Credit-Suisse-Anleger: Ein Kampf David gegen Goliath
Aktualisiert

Credit-Suisse-AnlegerEin Kampf David gegen Goliath

Die CS habe ihnen mit Lehman-Produkten faule Eier ins Nest gelegt – sagen Kleinanleger, die vor dem Hauptsitz der Bank demonstrieren. Sie führen ein aussichtsloses Gefecht.

von
Sandro Spaeth
Ein Osterei für die Credit Suisse

Ein Osterei für die Credit Suisse

Es ist ein ungleicher Kampf: auf der einen Seite die Schweizer Grossbank Credit Suisse, auf der anderen eine Gruppe von geschädigten Kunden. Sie haben der Grossbank am Mittwoch ein riesiges Osterei mitgebracht. Die Botschaft: Die Bank habe ihnen mit intransparenten Produkten, denen Papiere der US-Pleite-Bank Lehman Brothers zu Grunde lagen, ein faules Ei gelegt.

Unter den Demonstranten ist auch Hugo Rey aus Bern, der gegen den übermächtigen Gegner vom Zürcher Paradeplatz einen teuren Kampf führt. 50 000 Franken hat Rey nach seinen Angaben bereits für Anwälte und Prozesse hingeblättert. Genau so viel hat der 53-Jährige Grafiker mit «hundertprozentig kapitalgeschützten» Produkten der Credit Suisse verloren.

Rey ist vor elf Monaten im Prozess gegen die Credit Suisse vor dem Berner Obergericht unterlegen. Auf die Urteilsbegründung wartet er noch heute. Möglicherweise zieht der Kleinanleger das Verfahren ans Bundesgericht weiter. «Es mag sein, dass der Kampf aussichtslos ist», sagt Rey. Für ihn ist klar, dass er nicht einfach vor der übermächtigen Bank kuschen will. Rey ist ein ehemaliger Spitzenmarathonläufer, der auch im Kampf gegen die Grossbank Ausdauer zeigt. «Zu viele Geschädigte machen einfach die Faust im Sack oder schweigen, weil sie die Entschädigungen der Credit Suisse angenommen haben.»

«Joghurt ist besser deklariert als CS-Produkte »

Auch Rey hat die Credit Suisse nach vier negativen Berichten eine Entschädigung angeboten. «Ich reichte Klage ein, worauf sich die Bank plötzlich gesprächsbereit zeigte», erzählt der Grafiker. Der Deal hätte ihm 30 000 Franken eingebracht – 60 Prozent des Schadens. «Dafür hätte ich aber schweigen müssen und wäre bis ans Lebensende frustriert gewesen», so der Kleinanleger. Ihm sei es nie nur ums Geld gegangen, sondern um Gerechtigkeit.

Rey sieht sich weder als David im Kampf gegen Goliath noch als Winkelried. «Ich sehe mich als Kunden, der über den Tisch gezogen wurde», sagt er. Der Begriff «100 Prozent kapitalgeschützt», den die Credit Suisse noch heute verwendet, ist für Rey eine Farce. «Jedes Joghurt ist besser deklariert als eine Anlage der Credit Suisse», sagt er.

Banker sind unbeeindruckt

Viele Demonstranten haben sich nicht auf dem Paradeplatz eingefunden. Es sind rund zwanzig Personen, die Transparente in die Höhe stemmen, worauf beispielsweise zu lesen ist: «100-% Kapitalschutz, CS lügt» oder «Sie denken an Kapitalschutz, wir an Wortbruch». Die Banker lässt die Veranstaltung der Gruppe «Anleger-Selbsthilfe» sichtlich kühl. Sie verlassen den CS-Hauptsitz wie gewohnt und würdigen die Demonstranten keines Blickes. Vergeblich versuchen die Demonstranten, ihnen Flyer zu verteilen.

