Wikileaks: «Ein kettenrauchender alter Kerl»
Aktualisiert

Wikileaks«Ein kettenrauchender alter Kerl»

Trotz Krankheit bleibt Nordkoreas Diktator Kim Jong Il ein starker Trinker und Raucher. Viel mehr wissen die USA über seine Gesundheit und seine mögliche Nachfolge aber nicht.

von
pbl

Die von Wikileaks veröffentlichte US-Diplomatenpost zeigt, warum Nordkorea als «schwarzes Loch Asiens» bezeichnet wird, so die «New York Times». So erfährt man, dass der vermeintliche Verbündete China weit weniger Einfluss auf Pjöngjang hat als bislang angenommen. Die Dokumente belegen zudem, dass die Einschätzungen der US-Diplomante über die Zustände im isolierten Land mehr auf Werweissen denn auf Fakten beruht.

Die USA unterhalten keine diplomatischen Beziehungen mit Nordkorea und besitzen kaum Informationen aus erster Hand, sondern sind angewiesen auf Berichte von Flüchtlingen oder von Gästen der nordkoreanischen Führung. Das Hauptinteresse richtet sich dabei laut dem «Guardian» auf den Gesundheitszustand des 69-jährigen Diktators Kim Jong Il, der vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitt, und auf seine möglichen Nachfolger.

Champagner und Cocktails

So berichteten chinesische Besucher, dass Kim trotz seiner angeschlagenen Gesundheit nach wie vor Alkohol und Tabak konsumiere. In China gelte er als «ziemlich starker Trinker». Eine Geschäftsfrau berichtete, Kim habe nach dem offiziellen Treffen Champagner und Whisky-Cocktails getrunken und Kette geraucht. Lee Kuan Yew, der frühere Regierungschef von Singapur, bezeichnete Kim gegenüber der dortigen US-Botschaft als «schlaffen alten Kerl». Es sei nur eine Frage der Zeit, bis er einen weiteren Schlaganfall erleide.

Dies wirft die Frage nach der Nachfolge auf. Allgemein gilt es als erwiesen, dass Kim Jong Un, der jüngste Sohn des Staatschefs, als Thronfolger auserkoren ist. Ein vertraulicher Bericht des US-Aussenministeriums geht davon, aus, dass Kim Jong Un beim Tod seines Vaters in «grosse Gefahr» geraten könnte. Es sei zweifelhaft, dass er Herausforderungen seines Machtanspruchs erfolgreich abwehren könne.

Militärs an die Macht?

Chinesische Forscher mit guten Kontakten nach Nordkorea halten es laut einem Memo des amerikanischen Konsulats in Schanghai für wahrscheinlich, dass «eine Gruppe hoher Militärs» die Macht übernehmen werde, da derzeit keiner von Kim Jong Ils drei Söhnen für die Nachfolge in Frage komme. Der älteste sei «zu sehr Playboy», der mittlere «mehr an Videospielen» als am Regieren interessiert und Kim Jong Un «zu jung und unerfahren».

Die jüngsten Eskalationen auf der koreanischen Halbinsel könnten dem widersprechen. So gibt es Vermutungen, dass der jüngste Sohn sowohl die Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffs «Cheonan» als auch die Beschiessung der Insel Yeonpyeong orchestriert hatte. Zudem erklärte Nordkorea am Montag, man komme mit seinem Atomprogramm voran. Die Regierung betreibe eine moderne Anlage zur Urananreicherung mit Tausenden Zentrifugen, schrieb die Zeitung «Rodong Sinmun». Ausserdem würden Leichtwasserreaktoren gebaut. Die Urananreicherung diene nur friedlichen Zielen.

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