Aktualisiert 27.09.2018 05:43

Gelungene Wiedergutmachung

Ein kleiner Schritt zum neuen alten FCB

«Stand uff, wenn du Basel bisch.» Der FC Basel rehabilitierte sich in einem ersten Schritt für die in Bern erlittene 1:7-Schmach.

von
E. Tedesco

Der FCB gewinnt das erste Spiel nach der Schmach in Bern gegen den FCL 2:1. Fabian Frei ist erleichtert. (Video: 20 Minuten)

Geoffroy Serey Die sprintet über das Feld und wirft sich Trainer Marcel Koller mit einer Wucht um den Hals, dass einem Angst und Bange werden könnte. Schliesslich ist der FCB-Trainer um ein gutes Stück kleiner und leichter wie der ivorische Mittelfeldspieler. «Er kam richtig aggressiv auf mich zu», sagt Koller nach dem Spiel und musste schmunzeln. «Ich wusste aber gar nicht, was er mir sagen wollte», so Koller lachend. «Er lebt den Fussball und gibt immer alles.»

Serey Die gab in der 79. Minute alles und traf zum zwischenzeitlichen 2:0. Der Sturmlauf zum Trainer und die heftige Umarmung machten deutlich, wie viele Emotionen in diesem Team steckten und wie gross die Erlösung war. Die rotblauen Protagonisten waren fertig, aber erleichtert, diese mental schwierige erste Prüfung nach dem Debakel in Bern geschafft zu haben.

Der FCB wusste nicht, was ihn erwartet

Am Sonntag hat der FCB die höchste Niederlage seit 17 Jahren kassiert. Danach prasselte heftige Kritik auf den einst so stolzen Vorzeigeclub ein. Hohn. Auch Schadenfreude. Präsident Bernhard Burgener mühte sich, die Wogen zu glätten, «die wie ein Tsunami» über den FCB hereingebrochen waren. Positiv war, dass sich drei Tage später schon die sportliche Chance auf Wiedergutmachung bot. «Egal wie, Hauptsache gewinnen», sagte Sportchef Marco Streller vor Anpfiff. Die Führungsriege der Basler zeigte Einigkeit. Neben Streller waren Burgener, Karli Odermatt und die Verwaltungsräte Alex Frei und Massimo Ceccaroni auf der Tribüne auszumachen.

Wie würden die Fans reagieren? Auch an der Anhängerschaft ist die historische Klatsche nicht spurlos vorbeigegangen. Die Leserbriefseite der lokalen «Basler Zeitung» gestaltete sich monothematisch, die Foren waren voll mit bösen bis zynischen Kommentaren verärgerter und enttäuschter Anhänger. Aber immer, wenn man es von den rotblauen Fans am wenigsten erwartet, überrascht der «12. Mann». Schon vor dem Spiel sorgte die Muttenzerkurve mit ihren Gesängen für passende Stimmung. Als die Mannschaften den Rasen betraten, spannte sie ein Transparent mit der Aufforderung: «Stand uff, wenn du Basel bisch. Uffwache –Agriffe.»

Verbessert, aber lange nicht gefestigt

«Die Fans haben uns von Anfang an top unterstützt. Ich glaube, dass hat auch jedem Einzelnen gut getan», sagt Fabian Frei. «Wir wussten nicht so recht, wie das heute ablaufen wird. Das war sehr, sehr gross, wie sie uns unterstützt haben und ich denke, dass die Mannschaft ein bisschen zurückgeben konnte.» Die Zuschauer sahen ihren FCB, der auf Wiedergutmachung aus war, der bereit war zu kämpfen und zu leiden. Sie sahen einen verbesserten FCB, der einen ersten Schritt machte, aber auch einen, der bei weitem noch nicht gefestigt ist.

«Wir sind manchmal noch immer zu hektisch und haben nach wie vor viel Arbeit vor uns», weiss der FCB-Trainer, aber auch ihm war nach drei Meisterschaftsspielen ohne Sieg und der Kanterniederlage in Bern die Erleichterung anzusehen. Mit der Routine eines erfahrenen Trainers bewältigte er die schwierige Phase zwischen Sonntag und dem Spiel gegen Luzern. Es sei wichtig gewesen, sich auf das Team zu fokussieren. Den Spielern zu vermitteln, dass sie zuständig sind und nicht das Umfeld, das die Spiele dreht oder dafür sorgt, dass man gut spielt. «Gewinnen ist immer noch das schönste und geilste – schlussendlich egal wie», so Koller.

Die Wiedergutmachung ist geglückt. Zumindest ein erster Schritt, aber es sollten noch ein paar weitere Folgen, sagt Fabian Frei. «Wir nehmen diese drei Punkte, aber wissen, dass noch nicht alles gut ist.» Die Fans gaben sich fürs Erste zufrieden. Und möglicherweise war es auch ein erster kleiner Schritt zum neuen alten FCB.

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