«Jeder Rappen zählt»: «Ein Klamauk ohne grosse Wirkung»
Aktualisiert

«Jeder Rappen zählt»«Ein Klamauk ohne grosse Wirkung»

Die Fernseh-Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» ist für das SRF ein voller Erfolg. 670 Millionen Rappen kamen zusammen. Das freut aber längst nicht alle: Andere Hilfswerke fühlen sich benachteiligt.

von
pre

6,7 Millionen Franken hat die Fernseh-Sammelaktion «Jeder Rappen zählt» in einer Woche unter dem Motto «Wasser: Jeder Tropfen hilft» gesammelt. Trotz des Erfolgs ist die Kritik am Format auch nach der vierten Ausgabe nicht verstummt: «Uns ärgert es, dass der Medienmonopolist ins Spendengeschäft einsteigt. Fundraising gehört nicht zu den Aufgaben des SRF», sagt Mark Zumbühl (59) von der Behindertenorganisation Pro Infirmis gegenüber dem SonntagsBlick.

«Gerade jetzt in der Hauptsammelzeit steht die Aktion völlig quer in der Landschaft.» Zumbühl spricht aus, was viele kleine Organisationen bewegt. «Die Aktion von SRF schafft ungleich lange Spiesse. Wenn wir auf diesen Kanälen auftreten wollen, müssen wir für die Werbeplattformen zahlen», so Zumbühl.

Mangelnde Transparenz

Auch Bruno Schmucki (47) von der Behindertenorganisation Procap Schweiz fordert vom SRF: «Es wäre nötig, dass man den Themenfokus jetzt einmal wechselt. Die Logik wäre, dass auch wir uns einmal mit konkreten Projekten bewerben könnten.» Und Ex-Entwicklungshelfer Jan Stiefel (62) vom Verein Ideas sieht in der SRF-Aktion «ein Klamauk ohne grosse Wirkung».

Weiter wird dem SRF mangelnde Transparenz vorgeworfen: «Für viele ist zu wenig transparent, ob die Gelder professionell und zielgerichtet für den angegebenen Zweck verwendet werden», sagt Daniel Frei (46) von der Winterhilfe Schweiz. «Es ist schade, dass diese Aktion nur einen kleinen Kreis bedient und traditionelle Hilfswerke wie die Winterhilfe ausschliesst.»

Zu viel Unterhaltung

Auch Walo Bauer-Hug, Präsident der Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten grosser Hilfswerke (KPGH) fordert mehr Inhalt: «Pro Stunde Sendung wurden nur zehn Minuten dem eigentlichen Thema Wasser gewidmet. Das ist zu wenig. Das Verhältnis zwischen Unterhaltung und dem Vermitteln der inhaltlichen Zusammenhänge müsste ausgewogener sein, um nachhaltige Wirkung zu erzielen.»

SRF wehrt sich

SRF verteidigt seine Vorgehensweise. «Das Spendenthema darf durchaus auf lustvolle Art und Weise vermittelt werden, um eine breite Öffentlichkeit zu sensibilisieren», sagt Robert Ruckstuhl, Programmleiter bei Radio SRF. Er verweist auf viele Interviews mit Experten, Erläuterungen durch Moderatoren und Beiträge zum Thema.

«‹JRZ› ist eine kostengünstige Sendung», beteuert Ruckstuhl, ohne konkrete Zahlen bekannt zu geben. Den Zeitpunkt habe man gewählt, weil man Teil einer internationalen Sendung sein wolle, die zeitgleich in anderen Ländern stattfindet.

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