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Ein Kuss mit teuren Folgen

Weil sie ihre roten Lippen auf ein weisses Gemälde von Cy Twombly gedrückt hat, muss sich eine 30-Jährige Künstlerin seit Dienstag vor einem Gericht in Avignon verantworten.

Die Staatsanwaltschaft forderte zum Prozessauftakt eine Strafe von 4500 Euro sowie ein Zwangspraktikum in Staatsbürgerschaftskunde. Die aus Kambodscha stammende Frau hatte im Juli in einer Ausstellung in Avignon mit ihren rot geschminkten Lippen einen Kussmund auf das Gemälde von Twombly platziert. Der weisse Stern des US-Künstlers hat einen geschätzten Wert von zwei Millionen Euro.

Die Täterin rechtfertigte sich mit dem Hinweis, das Bild sei durch ihren Kuss «noch schöner geworden». Es habe sich um eine «Geste der Liebe» gehandelt, sie sei von dem Kunstwerk überwältigt gewesen. Staatsanwalt Yves Micolet unterstellte ihr indes «eine Art Kannibalismus», die Anklage lautet auf absichtliche Beschädigung eines Kunstwerks.

Der Eigentümer des weissen Sterns, Yvon Lambert, verlangt Schadensersatz von zwei Millionen Euro sowie 33.400 Euro für die Restauration des Gemäldes. Seine Anwältin Agnès Tricoire stellte klar, man könne nicht von einer Liebesgeste sprechen. «Zur Liebe gehören immer zwei», sagte sie. Mit dem Urteilsspruch wird am 16. November gerechnet. (dapd)

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