Neue Freiheit in Genf: Ein Kochkurs für den Mann aus Guantánamo?
Aktualisiert

Neue Freiheit in GenfEin Kochkurs für den Mann aus Guantánamo?

Auf den Usbeken aus Guantánamo, den die Schweiz aufnehmen will, wartet ein umfassendes Integrationsprogramm. Der Mann muss nach Jahren der Haft das Leben in Freiheit neu erlernen.

von
Annette Hirschberg

Seit 2002 war der Usbeke, der demnächst in die Schweiz kommt, in Guantánamo inhaftiert. Nun wird der 35-Jährige nach jahrelangem Leben auf engstem Raum in der Schweiz wieder die Freiheit kennenlernen. Was das bedeutet, zeigen Berichte aus Irland, wo im Oktober zwei Usbeken aus Guantánamo aufgenommen wurden. Dort haben die Behörden ein 10-wöchiges Programm mit Intensiv-Kursen organisiert, in denen den Ex-Häftlingen so praktische Dinge wie das Kochen, aber auch Staatsbürgerkunde beigebracht werden.

Völlig neue Umgebung

Kochkurse scheinen auf den ersten Blick kein ernsthafter Beitrag zur Integration von Häftlingen zu sein. Doch für die beiden Guantánamo-Insassen waren offenbar genau diese einfachen Tätigkeiten des Alltags völlig fremd geworden. Das zeigen die Berichte einer irischen Betreuerin der zwei Ex-Häftlinge in der «Irish Times»: «Es ist eine umfassende Veränderung der Lebensverhältnisse. Sieben Jahre lebten sie eingesperrt auf Guantánamo und plötzlich sind sie in einer völlig neuen Umgebung, in einem fremden Land mit anderem Wetter.»

Um die beiden Usbeken mit dringend benötigten Kleidern und Schuhen auszustatten, war es nötig, sie zum Einkaufen zu motivieren. «Einer liess sich dazu überreden, der andere wurde nervös und entschied sich dagegen», erzählte die Betreuerin. Die zwei jungen Männer waren in Irland in einem Aufnahmezentrum untergebracht worden. Nur schon das Verlassen des Zentrums sei für sie ein grosses Unterfangen, weil sie sich so lange Zeit nicht frei bewegen durften, so die Betreuerin weiter.

Programm in Genf geheim

Auch in Genf plant man ein spezielles Programm für den Usbeken aus Guantánamo. «Was wir genau machen, möchten wir aber geheim halten», sagte Regierungsratspräsident François Longchamp. Das Rote Kreuz hat gemäss Mediensprecher Beat Wagner dem Kanton schon angeboten, den Usbeken im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer in Genf zu behandeln. Das Ambulatorium stellt Menschen, die durch Folter und Krieg traumatisiert wurden, ein multidisziplinär ausgerichtetes Therapieangebot zur Verfügung. Dazu gehören Psychiatrie, Medizin, Physio-, Körper- und Bewegungstherapie sowie Sozialarbeit. Ob der Kanton auf das Angebot eingehen wird, ist noch nicht bekannt.

Zudem ist nicht klar, wann der Mann aus Guantánamo in die Schweiz fliegt. «Zuerst muss der amerikanische Kongress der Entlassung in die Schweiz zustimmen», sagt Mediensprecherin Brigitte Hauser vom EJPD. Ob dies in den nächsten Tagen oder Wochen geschieht, kann Hauser nicht sagen.

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