurzfristige Risiken und gilt damit als eine der Ursachen der Weltfinanzkrise. Das sieht auch die Finma in ihrem Bericht über die Finanzmarktkrise so: «Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Vergütungssysteme von Finanzinstituten einen erheblichen Einfluss auf das Verhalten der Entscheidungsträger haben können. Unangemessene Risiken und falsche Anreize können die Substanz und Ertragskraft eines Finanzinstituts und damit dessen Stabilität gefährden. Auch Vergütungssysteme können falsche Anreize schaffen und zur Übernahme unangemessener Risiken verleiten».

Nachhaltigkeit wichtig

Deswegen will die Finma die Vergütungssysteme von Finanzinstituten aufsichtsrechtlichen Regeln unterstellen. Das neue «Rundschreiben Vergütungssysteme» tritt am 1.1.2010 in Kraft und wird laut Finma «direkte Auswirkungen auf die Vergütungssysteme der betroffenen Finanzinstitute haben». Im Sommer wurden die Banken aufgefordert, zum neuen System Stellung zu nehmen. Dabei kam heraus: Banken und Aufsichtsbehörden sind sich in Grundzügen einigermassen einig. Zu viel Einmischung wollen die Banken aber nicht.

Zum neuen System schreibt die Finma: «Variable Vergütungen (Boni) müssen langfristig und nachhaltig am ökonomischen Gewinn unter Berücksichtigung sämtlicher Kosten für alle eingegangenen Risiken ausgerichtet sein. Zudem wird der Verwaltungsrat der Institute stärker in die Pflicht genommen. Er ist verantwortlich für die Vergütungspolitik des gesamten Finanzinstituts und muss die Vergütungen in einem Vergütungsbericht offenlegen.

Sarkozy: Boykott-Drohung

Auf dem nächsten G-20-Treffen will Sarkozy gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Deckelung von Managergehältern und Bonuszahlungen durchsetzen. Bisher scheiterten solche Versuche am Widerstand der angelsächsischen Länder USA und Grossbritannien. Dieses Mal will er den G20-Gipfel Ende Monat in Pittsburgh boykottieren, falls keine Begrenzungen für Boni beschlossen werden. «Wenn es keine konkrete Entscheidung gibt, werde ich den Gipfel verlassen», zitierte ihn die regierungsnahe Zeitung «Le Figaro» am Montag. Die Drohung sei ernst gemeint, sagte der Generalsekretär des Élysée-Palastes, Claude Gueant, dem Sender RTL. Sarkozy sei «sehr entschlossen», ein Abkommen zu erreichen. (scc/rmd/ap)

Deine Meinung