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Gerhard Seyfried - «Der schwarze Stern der Tupamaros»Ein kurzer Sommer der Anarchie

ROMAN – Fred lebt Mitte der Siebzigerjahre in München und wirkt als freischaffender Linksradikaler und umherschweifender Haschrebell. Er hat etwas gegen den Spiesser-Staat, in dem immer noch die alten Nazis auf ihren Posten sitzen. Geradezu hysterisch macht Politik und Justiz aus all den Op-

positionellen gefährliche Terroristen.

Fred schreibt auf ein paar Wände und macht bei anderen Aktionen mit, aber aus dem subersiven Witz wird langsam Ernst. Jenny, in die er sich verliebt hat, und ein paar Freunde wollen eine Bank überfallen. Dabei werden sie längst von der Polizei überwacht. Als Jenny in Berlin verhaftet wird wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, steht auch Fred vor der Frage, ob er in die Illegalität abtauchen soll. Doch von dort gibt es kein Zurück.

Gerhard Seyfried, 1948 in München geboren und bekannt geworden als Comic-Zeichner, verwendet in seinem zweiten Roman vor allem autobiografisches Material und hält sich eng an die historische Wirklichkeit. Seine Erzählung aus einer bleiernen Zeit beschreibt das Ende der Revolutionsromantik. Genau arbeitet der Autor auch den Unterschied zwischen RAF und anderen Organisationen heraus. Zudem ist der Roman eine durchaus ergreifende Liebesgeschichte aus einer Zeit, in der die bürgerliche Moral ersetzt wird durch eine ebenso repressive linke Moral. Höchstwahrscheinlich ist das das beste Jugendbuch des Jahres.

Wolfgang Bortlik

Gerhard Seyfried «Der schwarze Stern der Tupamaros», Eichborn-Verlag, 335 Seiten, 38 Franken.

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