«Ein Kriminalist gibt erst nach einem halben Jahr auf»

Aktualisiert

«Ein Kriminalist gibt erst nach einem halben Jahr auf»

Der Suchraum ist riesengross. Die Hoffnung, die kleine Ylenia zehn Tage nach ihrem Verschwinden noch zu finden, ist nur noch klein. Das sagt der Chef der St. Galler Kriminalpolizei.

Man habe über 1000 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten und auch das Haus des mutmasslichen Täters in Spanien durchsucht, um Erkenntnisse zu bekommen über eine allfällige Vorbereitung der Tat und über das Leben Urs Hans Von Aesch. Das sagte der Chef der St. Galler Kriminalpolizei, Bruno Fehr. Der Suchraum sei «riesengross».

Hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung

Möglicherweise könnte die Tatausführung auch ausserhalb des Kantons St. Gallen erfolgt sein, sagte der St. Galler Kripo-Chef in der Samstagsrundschau von Radio DRS. In Weinfelden (TG) habe man einen konkreten Hinweis und es sei möglich, dass das weisse Fahrzeug des mutmasslichen Entführers beim Bürerwald gewendet habe.

Die Hoffnung sei von Anfang an klein gewesen, das Mädchen zu finden, er gebe die Hoffnung aber nicht auf. Im schlimmsten Fall sei das Mädchen aber tot. In wenigen Tagen werde die DNA der Kleider sehr viel helfen, den Fall aufzuklären. Die Polizei nehme grosse Rücksicht auf die Gefühle der Mutter. Das Bild sei jetzt aber so, dass man mit dem Schlimmsten rechnen müsse, sagte Fehr. Eine Vorverurteilung von Urs Hans Von Aesch wäre jedoch falsch. «Ein Kriminalist gibt frühestens nach einem halben Jahr auf», so der Kripo-Chef im Radio.

«Wem ein solcher Fall zu nahe geht, der arbeitet am falschen Ort»

Im «St. Galler Tagblatt» sagte der 50-jährige Jurist und Polizistensohn Fehr, der seit 1990 bei der St. Galler Kriminalpolizei arbeitet, er sei schon mit vielen Tötungsdelikten konfrontiert worden - dem Mord an einem Polizisten oder der Tötung eines Lehrers beispielsweise, aber der Fall um die verschleppte Ylenia, die Schiesserei im Bürerwald und der Selbstmord des mutmasslichen Täters sei ein Fall der alle Facetten der Kriminalpolizei berühre.

So sensibel Krminalpolizisten seien, sie müssten ihre Emotionen aber zurückstellen, sagte der Vater dreier Kinder. «Wem ein solcher Fall zu nahe geht, der arbeitet bei der Kriminalpolizei am falschen Ort», sagte Fehr, dessen Vater Verwalter der Strafanstalt Saxerriet war. Er sei mit dem Gefängnis und mit dem Grundsatz aufgewachsen: «Auch Verbrecher müssen als Menschen behandelt werden.» Solche Menschen lösen in ihm keine Abscheu aus, sie seien der schwarze Teil unserer Gesellschaft.

Keine Vorverurteilung von Aeschs für ungelöste Fälle

Gewaltverbrecher habe es immer und zu jeder Zeit gegeben. Auffallend sei nur, so Fehr, «wie wir heute immer mehr Menschen begegnen, die mit ihrem Umfeld nicht mehr klarkommen und die Gewalt in Verbrechen ausleben. Er sehe eine Erklärung dieser Entwicklung, ohne ein Mann von Zucht und Ordnung sein zu wollen, im Verlust von Werten, dem fehlenden Respekt gegenüber Mitmenschen, dem Setzen von Grenzen.

Der St. Galler Kripo-Chef warnte auch davor, Urs Hans Von Aesch voreilig all jene Kindsentführungen aus der Ostschweiz anzuhängen, die seit zwei Jahrzehnten ungeklärt sind: «Selbst wenn der Mann vor keinen Richter mehr treten muss, soll er korrekt behandelt werden. Auch für ihn gelte bezüglich der offenen Fälle von vermissten Kindern die Unschuldsvermutung. (dapd)

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