Trotz Sponsoren: Ein König ist noch kein Millionär
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Trotz SponsorenEin König ist noch kein Millionär

Schwingerkönige sind begehrt. Das ganz grosse Geld lässt sich aber mit diesem Titel nicht machen.

von
heg
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Die besten Bilder des Schwing- und Älplerfestes 2016Der Kranz für den König: Eine Ehrendame krönt Matthias Glarner.

Die besten Bilder des Schwing- und Älplerfestes 2016Der Kranz für den König: Eine Ehrendame krönt Matthias Glarner.

Keystone/Peter Schneider
Glarner jubelt neben Ehrendamen.

Glarner jubelt neben Ehrendamen.

Keystone/Jean-christophe Bott
Glarner mit dem Siegermuni «Mazot de Cremo» und Miss Schweiz Lauriane Sallin.

Glarner mit dem Siegermuni «Mazot de Cremo» und Miss Schweiz Lauriane Sallin.

Keystone/Jean-christophe Bott

Der neue Schwingerkönig ist bescheiden. Matthias Glarner hat den Erfolg zwar realisiert. Bis der 1,86 Meter grosse und 115 Kilogramm schwere Athlet das Erreichte einordnen kann, wird es aber eine Weile dauern. Wohl auch deshalb hüpfte der beste Schwinger der Nation am Sonntag in Estavayer-le-Lac nicht vor Freude herum wie ein Verrückter.

Durch den Titel wird sich Glarners Leben verändern. Nicht grundlegend, aber es gibt mehr Verpflichtungen. Medientermine, Ehrungen sowie öffentliche Auftritte warten auf den Schwingerkönig. Seine Wohngemeinde Meiringen BE bereitet ihm am Montagabend ab 19 Uhr in der Tennishalle einen königlichen Empfang – ihm und seinem Cousin Simon Anderegg, der in Estavayer einen Kranz geholt hat. «Ich freue mich auf den Empfang in der Heimat und hoffe, dass es eine richtige Party gibt», sagte Glarner in einem Video-Interview mit der «Jungfrau Zeitung».

Sponsoren nur für Spitzenschwinger

Durch den Höhepunkt seiner Karriere wird Glarner über die Schwingerszene hinaus Aufmerksamkeit erlangen. Sponsoren werden anklopfen. Ein willkommener Batzen für den 30-Jährigen. Eine siebenstellige Summe wird aber nicht zusammenkommen. «Eine Million einzunehmen ist utopisch. Millionär wird ein Schwinger auch 2016 nicht in einem Jahr», sagte Rolf Huser in der «Aargauer Zeitung». Der ehemalige Radprofi ist mittlerweile im Sportsponsoring tätig und betreut auch den Spitzenschwinger Christian Stucki.

Stucki sowie die letzten beiden Schwingerkönige Matthias Sempach und Kilian Wenger dürften Sponsorengelder im sechsstelligen Bereich erhalten. Nur eine Handvoll Schwinger, zu denen nun auch Glarner zählt, kommt an lukrative Aufträge und damit an privates Sponsoring heran. Dank der finanziellen Unterstützung haben die Bösen den Vorteil gegenüber Amateuren, dass sie ihr Arbeitspensum reduzieren können und trotzdem nicht kürzertreten müssen.

Beschränktes Werbeumfeld

Der Eidgenössische Schwingverband spricht beim Sponsoring seiner Athleten auch ein Wörtchen mit: 10 Prozent der Werbeeinnahmen müssen abgegeben werden. 2015 waren dies 165'000 Franken, die Schwinger verbuchten also 1,65 Millionen Franken Werbeeinnahmen. Im Jahr des letzten Eidgenössischen, 2013, lag dieser Betrag noch bei 130'000 Franken.

Manche Schwinger wären froh, wenn sie mit privatem Sponsoring finanziell unterstützt würden. Es gibt aber einen, der als grosse Hoffnung für die Zukunft gilt; ihn interessiert das nicht. Es handelt sich um den 18-jährigen Sämi Giger, der beim Eidgenössischen in Estavayer hinter Glarner Zweiter wurde. In der «NZZ am Sonntag» sagte er: «Ich bin nicht so der Typ, der sich vermarktet.»

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