Die Credit Suisse hatte Kleinanlegern in den vergangenen Jahren eine Entschädigung angeboten, deren bei der Grossbank gelagertes Vermögen zu mehr als 20 Prozent in Lehman-Papieren investiert war. Wer hingegen lediglich 19 Prozent in Lehman-Anlagen hatte oder ein Vermögen von über einer halben Million besass, ging meist leer aus. «Diese Regeln sind willkürlich», sagt eine Demonstrantin aus der Region Zürich. Sie hatte auf Anraten ihres Kundenberaters 45 000 Franken in CS-Produkte investiert. «Ich wollte etwas Sicheres», sagt die Pflegefachfrau. Dass sie in Lehmann-Produkte investierte, hab sie nicht gewusst. Gerichtlich gegen die Grossbank vorgegangen ist die Demonstrantin nicht. «Die Bank kann sich einen jahrelangen Rechtsstreit leisten, ich nicht», sagt sie.

Protestieren tut gut

Zur Demonstration gefahren ist auch die 70-Jährige Monique Vezenyi. Die Rentnerin verlor wegen den Lehmann-Papieren der CS 15 000 Franken. Sie sei von ihrem Berater zu den Lehman-Produkten überredet worden. «Eigentlich wollte ich Kassenobligation kaufen, doch der Berater sagte, das Produkt sei noch sicherer.»

Mit einer Entschädigung rechnen kann die Rentnerin nicht. Nur 18 Prozent ihres Vermögens waren in Lehmann-Produkte investiert. Sie sei sich bewusst, dass sich die Bank wegen der Demonstration nicht umstimmen lasse. Trotzdem ist Monique Vezenyi aus La Chaux de Fonds nach Zürich gereist. Der Grund: «Protestieren tut gut. So kann ich Frustration abbauen.»

Kleinanleger schwor sich zu US-Präsident Bushs Zeiten, nie mehr mit den USA zu tun zu haben. Seine US-Aversion ging so weit, dass der ehemalige Spitzenläufer auf die Teilnahme am New York Marathon verzichtete, um ja keinen Fuss auf den verhassten Boden setzen zu müssen. Schon gar nicht wollte Rey Papiere amerikanischer Schuldner in seinem Portefeuille haben. Das habe er seinem Berater auch deutlich gemacht. Bei der Pleite der US-Bank Lehman stellte sich heraus, dass der CS-Berater Reys in dessen Namen «kapitalgeschützte» Produkte der US-Bank erworben hatte, die nur formell von einer holländischen Firma herausgegeben worden waren. Das Gegenparteirisiko lag hingegen bei Lehman.

Kleinanleger schwor sich zu US-Präsident Bushs Zeiten, nie mehr mit den USA zu tun zu haben. Seine US-Aversion ging so weit, dass der ehemalige Spitzenläufer auf die Teilnahme am New York Marathon verzichtete, um ja keinen Fuss auf den verhassten Boden setzen zu müssen. Schon gar nicht wollte Rey Papiere amerikanischer Schuldner in seinem Portefeuille haben. Das habe er seinem Berater auch deutlich gemacht. Bei der Pleite der US-Bank Lehman stellte sich heraus, dass der CS-Berater Reys in dessen Namen «kapitalgeschützte» Produkte der US-Bank erworben hatte, die nur formell von einer holländischen Firma herausgegeben worden waren. Das Gegenparteirisiko lag hingegen bei Lehman.

CS entschädigte freiwillig

Die Credit Suisse hat vor rund zwei Jahren ohne Anerkennung einer Rechtspflicht über 3700 betroffene Kunden mit insgesamt mehr als 150 Millionen Franken entschädigt. Mit dieser Kulanz ist die Credit Suisse laut eigenen Angaben weltweit führend. «Unser Angebot wurde von den allermeisten Kunden angenommen», sagt CS-Sprecher Marc Dosch. Die Bank gibt aber zu, dass es zu Härtefällen gekommen sei. «Es gibt eine Handvoll unzufriedene Leute», so Dosch. Aber: Grundsätzlich bestehe kein Anspruch auf eine Kulanzzahlung – denn das Prinzip der Eigenverantwortung des Anlegers bleibe wichtig. Die CS hält fest, dass die Finanzmarktaufsicht (Finma) die Untersuchung eingestellt und kein systematisches Fehlverhalten der Bank beim Vertrieb von Lehman-Produkten festgestellt habe.

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